Dolberg, Lippborg, Uentrop, Werries

Es ist vielleicht der letzte schöne Sommersonntag in diesem Jahr. Also auf’s Fahrrad und los geht’s über Nordenstiftsweg und Münsterstraße zum Damm in den Lippeauen zur Fährstraße, letzte Gelegenheit, bevor diese Verbindung für sehr lange Zeit gesperrt sein wird wegen Bauarbeiten am Projekt „Erlebensraum Lippeaue“. Wir queren die Fährstraße, fahren vorbei am Schloss Heessen und weiter zum Schloss Oberwerries mit kurzem Stopp für ein Foto vom Herrenhaus mit Gräfte.

Von dort geht’s weiter über Dolberg und Ostdolberg zum Uentroper Wald mit Fotostopp bei „Tante Malchen“, idyllisch mit gut besuchtem Biergarten. Danach strampeln wir mutig am Rande der L822, die dann B475 wird und zum Zubringer der A2 führt. Die unterqueren wir aber nur und wechseln auf die andere Straßenseite. Da wird’s gleich deutlich ruhiger. In angenehmem Gelände mit Wäldchen, Wiesen und Feldern gelangen dann wir zum Kirchplatz von Lippborg.

Das ist ein kleiner Ort mit großer Kirche und fein gestalteter Skulptur auf dem Kirchplatz, gewidmet den Heiligen St. Cornelius, St. Cyprian und St. Ludgerus. Nach Verlassen des Ortes bekommen wir noch einen richtig schönen Abschnitt des Flusses, der ja wohl zum Namen beigetragen hat, die Lippe. Einige Meter weiter gibt’s eine weitere Überraschung, den historischen Bahnhof Lippborg-Heintrop.

Immer den Lippeauen folgend queren wir die Orte Bünninghausen und Vellinghausen mit Burg und erreichen den Kanal bei einer Brücke über die A2, wo gerade ein mit Kohle beladenes Binnenschiff dem Kraftwerk Westfalen zusteuert. Ein paar Kilometer nehmen wir den schönen Pfad direkt am Kanal bis Werries, wo wir in der „Knolle“ im Papenweg einkehren. Über Alten Uentroper Weg, der Steinernen Brücke, Jägerallee gelangen wir in den Kurpark.

Vorbei an der Saline erreichen wir beim neuen Ahse Düker wieder den Datteln-Hamm-Kanal, radeln nach Unterquerung der Münsterstraße in der Lippeaue an Schweinemersch und Borgstätte zur Kornmersch und da sind wir wieder im Hammer Garten.

Walters Track zur Radtour nach Dolberg, Lippborg, Uentrop, Werries am 20. September 2020

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Wilhelmshaven im September

Ein Hausboot ist unser Zuhause für ein paar Tage Radfahren in Friesland an der Nordseeküste. Es liegt am Flüsschen Maade im Hafen von Rüstersiel, im nördlichen Stadtteil von Wilhelmshaven am Neuengrodendeich. Das schwimmende Häuschen ist sehr schön eingerichtet und gestaltet mit Küche, Esstisch, Sofa, gemütlicher Schlafkoje sowie Bad mit Dusche und WC, Terrasse am Wasser.

Bei strahlendem Spätsommerwetter heißt es schnell einräumen, draußen Käffchen und Apfelstreusel, dann ab auf’s Rad ein Stück Deichweg Richtung Meer, das wir aber wegen Baustellen und schlecht zu findenden Umleitungen erst in der Nähe des Banter Sees erreichen. Das Päuschen auf der Deichwiese entschädigt für die hektische Zickzack- und Straßenfahrerei. Südlich vom Südstrand genießen wir dann den Nordseeblick, bis es uns in der Sonne zu heiß wird.

Dagegen hilft Fahrtwind. Also los, auf jeden Fall am Meer bleiben, das heißt die Südstrandpromenade müssen wir auf der Straße umfahren und gelangen in den Hafenbereich mit den verschiedenen Kais für die Fährschiffe nach Helgoland und Eckwarderhörne. Hier gibt’s einiges zu sehen, wir fahren am Rande einer Schleuseninsel, entdecken einen Leuchtturm am Ende einer Mole und fahren hin. „Alte Mole“ heißt er.

Weiter können wir nicht fahren, also zurück, Schleusen- und Südstrandstraße, über die Kaiser-Wilhelm-Brücke in die City, durch den Kurpark Richtung Neuengroden schönen Weg entlang eines Friedhofs, durch den Rüstringer Park bis zur Brücke über die Maade in Rüstersiel. Am Hafen machen wir noch kurz Fotopause und flitzen die paar hundert Meter zu unserem Hausboot. GemüseNudelPfanne mit Salatmix gibt’s auf unserer Terrasse am See.

An der Rüstersieler Brücke steht eine Schildergruppe für Radtouren in verschiedene Richtungen. Da orientieren wir uns gleich am nächsten Tag für eine Tour nach Hooksiel. Über Fedderwaddergroden durch Wiesen und Felder erreichen wir das Örtchen Sengwarden, dessen großes rotes Kirchengebäude schon von weitem in der Sonne leuchtet. Anhalten, auf den Kirchplatz hochsteigen und auch von innen anschauen.

Schlicht protestantisch mit interessanter Ecke, in der Fotos hier getaufter Kinder ausgestellt sind. Die süßen kleinen Monster mit oder ohne Schnuller sind in jedem Fall das Anschauen wert. Erst recht später dann der alte Hafen von Hooksiel mit historischem Wikinkerschiff. Überhaupt eine schöne ruhige Atmosphäre hier auf dem Platz am alten Sieltor. Noch ein kurzer Blick in die belebte Fußgängerzone und weiter geht’s nach Horumersiel. Wir halten kurz in der Ortsmitte und stellen fest, dass es nur einen Katzensprung ist nach Schillig.

Das machen wir doch, fahren beim gelben Leuchtturm über den Deich und befinden uns am Strand mit weißem Sand, Strandkörben, richtiger Brandung und Bank für das Picknick aus der Fahrradtasche. Zurück radeln wir entlang des Hooksieler Watt, tangieren den Yachthafen im Hooksieler See, über schöne Waldwege in Ufernähe und gelangen zur Schleuse, an der wegen Schleusenvorgang gerade die Brücke hochgezogen ist und somit Zeit zum Zuschauen bleibt, zumindest bis alle Boote im Hebebecken angedockt haben. Danach geht’s zügig zwischen Deich und Watt, tangieren einen großen Ölhafen, Jade Weser Port, umrunden das Kraftwerk und erreichen unseren Heimathafen am Rüstersiel. Abendessen? Spagetti alio olio und Salat mit Riesenbohnen drinnen am Esstisch mit Seeblick.

Der große Parkplatz am Strand von Schillig ist Ausgangspunkt für unsere nächste Tour. Sie führt uns in westliche Richtung entlang der Schilliger Dünen und mit Rückenwind entlang des Radweges zwischen Wasser, Watt und Pflanzstreifen, Deich mit Schafen bei Sonnenschein. Mit Rückenwind ist es ein wahres Schweben all die Kilometer bis zum nächsten Ort, dessen Silhouette schon bald am Horizont zu sehen ist. Harlesiel mit Fährhafen nach Spiekeroog und Wangerooge, Strand, Schöpfwerk, das zurzeit restauriert wird, und dem mächtigen Restaurant Wattkieker. Und ein paar Kilometer sielaufwärts wird’s mal richtig touristisch. Carolinensiel mit Hotels, Restaurants und einem Ensemble aus historischem Speichergebäude und historischen Segelschiffen im alten Sielhafen. Dieses Sielhafenmuseum ist wohl auch Anziehungspunkt für Tagesbesucher, hier ist richtig viel los.

Nachdem wir bei der lustigen Skulptur der Caroline, nach der 1730 der Ort benannt wurde, das ganze Panorama des historischen Gewässers betrachtet haben, wandern wir Fahrrad schiebend ein Stückchen sielabwärts und finden auf einer Wiese ein Plätzchen für unser Picknick aus der Fahrradtasche. Zur Rückfahrt ist nur zu sagen, dass wir denselben schönen Weg zwischen Deich und Watt nehmen, allerdings mit heftigem Gegenwind. So haben wir uns die KartoffelBrokkoliPfanne mit veganem Burger auf unserer Sonnenterrasse verdient.
Walters Tracks zu den drei Radtouren:
Wilhelmshaven 15. September 2020
Rüstersiel, Hooksiel, Horumersiel, Schillig 16. September 2020
Schillig, Harlesiel, Carolinensiel 17. September 2020

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Drensteinfurt, Ascheberg, Davensberg

In der Nähe der B63 am Ortseingang von Drensteinfurt parken wir auf einem Gewerbeparkplatz. Die Radroute führt uns ausgiebig durch gepflegte Neubargebiete. Ascheberg ist unser nächstes Ziel, ein Ort, den ich kenne von Ausfahrtsschildern auf der A1 zwischen Hamm und Münster sowie von Erzählungen meiner Mutter, die gerne sonntags mittags dort einkehrte. Wir radeln durch Wiesen, Äcker und Felder mit verstreuten kleinen und großen Gehöften.

An einem mit großzügigen Wohngebäuden halten wir mal an, aber nur kurz und erreichen schon einige Kilometer weiter den Lamberti Kirchplatz von Ascheberg. Ich frage mich, wo man wohl einige Jahrzehnte zuvor eingekehrt sein mag und stelle fest, dass auch an diesem Ort die Zeiten nicht spurlos vorbeigegangen sind. Viele neue Gebäude mit Läden und Wohnungen. Wir fahren dann weiter nach Davensberg.

Auch nie gehört, aber überrascht mich mit alter Kirche und angebautem neuem Teil, Denkmal mit Inschrift „Heilige Mutter Anna bitte für uns“ und einem schönen Arrangement mit Bänken zum Picknick aus der Fahrradtasche mit Blick auf das Clemens-August-Hotel, in dem fein gekleidete Menschen einschließlich Frauen mit HighHeels ein- und ausgehen. Hochzeitsfeiern und andere Events finden dort also wohl statt.

Beim Verlassen des Ortes entdecken wir noch eine historische Sehenswürdigkeit, den schön restaurierten alten Burgturm. „Folterkammer und Hexenstock“, lese ich im Netz. Aha! Hexenturm also. Heute Heimatmuseum, zurzeit geschlossen. Die weitere Route führt uns kilometerlang über schattige Waldwege, dann wieder Wiesen und Felder nach Drensteinfurt. Nach einem Abstecher zum geschlossenen Tor vom Schloss radeln wir durch das Städtchen zu unserem Ausgangspunkt.

Walters Track zur Radtour Drensteinfurt, Ascheberg, Davensberg am 12. September 2020

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Nordkirchen, Seppenrade, Lüdinghausen

Auf dem großen Parkplatz beim Schlosspark Nordkirchen heben wir die Fahrräder vom Auto, klippen die Fahrradtaschen an die Gepäckträger und radeln los durch den Kreisel und in den Schlosspark entlang der Gräfte gegenüber dem historischen Barockgarten, heute wieder mit Fontäne. Durch die Felder geht’s nach Selm, das wir aber nur tangieren, zum weiteren Flug durch die münsterländische Landschaft.

Wir überqueren mal wieder den Dortmund-Ems-Kanal, fahren weiter und halten an einem Gehöft an. Fototermin. Einfach zu schön die dunklen Pferde auf der saftig grünen Wiese. Wir befinden uns kurz vor dem Örtchen Seppenrade, von dem ich vorher nie etwas gehört hatte und dessen Kirchplatz dann doch die Überraschung der Tour wird. Beim Ensemble der Fachwerkhäuser mit Ausrufer und Café laden die Bänke direkt zur Picknickpause ein.

Die machen wir dann auch, bevor wir weiter fahren nach Lüdinghausen, dessen Umgebung wir ja schon wegen Burg Vischering kennen. Heute ist es das Lüdinghauser Schloss mit Gräfte und Schlosshof. Bis vor kurzem wurde das Gebäude wohl als Schule genutzt, heute auch als Archiv. Noch ein kurzer Gang durch die Fußgängerzone und dann radeln wir zurück nach Nordkirchen.

Walters Track zur Radtour Nordkirchen, Seppenrade, Lüdinghausen am 11. September 2020

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Radtour zum Grüngürtel in Köln

Auf dem Parkplatz an der Stadthalle Köln-Mülheim beginnt unsere Tour mit dem Ziel Grüngürtel und Parks in und um Köln. Sie beginnt hektisch mit Überquerung des Wochemarktes auf dem Wiener Platz und des Clevischen Rings mit regem Straßenbahn- und Autoverkehr. Auf der Mülheimer Brücke können wir erst einmal durchatmen, müssen aber auf Riehler Seite wieder auf Automonster achten. Dann radeln wir gemütlich eine Weile durch die schattige Allee rheinaufwärts bis zur Zoobrücke und Seilbahn.

Hier in Nippes beim Kreuz Amsterdamer- und Innere Kanalstraße wird’s dann extrem hektisch und kein Ende. (Beim nächsten Mal würde ich ein paar hundert Meter weiter rheinaufwärts eine Route zu Innerer Kanalstraße und Grüngürtel suchen!) Nach ein paar Metern durch den Lentpark heißt es die Innere Kanalstraße via Brücke überqueren, kurz entlang dieser stark befahrenen Ringstraße endlich den inneren Grüngürtel erreichen.

Clarenbach Kanal im Hiroshima Nagasaki Park

Ein kurzes Bankpäuschen mit Luft holen, Hinterrad aufpumpen und Schlückchen trinken im Lohsepark tut nun richtig gut. Dann führt uns die Radroute wieder zur Inneren Kanalstraße, einige Meter entlang fahren, wieder überqueren, sofort hinein in den Wald und hinauf auf den Herkulesberg. An einem Graffiti geschmückten Picknickpilz stellen wir die Räder ab und bestaunen den Blick über Eisenbahnlinie, Hansahochhaus, Mediapark, Ursulakloster hinweg und freuen uns über die fernen Domspitzen. Ich denke an die Worte der Frau bei der großen Hafenrundfahrt: „Köln ist da, wo man den Dom sieht.“

Decksteiner Weiher

Beim Herunterfahren vom Herkulesberg passiert mir in einer gerölligen MiniSteilKurve ein kleines Missgeschick, als beim scharf Linksabbiegen mein Zossen plötzlich ausbüxt und mich auf das linke Knie zwingt. Aufgeschürfte Knie in meiner Kinderzeit fallen mir dazu ein. Aufstehen, Hose hoch über das blutende Knie schieben und sehr vorsichtig runterfahren. Da ist dann die Subbelrather Straße zu überqueren, weiter durch den Grüngürtel, wieder Autolärm, jetzt Venloer- und Aachener Straße und im Park ankommen an einem Gewässer, das mir wahnsinnig bekannt vorkommt.

Domblick von Marienburg

Eines der Gebäude auf der gegenüber liegenden Seite muss die ehemalige Pädagogische Hochschule sein, mindestens drei Jahre lang mein Studienort. In der Nähe war ein Studentenheim, in dem einige Kommilitonen wohnten. Ja, und auf einer der Bänke hab ich so manche Seminarpause lesend und lernend verbracht. Entlang dieser Allee im Hiroshima Nagasaki Park radeln wir weiter direkt in die Anlagen des Stadtwaldes, umrunden den Adenauer Weiher und weiter.

Nach Überqueren der Dürener Straße befinden wir uns weiterhin im Wald, müssen wegen einer Baustelle unsere Route verlassen, eine Umleitung führt uns jedoch zurück. Jenseits einer Eisenbahnlinie fahren wir ein Stück Bachemer Landstraße und befinden uns weiterhin im sommerlichen Grüngürtel, und zwar am Decksteiner Weiher. Picknickpause auf einer der Bänke mit Seeblick? Wir entscheiden uns für eine spätere Stärkung auf den Altermarkt und fahren weiter bis zur Militärringstraße, die uns in Marienburg an den Rhein bringt. Und hier, nördlich der Rodenkirchener Brücke, sind auch wieder die Domspitzen in der Ferne zu sehen. Das Radeln auf der Promenade über Bayenthal ist ein wahres Schweben. Nach Unterquerung der der Severinsbrücke führt der Radweg zum Rheinauhafen, über die alte Brücke beim Schokoladenmuseum auf die Rheinpromenade und nach der Deutzer Brücke gleich die Markmannsgasse hinauf über den Heumarkt zum Altermarkt. Neben Jan van Werth hoch (oben auf seinem Sockel) genießen wir das Spätsommerwetter an einem Draußentisch bei Kittichai mit veganem Thaicurry und IngwerMinzeLimonade.

Danach geht’s zurück auf die rechte Rheinseite, und zwar über die Deutzer Brücke direkt an den Rheinboulevard, beides mit stetigem Panoramablick über den Rhein hinweg auf die Kölner Altstadt mit Groß St. Martin, Dom und Hohenzollernbrücke, unter dieser hindurch weiter die Promenade am Tanzbrunnen bis zur Zoobrücke. Beim Ein- und Ausstieg der Seilbahn radeln wir nach links in den Auenweg am Mülheimer Hafen, nach Unterquerung der Mülheimer Brücke nach rechts über Buchheimer Straße und Wiener Platz zum Parkplatz an der Stadthalle Köln-Mülheim.

Walters Track: Köln – äußerer Grüngürtel am 10. September 2020

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Göttinger Sieben

Denkmal der Göttinger Sieben in Hannover am Leineufer neben dem Leineschloss

Die Göttinger Sieben waren sieben Professoren der Universität Göttingen, die im Königreich Hannover für Furore sorgten. Mit einem Protestschreiben stellten sie sich gegen König Ernst August, weil er nach Machtübernahme im Jahre 1837 kurzerhand das hannoversche Staatsgrundgesetz für erloschen erklärte. Die Sieben verweigerten dem König die Anerkennung. Ernst August von Gottes Gnaden wollte eine Einschränkung seines Handlungsspielraums durch ein Gesetzeswerk jedoch nicht akzeptieren und reagierte entsprechend.

Es handelte sich um den Historiker Friedrich Christoph Dahlmann, die Germanisten Wilhelm und Jacob Grimm, den Staatsrechtler Wilhelm Eduard Albrecht, den Orientalisten Heinrich August Ewald, den Literaturhistoriker Georg Gottfried Gervinus und den Physiker Wilhelm Weber. Die Sieben wurden aus dem Dienst an der Göttinger Universität entlassen.

„Die Motive der Unterzeichner waren unterschiedlich. Für Dahlmann, der ja zu den ‚Vätern‘ der aufgehobenen Verfassung gehörte, war die Auseinandersetzung eine hochpolitische Angelegenheit. Den Brüdern Grimm, Albrecht und Ewald ging es um sittliche Werte: Sie fühlten sich an ihren Diensteid auf die Verfassung gebunden und hielten es für unmoralisch, sich durch einen königlichen Verfassungsbruch entpflichten zu lassen. Bei Gervinus mag eine allgemeine Lust an Provokationen mitgespielt haben, und Weber wird wohl die volle Tragweite des Protestes nicht übersehen haben.“
Zitiert aus: „Sieben gegen den König, Texte und Materialien zum Hannoverschen Verfassungskonflikt 1837“, Historisches Museum Hannover

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28. März 1849 Reichsverfassung

Endlich kam der Tag, an dem die Zeitungen über die Vollendung des Werkes berichten konnten, zu dem die Nationalversammlung elf Monate zuvor berufen war. Am 28. März 1849 wurde nach monatelangen Debatten und Abstimmungen die Verfassung des deutschen Reiches verkündet. Angesichts des enormen Drucks auf die vom Volke gewählten Vertreter im Frankfurter Parlament, heftiger Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Versammlung, monarchischer Machtdemonstration und Verzögerungsspielchen erschien es fast schon wie ein Wunder, dass es in Frankfurt gelang, das Ziel zu erreichen. Doch es war kein Wunder, sondern starker Wille und enorme Einsatzbereitschaft von Verfechtern eines demokratischen Deutschlands, übermenschliches Engagement einzelner Politiker gepaart mit taktischem Geschick und harte Arbeit an Inhalten und Texten.

Voller Respekt vor dem Abschluss dieser immer wieder durch Störungen verzögerten Parlamentsarbeit in der Paulskirche zeigte sich Althaus hochzufrieden mit dem Kompromiss zwischen den Befürwortern der Fürstenmacht und den anderen, im Artikel am 30. März 1849 wir genannt, die im ersten deutschen demokratisch entstandenen Verfassungswerk das Prinzip der Volkssouveränität in den Werten Vaterland, Einheit und Freiheit bestens angelegt sahen. Vorgesehen war ein Vaterland als Bundesstaat mit einem Parlament, einem Heer und einer Vertretung nach außen. In das sogenannte Volkshaus würden die Vertreter aus dem Volke gewählt. Alle Männer über 25 Jahre, selbst der ärmste Sohn des Volkes, dürften an die Wahlurne.

Im Staatenhaus würden die Belange und Interessen der einzelnen Länder durch deren Deputierte vertreten. Um partikularistischen Tendenzen vorzubeugen, sollte das Heer auf die Reichsverfassung vereidigt werden und an der Spitze des deutschen Reiches sollte ein von der Versammlung gewählter erblicher Monarch stehen, mit einem Vetorecht, jedoch keinem absoluten, sondern nur einem aufschiebenden.

Das Frankfurter Parlament hatte seine Sache wirklich gut gemacht und war am Ziel angekommen. Jedoch durfte man nicht verkennen, dass die Reichsverfassung noch nicht ins Leben eingeführt war, schrieb Althaus und weiter: … jetzt hängt es von der Weisheit der Reichsversammlung ab […] sie darf für die Macht, die ihr fehlt, nicht den Preis des Rechts, der Freiheit und der Verfassung zahlen, sondern sie muß für die Krone den Preis der Anerkennung dieser Verfassung fordern.

Auch für die Krone hatten die Männer von Frankfurt alles vorbereitet. Begleitet vom Glockengeläute im Turm der Frankfurter Paulskirche und anschließendem Kanonendonner in der ganzen Stadt, war das Ergebnis der Wahl des Reichsoberhauptes bekannt gegeben worden. Die Versammlung hatte den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser der Deutschen gewählt.

Der Gewählte musste jetzt nur noch die Wahl annehmen. Eine Delegation von 32 Mitgliedern machte sich einige Tage später auf den Weg von Frankfurt nach Berlin, um König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anzutragen. Man hoffte, der erwählte Monarch würde seine seit Wochen geäußerten Vorbehalte gegen eine Krone aus der Hand von Volksvertretern ablegen und sich an seine Versprechungen halten, die deutsche Sache zu schützen und zu unterstützen.

In verschiedenen Städten machten die Männer Station. Die Menschen reagierten einerseits enthusiastisch, andererseits jedoch auch mit großer Zurückhaltung. Althaus gehörte zu den Skeptikern. Nicht einmal die Rede des inzwischen knapp achtzigjährigen Ernst Moritz Arndt vom Balkon des Hannoveraner Hotels war ihm einen Kommentar wert. Ins Detmolder Elternhaus berichtete er am 2. April:

Die Kaiserdeputation war schon vorgestern Abend hier. Ich hatte nicht viel damit zu schaffen, mich drückt diese ganze Atmosphäre […]. Ihr werdet mich in der Zeitung etwas stumm finden. Was sollte ich auch schreiben? Mir ist alles verächtlich in diesen Tagen, außer Schweigen oder Handeln. Schweigen konnte er nicht zu dem Geschehen, das sich am 3. April 1849 im Berliner Schloss abspielte.

Man hatte auf die Hochherzigkeit des Königs vertraut und darauf, dass er in diesem großen Moment der deutschen Politik nicht schwanken und die nationale Sache entscheidend mittragen würde, zumal man sicher sein konnte, dass breite Bevölkerungsschichten hinter der demokratischen Verfassung standen.
Friedrich Wilhelm IV. von Gottes Gnaden empfing die Delegation im Berliner Schloss mit allen Ehren, ließ sich ihr Anliegen vortragen und lehnte die Kaiserkrone aus den Händen von gewählten Vertretern des deutschen Volkes ab.

Theodor Althaus. Revolutionär in Deutschland

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Robert Blum

Das ist Robert Blum, einer der engagiertesten Kämpfer für unsere Demokratie, geboren in der Kölner Mautgasse am 10. November 1807. In Zeiten des Vormärz wirkte er an der Vorbereitung der Verfassung gebenden Nationalversammlung mit und wurde bekannt als wortstarker Delegierter in der Frankfurter Paulskirche. Die Früchte seiner Arbeit konnte er jedoch nicht ernten, weil er in einem „kurzen Prozess“ am 9. November 1848 in Wien brutal hingerichtet wurde.

Theodor Althaus erinnert sich an Robert Blum

Spuren von Robert Blum in Köln

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Radtour zum Schloss Nordkirchen

Fotostopp beim Schloss Westerwinkel

Wie fahren wir am besten? Nun, von der Kornmersch flugs zu Geinegge, Bockum-Höveler Bahnhof, Klostermühlenweg, dann durch die Felder nach Herbern radeln bis zur Fotopause beim Schloss Westerwinkel. Genauso schön geht der Weg weiter über Capelle nach Nordkirchen, dem Ort mit dem berühmten Wasserschloss. Schattig durch das Naturschutzgebiet Tiergarten erreichen wir das Tor, fahren hindurch und haben vor uns das ganze Panorama dieser repräsentativen Anlage.

Schloss Nordkirchen mit Limousine

Eine weiße Limousine mit Brautstrauß zeigt uns, dass eine Braut sowie Bräutigam und Hochzeitsgesellschaft nicht weit sind. So ist es auch. Fein gekleidet flanieren sie über den Schlosshof. Für unsere Picknickpause wählen wir eine Bank am Rande des großzügigen Barockgartens, in dem gerade eine Fontäne eingeschaltet wird und die Sonne im feinen Nebel das ganze Spektrum des Regenbogens zaubert. Hier beobachten wir übrigens eine weitere Braut mit Gefolge beim Fototermin.

Barockgarten von Schloss Nordkirchen

Und bei der Rückfahrt entlang der Gräfte entdecken wir auf einer Brücke noch eine dritte Braut. Dann geht’s wieder hinein in die Felder und durch Wäldchen. Über Werne, Naturschutzgebiet „Tibaum“ an der Lippe, am Kanal bei Bergkamen und Lippeauen Radweg an Schweinemersch und Borgstätte geht’s zurück in den Hammer Norden.

Walters Track zur Radtour zum Schloss Nordkirchen am 29. August 2020

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Von Senden zur Burg Hülshoff

Unsere Radtour beginnt auf dem Parkplatz der Steverhalle in Senden. Wir verlassen das Städtchen in westlicher Richtung, überqueren den Dortmund-Ems-Kanal und erreichen nach kurzer Strecke das „Venner Moor“. Dieses Naturschutzgebiet ist uns doch einen kleinen Abstecher wert. Wir laufen einen Weg entlang bis zu einem kleinen Gewässer, dann kehren wir doch um, zum Radfahren ein wenig sandig hier.

Weiter geht’s entlang des Kanals, um Hiltrup herum, westlich an Münster vorbei. In der Nähe vom Kreuz Münster-Süd (A1/A43) unterqueren wir die Autobahn und fahren durch die Gemeinden Mecklenbeck und Roxel. Nur noch ein paar Kilometer bis zur Burg Hülshoff mit schöner Gräfte und Park mit großen Hortensienbüschen. Diese münsterländische Wasserburg ist verbunden mit Geburt und Leben der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

Ihr und ihrer Familie ist auch das Museum im Burggebäude gewidmet, zurzeit geschlossen. Wir radeln zurück und finden ein Plätzchen für die Picknickpause, das wir beim Gelände des Reiterhofs an der Bösenseller Straße finden, jedoch wegen hungriger Wespe vorzeitig verlassen. Also weiter radeln über Pättkes und zum Teil fein geteerte Fahrradstraßen. Nach dem Örtchen Bösensell ist auch schon unser Ausgangspunkt Senden nicht mehr weit.

Walters Track zur Radtour von Senden zur Burg Hülshoff am 23. August 2020

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