Alsfelder Märchenhaus

In der mittelalterlichen Stadt Alsfeld befindet sich ein wunderschön restauriertes Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert. Seltsame Figuren sind an der Fassade zu sehen. Aus einem Fenster schüttelt eine Frau ein Kissen und aus einem anderen lässt ein Mädchen seinen langen Zopf hinunter. Warum? Das Haus beherbergt eine Märchenausstellung. Frau Holle und Rapunzel sind hier zu sehen. Wir hatten Glück. Die Ausstellung war geöffnet und auf drei Ebenen wurden wir in das Märchenland der Brüder Grimm entführt. Da steht in einer Ecke das arme kleine Mädchen, das sein letztes Hemd für noch ärmere Menschen hergibt und mit Sterntalern wunderbar belohnt wird. Und da sind die Geschwister Hänsel und Gretel in der „Hexenstubb“, die sich gemeinsam aus der Gefangenschaft befreien. Eine ganz besondere Bedeutung für die Gegend hat das hübsche Mädchen, das der kranken Großmutter in einem Korb Kuchen und Wein bringt. Beim Blick ins Krankenbett erlebt das Kind eine böse Überraschung. Warum sieht die alte Frau denn so seltsam aus? Drama. Warum diese Figur eine besondere Bedeutung für Alsfeld und Umgebung hat? Sie trägt die Schwälmer Tracht mit dem roten Käppchen.

Märchenhaus in Alsfeld am 4. August 2017

Alsfelder Rathaus

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„Der verzauberte Berg“

In der Nähe der Stadt Bozen am Zusammenfluss von Etsch und Eisack liegt hoch oben auf einem Felsen das Schloss Sigmundskron. Bereits im Jahre 945 erwähnt hat die imposante Anlage mit wechselnden Besitzern eine lange Geschichte. Die jüngste Geschichte und Grund, warum es uns während eines Wanderurlaubs im Grödnertal zu dieser Festung zieht, beginnt im Jahre 2006. Seitdem beherbergt die Burg eines von fünf Messner Mountain Museen. Reinhold Messner, berühmter Meister der höchsten Gipfel, hat es sich zum Ziel gesetzt, weltweit gesammelte Erfahrungen und Erkenntnisse aus seinen Touren an viele Menschen weiterzugeben. Verständlich, dass er das in seiner Südtiroler Heimat tut, deren Hochalmen, felsige Steigungen und Panoramablicke auch uns Westfalen faszinieren.

„Der verzauberte Berg“ lautet das Motto der Ausstellung in Schloss Sigmundskron. Ich bin gespannt auf die Präsentation, gehe durch ein Eingangstor und betrete das Gelände wie einen heiligen Ort. Schon im ersten Raum fasziniert die großartige Architektur, die trotz moderner Treppen und transparenter Wände die historische Substanz des alten Gemäuers erhält. Nach Betrachtung einer chronologischen Folge von Gemälden, Bildern, Fotografien und Videos finde ich mich wieder im Goethezitat, auf einem Holzbalken abgedruckt: „Die Gebirge sind stumme Meister und machen schweigsame Schüler.“

Ja, die stummen Meister sind präsent, stehen da, wo sie stehen, groß, hoch, gewaltig, trotzen Wind und Wetter und schauen wohlwollend auf uns kleine Wesen herunter. Wohlwollend schauen auch die allgegenwärtigen Götter in einem anderen Raum. Sie lächeln sogar. Es ist eine Präsentation rund um den „Kailash“, heiliger Berg Tibets. Götter aller Religionen sollen im Gebiet dieses legendären Kegels wohnen. Jeder Tibeter hat das Ziel, den Bergriesen zu umrunden. Eine äußerst schwierige mehrtägige Tour, die bis auf 5700 m hoch geht, erfahre ich später im Video. Messner hat ihn zweimal umrundet, jedoch nicht bestiegen, zu heilig der Berg, heißt es. Nur ein Eremit namens Yogi Milarepa (1052-1135) habe seinerzeit den Gipfel erreicht, auf einem Sonnenstrahl, sagt die Legende.

Nach Besichtigung des weißen Turms, in dem die Geschichte von Schloss Sigmundskron mit Höhen und Tiefen dokumentiert wird, heißt es hochsteigen auf das gegenüberliegende Turmgebäude. Auch hier wird die eindrucksvolle Architektur der Anlage beibehalten, Treppen und Räume modern gestaltet, prima kombiniert mit dem historischen Ambiente. Zahlreiche Details aus vielen Bereichen des Bergsteigens gibt es hier zu sehen, Kleidung, Schuhe, Zelte, Ausrüstung geeignet für gefährliche Klettertouren bei extremen Wetterverhältnissen.

Manches schleppt man gar nicht wieder hinunter, sondern wirft es da ab, wo man es gerade nicht mehr braucht. Eine gefüllte Box mit Sauerstoffflaschen, Atemgeräten und anderem erinnert an den Everest als „höchsten Müllberg der WELT“. Und nicht jeder kommt aus diesen extremen Höhen zurück. Das hat Reinhold Messner hautnah erfahren, als er im Jahre 1970 von einer Tour auf den Achttausender Nanga Parbat ohne seinen jüngeren Bruder Günther zurückkehren musste. Ihm und vielen anderen Toten vom Nanga Parbat hat er einen kleinen Raum gewidmet, akustisch begleitet von der Stimme Bob Dylans „The answer, my friend…“.

MMM Messner Mountain Museum „Firmian“ am 26. Juli 2017

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Hanak auf der Deutzer Freiheit

Straßenfest auf der Deutzer Freiheit. Die kölsche Band um den Frontmann mit den schwarzweißen Streifen, war dabei. Auf und vor der großen Bühne vor der Kirche wurde gerockt, geschunkelt, gesungen, getanzt. Micha Hirsch fand die richtigen Worte, um das Deutzer Publikum für bekannte und neue Stücke zu begeistern. Da war auf der Playlist der „Haifischzahn“ wie das Lied für die Kölner Haie. Und die neue Ballade „Wenn ich jon“. Klar, um wiederzukommen.

Straßenfest in Köln Deutz am 5. August 2017

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Vom Col Raiser zur Steviahütte

Wer im Sommer in St. Christina im Grödnertal wandern will, hat eine große Auswahl an Touren in alle Richtungen, auf Almen, Waldwegen, Scharten und Gipfel. Nach zwei leichten Wanderungen auf der Hochalm am Col Raiser über die Gamsbluthütte und einer über den Monte Pana zum Picknickplatz am Langkofel wagen wir am letzten Tag eine mittelschwere zur Steviahütte. Mit der Col Raiser Gondelbahn schweben wir hinauf und laufen zunächst mal schön gemütlich vorbei an Fermeda- und Regensburger Hütte. Dann geht’s eine ganze Weile sanft ansteigend durch den Wald. Oberhalb der Baumgrenze zwischen dicken Felsbrocken finden wir ein Picknickplätzchen. Das haben wir uns schon verdient und wenn wir hinaufblicken durch die Pizascharte zum Ziel, wird uns klar, dass wir die Stärkung für den Aufstieg gut gebrauchen können. Steinig, steil und rau geht es hinauf und hinauf, teils mit Treppen, teils mit Drahtseilen gesichert, rechts und links schroffe Felswände.

Endlich über die Kante geschafft und gleich vom kühlen Lüftchen begrüßt. Als Belohnung für die Mühe gibt es zunächst den Blick in den Abgrund, aus dem wir kommen. Oha, das soll ich geschafft haben? Jawoll, hab ich, auch wenn mir jetzt beim Blick hinunter fast schwindlig wird. Und nun darf ich beim Rundumblick ein faszinierendes Gipfelpanorama an mir vorbeiziehen lassen. 20 Minuten zur Steviahütte, steht auf dem Schild. Ein schmaler Pfad zieht um den Berg herum, ständig begleitet von diesem unglaublichen Puez-Geisler Panorama. Und da liegt die Hütte auf saftiggrüner Alm, sehr gut besucht. Auf einer Wäscheleine flattern lustig bunte Jacken und Pullis im Wind. Ach so, da kann der geschwitzte Wanderer seine Sachen von Sonne und Wind trocknen lassen. Doch erst einmal das Naheliegendste: Wandern macht hungrig. Apfelstrudel? Ist schon aus. Überhaupt kein Kuchen mehr. Salat? Wie soll der denn hier hochkommen ohne Fahrweg oder Lift? Alles muss mühsam hochgebracht werden, erfahren wir. Nun, mit amerikanischem Kaffee und Brotkorb geben wir uns zufrieden, müssen uns dann eben auf das nächste Picknick aus dem Rucksack freuen. Doch erst mal die Sylvesterscharte meistern, etliche Höhenmeter steil hinauf, dann steil und eng hinunter. Auf halbem Weg lockt uns eine Bank, vom Abgrund ein wenig entfernt mit Langkofelpanorama. Päuschen. Der Rucksack gibt noch einiges an Leckereien her, Brote, Nüsse, Rosinen, Schoki. Weiter geht’s bis zur Baumgrenze, durch den Wald, hinunter, hinunter, hinunter, vorbei an einem kleinen See und der Juachütte. Der Weg zieht sich teils geröllig, teils geteert, endlos. Nach gut zehn Kilometern und etlichen hundert Höhenmetern in grandioser Landschaft erreichen die müden Wanderer den Parkplatz an der Talstation der Col Raiser Bahn.

Track zur Stevia Tour am 28. Juli 2017

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Happy Birthday, Carlos Santana

Carlos Santana!
Für mich das Lebensgefühl der 70er.
Keine Fete ohne die LP, die wohl alle hatten, zumindest alle, die ich kannte.
Ob in Szenekneipen in Hannover, zwischen Weinbergen in Rheinhessen, Workshops in Frankenthal. Santana, das war Abheben und Schweben mit „Samba Pa Ti“, Tanzen mit „Black Magic Woman“ und Spaß pur mit „Jingo“.

Mein Hit der 70er wird heute 70. Carlos Santana, am 20. Juli 1947 in Mexiko geboren. Happy Birthday und danke für all die wunderbaren Songs und unvergleichlichen Gitarrenriffs, die mich seinerzeit auf jeder Autofahrt begleitet haben und die du heute noch immer auf den Bühnen der Welt performst.

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Zeitreise in die Sechziger mit Ruprecht Frieling

„Der Bücherprinz – als der Beat nach Westfalen kam“ war der Titel einer Lesung im Rahmen der Ausstellung „We want to make a Revolution – Der Herforder Jaguar-Club“ im Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde. Heimspiel für den Bücherprinzen Ruprecht Frieling. Viele Freunde von früher und heute waren in den Torhaussaal gekommen und ließen sich mitnehmen auf eine kurzweilige Zeitreise in die ostwestfälischen Sechziger. Hier wurde Ruprecht geboren, ging zum Thomas-Morus-Gymnasium und machte Eltern und Lehrern das Leben schwer. Kirchgang schwänzen? Nogo! Freche Texte in der Schülerzeitung? Skandal! Lange Haare? Oh Gott! Die armen Eltern, gestraft mit einem Enfant terrible. Der Spross machte, was er wollte, fuhr abends nach Bielefeld oder nach Herford in den Jaguar-Club von Carola Frauli.

Die freakige Gründerin der Location brachte es fertig, die angesagtesten Größen der Popularmusik in diesen ehemaligen Kinosaal zu holen, wie Eric Clapton, Rod Steward und Jimi Hendrix. Und der Oelder Paradiesvogel brachte es fertig, auch ohne Eintrittskarte hineinzukommen. Seine Dienstleistung, mangels Knete in Form von Fotos von den Veranstaltungen zu zahlen, akzeptierte Carola. So reihte sich Anekdötchen an Anekdötchen aus Elternhaus, Schule und Club, überaus kurzweilig erzählt und gelesen. Lustig allemal, wenn wir hören, Jimi wäre an dem Abend wohl etwas krank gewesen und brauchte dagegen … na ja.

Wie hab ich diese Zeit eigentlich erlebt? Auch ich musste aus katholischem Kleingeistmief flüchten. Mädchengymnasium. Aber es gab ja Ferien. Und sobald die begannen, strebte ich zum Hammer Bahnhof. Um Mitternacht fuhr der D-Zug in sieben Stunden zum Bahnhof Zoo. Zu Hause jedes Mal: „Dafür kriegst du kein Geld“ und jedes Mal die Gewissheit: Im Briefkasten in der Handjerystraße gibt’s einen Fuffy. Und mit dem kam man in Berlin ganz schön weit, für 50 Pfennig S-Bahn fahren, Bantam Super in der Kantstraße, Aschinger am Zoo, Hühner-Hugo nachts um drei und die „Eierschale“ am Breitenbachplatz. Jazz live. Direkt vor der Bühne seine Helden richtig schön anheizen.

Ja, Kult.

Lesung aus „Der Bücherprinz oder: Wie ich Verleger wurde“
am 29. Juni 2017 im Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg

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Vom Ring zum Rhing

Kölnbummel kann ich immer wieder machen. So schön, diese Stadt. So viele Erinnerungen. Inspiration. Heute fahre ich vom Hauptbahnhof mit der U-Bahn U18/U4 via Neumarkt zum Friesenplatz. Von dort ein Stück den Ring entlang wandern, hier und da ein Lädchen inspizieren, zum Beispiel den Buchladen „Taschen“ an der Ecke Hohenzollernring/Ehrenstraße, bis zum Rudolfplatz. Da stehe ich vor der mächtigen Hahnentorburg, einem Teil der ehemaligen Stadtmauer. Wie im Mittelalter alle Besucher aus westlicher Richtung, betrete ich jetzt die Stadt durch das Hahnentor, schalinse ein bisschen an den Ständen des kleinen Biomarktes und gehe entlang der Hahnenstraße zum Neumarkt. Da interessiert mich gerade der Foodbereich in der Neumarkt Galerie, bevor ich mich in die quirlige Konsummeile namens Schildergasse stürze, die aber schnellstens passiere.

Richtung Altstadt und Rhein. Vorher brauche ich mal ein Käffchen. Bei Merzenich an der Ecke Gürzenich-/Hohestraße draußen sitzen, mit Straßenmusik. „Que sera“. Münze in den Hut der Sängerin, Hohe Straße links liegen lassen, durch die Gürzenichstraße und über den Heumarkt hinunter zum Rhing, direkt bei der Kölner Pegeluhr an der Deutzer Brücke. Mütter und Väter mit Kinderwagen, Senioren mit oder ohne Gehhilfen, Schulklassen, viele junge Leute sind schon da, auf Promenade, Wiese, Mauern, Steinen, Treppen und Bänken, vor diesem unvergleichlichen Panorama aus dem Ensemble von Hotels, Gasthäusern, den bunten Stapelhäuschen, Groß Sankt Martin, Domtürmen, Fischmarkt und Hohenzollernbrücke bis zum Deutzer Rheinboulevard. Das kann man nicht toppen. Eine kleine Menschenschlange wartet vor einem Ausflugsschiff der Köln Düsseldorfer. Rheinfahrt mit dem Schiff wär doch auch mal ’ne Option für mich. Ich nehme ein Fahrplanheftchen mit.

Durch eine kleine Allee, die mir bei all meinen Kölnwanderungen vorher nie aufgefallen war, geht’s zur breiten Treppe hinauf zum Platz vor dem Museumscafé und zur Hohenzollernbrücke. Auf einer Stufe mache ich es mir ein knappes Stündchen mit Tablet und dem Kölner Hotspot gemütlich. Die dunklen Wolken über den Domspitzen? Nun, zum Museumsfoyer ist es ja nicht weit. Und schön warm ist es auch. Ich schaffe es dann sogar noch trocken auf die Brücke mit den Liebesschlössern und kann jetzt von oben auf den breiten Fluss, in das Innere eines Schiffes und zur Deutzer- und Severinsbrücke schauen. Als ich mich im Foyer des Museums Ludwig über die neue Ausstellung zu den 60ern „Kunst ins Leben“ informiere, kommt erst der heftige Regenschauer. Den kann ich dort auf einer Bank abwarten, bis im Hauptbahnhof mein heutiges Gängelchen um die Kölner Ecken endet.

Köln am 28. Juni 2017

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„ExtraSchicht. Die Nacht der Industriekultur“

Unsere „Nacht der Industriekultur“ beginnt um kurz nach fünf am Hammer Bahnhof mit der Bahnfahrt nach Dortmund. Die „Kokerei Hansa“ ist unser Ziel. Ein Sonderbus bringt uns vor das Eingangstor, von wo wir uns langsam vorwärts tasten, ein Ensemble von dicken rostbraunen Rohren betrachten und die Metallstufen zu einer großen Maschinenhalle nehmen. Der Begriff Schwerindustrie bekommt für mich plötzlich eine Dimension, wenn ich mir vorstelle, dass diese Metallriesen bis zum Jahre 1992 niemals still gestanden haben. Kohle aus dem gesamten Ruhrgebiet wurde hierher transportiert und daraus Koks für die Hochöfen der Stahlindustrie hergestellt. Tag und Nacht, die Öfen durften nicht kalt werden. Ein Mann gibt geduldig Informationen, aber ich muss ja nicht alles verstehen. Faszinierend genug, auch dann um die gesamte Anlage herumzuwandern, hier und da stehen zu bleiben und einen eisernen Giganten zu fotografieren, der aus üppigem Grün keck in den Himmel ragt.

Nach kleiner Stärkung am Sushi- und Burgerstand geht’s zurück und weil auf dem Weg zum Hauptbahnhof der Bus am Brauereimuseum hält, nehmen wir es noch mit ins Programm. Es befindet sich auf dem Gelände der „Dortmunder Actien-Brauerei“, wo noch Bier gebraut und gleichzeitig die Brautradition der Stadt Dortmund und des Ruhrgebiets und der Bierkonsum vor dem Jahr 1950 und früher dokumentiert wird. Schön nostalgisch die Ausstellung, ein ganzer Reigen von historischen Werbeplakaten und Bildern sowie kleinen und großen Exponaten wie historische Bierflaschen und -kisten, das knallrote Bierauto, ein wahres Schmuckstück, und ein überdimensionales Bierfass im Kellergeschoss. Zum Abschluss holen wir uns ein Gläschen am Bierstand und hören den DJs zu, die eine Pause im Livemusikprogramm überbrücken.

Weiter geht unsere „ExtraSchicht“ mit Bus, Bahn und Auto nach Hamm Herringen zum „CreativRevier Heinrich Robert“. Diese ansonsten nicht zugängliche Location kennen wir schon vom vergangenen Jahr. Da wurde sie noch „Bergwerk Ost“ genannt. Und in diesem stillgelegten Bergwerk, das sich jetzt in der Dunkelheit in bunten Leuchtfarben präsentiert, hat bis zum Jahre 2010 ein Mann gearbeitet, der uns in einer kleinen Gruppe, jeder Teilnehmer mit Helm ausgestattet, durch die Anlagen führt, Informationen über Gebäude, Förderanlagen und Schächte gibt und aus dem Nähkästchen plaudert. Anschließend erreichen wir über eine Hintertreppe das Verwaltungsgebäude mit großer Halle, in der die Kumpel sich seinerzeit umgezogen und ihre jeweilige Kleidung in Drahtkörben unter die Decke gezogen haben. Hier gibt’s auch Informationen zum Kulturprojekt „CreativRevier Heinrich Robert“, das in den nächsten Jahren nach und nach realisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. „Aus Kohle wird Kultur“, heißt das Motto. Einen Vorgeschmack bekommen wir schon auf dem Platz zu Füßen des Hammerturms mit Livemusik auf großer Bühne und anschließender Laserpräsentation.

„ExtraSchicht. Die Nacht der Industriekultur“ am 24. Juni 2017

„ExtraSchicht“ im Bergwerk Ost am 25. Juni 2016

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Hanak beim Straßenfest am Eigelstein

An diesem Sonntag im Juni wird gefeiert auf der kleinen Meile zwischen der mächtigen Torburg und dem Zusammentreffen von Eigelstein, Eintrachtstraße, Weidengasse und „Unter Krahnenbäumen“. Straßenfest am Eigelstein. Das Wetter spielt mit und so schieben sich kleine und große Menschen dicht gedrängt zwischen Verkaufs-, Imbiss-, Getränkeständen, versammeln sich an einem der Steh- oder Biertische, vielleicht vor einer Bühne.

Vor eine dieser zwei Bühnen zieht es uns nach einem feinen Curry beim Thai Imbiss und Eisdessert bei Yomaro Frozen Yogurt. Die Kölner Band „Hanak“ performt unplugged eine kleine Auswahl ihrer Highlights. Trotz Hitze und reduzierter Besetzung bringen Micha Hirsch und seine Musiker das Kölner Publikum zum Mitsingen und Mitmachen. „Naach d’r Nächte“, „Engel“ und den „Haifischzahn“ schenken sie für ein „kleines Lachen“. Damit können wir doch nach ein paar schönen Stunden zum Bahnhof wandern und uns noch ein bisschen freuen.

Straßenfest am Eigelstein am 18. Juni 2017

„Hanak“ im Hard Rock Café Köln

Meine kleine Tour durch das Eigelsteinviertel 2014

Thai Imbiss und Yomaro Frozen Yogurt am Eigelstein

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Skulptur Projekte Münster 2017

Es war ein weiser Entschluss, sich beim Besuch der Skulptur Projekte in Münster zunächst einmal auf Objekte zu beschränken, die rund um Domplatz und LWL-Museum zu Fuß zu erreichen sind. Und es war gut, zur ersten Information im Museumsshop Katalog und Karte mit den Standorten zu erwerben. Rund um den Aegidiimarkt gab es dann gleich mehrere Werke zu besichtigen. Zwei junge Künstlerinnen, die sich als Duo „Peles Empire“ nennen, haben auf dem Parkplatz des Oberverwaltungsgerichtes ein in dekorativem Schwarzweiß gehaltenes kleines Gebäude errichtet, das sie „Sculpture“ nennen. Es handelt sich um eine gekachelte Giebelfassade mit hinterem Teil, das man begehen kann. Im schlichten Innenraum steht diagonal eine Art Bar, deren Musterung mir ganz gut gefällt und an der die Künstlerinnen wohl hin und wieder Besucher zu Gesprächen empfangen. Ein rumänisches Königschloss soll für die Miniatur Pate gestanden haben, lese ich im Katalog. Und das Objekt habe auch einen Lokalbezug. Die „historisierende Bauweise“ des Münsteraner Prinzipalmarktes sei hier nachempfunden.

In der Passage auf der gegenüberliegenden Seite der Aegidiistraße entdecken wir eine Reihe von Postern, die jeweils mit einem QR-Code versehen sind. Objekte und Szenen aus Arbeit und Alltag wie die rotierende knallgelbe Bürste einer Autowaschanlage, das Einsetzen einer Kontaktlinse oder eine im Wind flatternde Plastiktüte sind da zu sehen. Nach dem Scannen der QR-Codes mit dem Smartphone werden diese Inhalte in kleinen Filmchen zum Leben erweckt. „Laboratory Life“ nennt Andreas Bunte das Werk, eine interessante Kombination aus Realität, Plakaten im öffentlichen Raum sowie digitaler Darstellung für den individuellen Abruf.

Das Ausstellungslabel mit entsprechendem Pfeil in Rot auf das Straßenpflaster gemalt lockt uns in einen Innenhof. Der Projekttitel von Koki Tanaka umschreibt schon einiges, was er in Hof und Souterrainraum eindrucksvoll präsentiert: „Provisional Studies Workshop #7 How to Live Together and Sharing the Unknown“. Menschen in Schlafsäcke gehüllt auf dem Boden einer Turnhalle und auf Stühlen um einen Tisch herum in einem großen Raum, jenseits von Alltag beliebig zusammengekommen aufgrund einer unbestimmten Situation, sei es Evakuierung, Flucht oder Sonstiges. Fremde, die zufällig einander begegnen und miteinander umgehen, erfahre ich in einer kleinen Ausstellung und in Videos.

An einem Objekt auf dem Vorplatz des LWL-Museums sind wir schon zweimal vorbei gelaufen, ehe uns klar wird, dass es sich um eine der Skulpturen handelt, eine schwarze geschlossene Holzkiste mit der Aufschrift „fragile“ auf einem riesigen Tieflader. Cosima von Bonin und Tom Burr haben dieses Objekt gestaltet. Was in der Kiste drin ist, kann sich wohl jeder selbst überlegen. „Benz Bonin Burr“ nennen die Künstler ihr ungewöhnliches Werk.

Auf dem Weg durch die Salzstraße zieht es uns unwillkürlich durch ein schönes schmiedeeisernes Tor und wir befinden wir uns auf dem kleinen Platz vor dem Erbdrostenhof, wo schon viele Menschen stehen, um ein seltsames Gebilde herum, das die Künstlerin Nairy Baghramian geschaffen hat. Das Werk „Beliebte Stellen / Privileged Points“ erinnert mich an eine Schlange in Blau, lackierte aneinandergesetzte Rohre, aus Metall lese ich im Katalog. Und der Standplatz ist ja wirklich die allererste Adresse.

Das nächste Objekt finden wir beim Gängelchen durch die Promenade auf einer schönen großen Wiese. Irgendwie sieht es aus wie ein Zelt in hellen Farben und wird von alles Seiten bestaunt. Einen Eingang sucht man vergebens. Es ist nämlich die exakte Nachbildung eines Felsens und zwar des Felsens am See in Silvaplana, der seinerzeit Friedrich Nietzsche, der sich gerne in dieser Schweizer Gegend aufhielt, zu einem bekannten philosophischen Text angeregt hat. „Nietzsche’s Rock“ nennt der Künstler Justin Matherly seine Arbeit. Da kann man nun noch einiges hinein interpretieren. Mir genügt es zu wissen, dass die Skulptur aus Beton und Glasfaser hergestellt wurde und dass sie auf einer Reihe von Gehhilfen aus Münsteraner Krankenhäusern steht.

Und dann sind wir auch schon bald wieder am Münsteraner Bahnhof, der seit vielen vielen Monaten nur von der Ostseite aus zu erreichen ist. Das heißt, mit dem Zug anreisende Besucher müssen mindestens zweimal durch einen Tunnel die Bahnlinie unterqueren. Und ich traue meinen Augen nicht, als ich am Eingang das rote Hinweislabel auf eine Skulptur entdecke. Hab ich auf dem Hinweg was übersehen? Mal genau hinschauen. Nichts Besonderes, Graffitis, Plakate, Fahrräder, alles schön bunt, selbst einige Sattelüberzüge. Die alte Frau mit Bettelbecher sitzt immer noch da und ein wenig weiter ein junger Mann, dessen Hund gemütlich auf einer Decke vor sich hinschlummert, auch mit Bettelbecher. Skulptur? Wo soll die sein? Beim Hinausgehen entdecke ich wieder dieses rote Label auf dem Pflaster. Der Pfeil zeigt in die andere Richtung d.h. auch in den Tunnel hinein. Karte und Katalog helfen weiter. Es handelt sich um die Klangskulptur „Passage through Moondog / Quiet Storm“ von Emeka Ogboh. Nun, beim nächsten Skulpturenbesuch werde ich genauer hinhören. Dann werden wir mit dem Fahrrad kommen und uns die weiter außen befindlichen Sachen anschauen.

Münster am 11. Juni 2017

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