Ruhrtal Radtour von Winterberg nach Duisburg

Lange darum herum geredet „Wir müssen mal mit mit dem Fahrrad die Ruhrtour machen“ und endlich die Sache angepackt. 240 Kilometer von der Quelle in Winterberg bis zur Mündung in Duisburg sind kein Pappenstiel, da sehen wir vier Etappen vor d.h. Übernachtungen in Arnsberg, Schwerte und Hattingen. An einem Montag im August geht’s morgens auf die bepackten Räder, gegen 8:00 Uhr vom Hammer Bahnhof mit dem RRX nach Dortmund, von dort mit dem RE57 Richtung Hochsauerland, gegen 10:30 am Bahnhof in Winterberg aussteigen, auf die Räder und ein paar Kilometer hoch zur Ruhrquelle in 674 m Höhe. Dann kann’s losgehen. Doch wo beginnt der Ruhrtal Radweg? Kein Schild! Gut, dass Walter einen Track vorbereitet hat. Wir fahren ein Stück steil bergab, durchqueren ein Rinnsal, das wohl der Fluss Ruhr werden will, und finden den Weg durch liebliche Berglandschaft, tangieren die Orte Niedersfeld, Wiemeringhausen, Assinghausen, Wülmeringhausen und erreichen vorbei an dem kleinen See bei Bigge, den wir schon auf der Bahnfahrt gesehen hatten, nach gut 25 Kilometern Olsberg zur ersten Pause. Die Ruhr hat sich inzwischen zu einem etwas breiteren Bächlein entwickelt. Über Bestwig und Velmede geht’s zum Teil entlang der Bahnlinie nach Meschede, wo wir auch kurz anhalten. In Freienohl gelangen wir endlich wieder an die Ruhr, der wir in einer Flussschleife bis Oeventrop folgen. Und hier erwischt uns ein heftiger Regenschauer, dem wir unter einem ziemlich durchlässigen Baum entfliehen wollen. Ein Pärchen mit Tandem ist schon da, auch aus Hamm, erfahren wir beim Anziehen von Regenjacke, -hose und -schuhen. Auf dem Radweg haben wir schon einen Blick auf unser heutiges Ziel Arnsberg. Im „Alten Backhaus“ die nassen Klamotten im Zimmer verteilen. Mit Regenschirm und trockenen Sachen machen wir dann ein Gängelchen zum Schloss, über den schönen Alten Markt und kehren ein zu gebackenen Auberginen- und Zucchinischeiben, grünem Risotto und Salat in der gemütlichen Stube des „Alten Backhaus“.

Heute heißt es erst einmal, gemütlich frühstücken und Regen abwarten. Dann geht’s ab an die Ruhrschleife, unten an der Brücke all die Schilder checken und über Obereimer, Niedereimer, am Fluss durch den Wald vorbei an Hüsten auf dem Marktplatz von Neheim Halt machen, im Bioladen ein Dinkelrosinenstütchen finden und weiter radeln über Echthausen nach Wickede, nicht weit vom Wildwald Voßwinkel, ansonsten naja. Schaun wir mal in Fröndenberg. „Suchen Sie was?“, fragt uns eine Frau. „Das ist schon alles“, meint sie auf unsere Frage nach Besonderheiten des Ortes. Immerhin ein imposantes schön restauriertes Fachwerkhaus mit Gastronomie und ein knallrotes Fahrrad vor einem Blumenladen auf dem Marktplatz, zwei Blickfänger. Eisdiele? Wir versuchen es noch in Halingen und Langschede. Fehlanzeige. Also kein Eis. Das Pausenplätzchen finden wir dann ein paar hundert Meter weiter hinter einer Kurve auf einer Bank zwischen Wiese und Feld. Und schon kommt auch das Hammer Tandem herangeflitzt. Kurzes Schwätzchen und weiter ein Stück weit entlang der Bahnlinie und querfeldein zum Etappenziel Schwerte. Unser gebuchtes Hotel „Reichshof“ liegt direkt am Bahnhof, also auch in der Nähe von City und Altstadt, durch die wir nach Einchecken und Umziehen bummeln bis zur „Rohrmeisterei“, einer stillgelegten zum Kulturzentrum umgebauten Pumpstation Auf der Speisekarte im Bistro finden wir vegane Buddhabowl und Linsen mit Kichererbsen, Kartöffelchen, Möhrchen und Spinat. Auf dem Rückweg kehren wir ein im Eiscafé „Venezia“ in der Fußgängerzone und gönnen uns Becher mit Mango, Banane, Heidelbeere, Himbeere.

Die dritte Etappe beginnt am historischen Posthaus, wo wir eine Geburtstagskarte zum siebten Geburtstag für unser Enkelkind einwerfen. Dann zum Abschied vorbei an der Rohrmeisterei zur Ruhr bis zum kurzen Stop an der Lennemündung mit Blick hinauf auf die Burgruine Hohensyburg. Wir befinden uns in der Nähe von Westhofen und können beim Weiterradeln entlang der Bahnlinie durch das Naturschutzgebiet Syburg die Nähe der sich dort kreuzenden Autobahnen A1 und A45 und erleben die Kombination aus Natur pur und Autolärm. Nördlich von Hagen geht’s dann viele Kilometer ruhig weiger entlang des Hensteysees durch Herdecke bis zum Harkortsee, wo wir unterhalb der Burg Wetter Picknickpause machen. Dann fahren wir hoch zur Burgruine „Freiheit“ und fahren weiter zur Zeche Nachtigall am Ruhrradweg. Käffchen, kurzer Infobesuch und dann Punktlandung auf der Fähre Hardenstein bei Witten. Beim Kemnader See können wir gar nicht anders: in einem Steinerund niederlassen zum zweiten Picknick und die Szenerie der Bochumer Naherholung an uns vorbeiziehen lassen: Radfahrer mit oder ohne Bosh Mittelmotor, Eltern mit Kinderwagen, Walker und Jogger, Skater, Wheelschairs und Menschen mit Rollatoren. In diesem schönen Bereich ist wirklich alles unterwegs, was Beine, Räder und Laune hat. Eigentlich nicht zu toppen und doch: Hattingen mit den drei Eisenmännern am Stadttor, Bügeleisenhaus, Zollhaus und weiteren Fachwerkhäusern ist einfach zauberhaft. Das frisch renovierte Zimmer im Hotel „Zur alten Krone“ mit schönen Ablage- und Aufhängemöglichkeiten für die übersichtliche Unterbringung für all die Utensilien von Radtouristen gefällt uns richtig gut. Abschluss der Tagesetappe findet am Draußentisch der „Alten Krone“ mit veganen Bruschette und Spaghetti mit Tomatensoße und mediterranem Gemüse statt.

Die vierte und letzte Etappe unserer Ruhrtour beginnt mit Anlegen von Regenjacke, -hose und -schuhen. Dann geht’s hinaus durch das Stadttor hinunter an die Ruhrschleife auf dem Leinpfad. In Bochum Dahlhausen können wir die Regensachen einpacken und radeln weiter über Kupferdreh an den Baldeneysee und eine ganze Strecke entlang des Gewässers bis Werder. Es zieht uns zur Mündung, zu der wir noch etliche Kilometer strampeln müssen, halten aber am „Aquarius Wassermuseum“ noch einen Informationsstop und wenig später zum kurzen Picknick aus der Fahrradtasche gibt’s auf einer Bank in Mülheim an der Ruhr, direkt am Fluss, das muss hier jetzt sein. Im Höllenritt kommen wir dem Ziel näher, überqueren bei Styrum eine richtig schöne farbige Brücke, die ich „blaues Wunder“ nenne, und tangieren die nächste Metropole im Ruhrgebiet. Wir befinden uns am südlichen Rand von Oberhausen. Duisburg ist nicht mehr weit, aber da erwischt es uns noch einmal heftig. Unter einem Baum packen die Regensachen wieder aus und müssen uns beeilen, damit wir und das Innere unserer Taschen nicht nass werden. Eine Autobahnbrücke ist in Sichtweite. Wir wagen die paar hundert Meter und warten im Trockenen auf dem Radweg unter der lärmintensiven A3 bei Duisburg. Als der Regen nachlässt, hält uns nichts mehr. Der regendurchweichte Schotterweg auf dem Deich südlich von Duisburg Ruhrort und Hafenanlagen führt uns an den gut sichtbaren Zielort. Schon aus einiger Entfernung ist die hohe Skulptur „Rheinorange“ zu sehen. Ein anderes Ruhrtourpärchen ist bereits unten an der Stelle, wo die Ruhr in den Rhein mündet. Wir gehen auch hinunter, fotografieren uns gegenseitig und freuen uns, dass wir das Ziel erreicht haben. Jetzt haben wir uns noch einen richtig schönen Abschluss verdient. Im Restaurant LoLu in der Duisburger Innenstadt gibt’s für uns vegane Vorspeisen, Pizza und Salatmix mit paniertem Feta. Der Duisburger Hauptbahnhof ist nur ein paar hundert Meter entfernt, zu erreichen durch die Fußgängerzone. Im RE1 fahren wir in einem knappen Stündchen zurück zum Hammer Hauptbahnhof. Alles in allem eine richtig schöne Tour mit der reizvollen Kombination von Natur und Industriekultur, die es hier reichlich gibt.

Walters Tracks zur Ruhrtal Radtour:
12. August 2019 Winterberg – Arnsberg
13. August 2019 Arnsberg – Schwerte
14. August 2019 Schwerte – Hattingen
15. August 2019 Hattingen – Duisburg – Ruhrmündung – LoLu

Video:
15. August 2019 – Auf Ruhrtal Radtour unter der A3 bei Duisburg

Renates Veganblog:
Vegan essen auf Ruhrtal Radtour

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Fünf Jahre vegan

Alles fing an zu einem Zeitpunkt, als ich mich fragte, wie eigentlich Fleisch in den Supermärkten so billig angeboten werden kann. Und die Botschaft des Films „Gabel statt Skalpell“, in dem der Zusammenhang zwischen Fleisch- und Milchkonsum und Zivilisationskrankheiten wissenschaftlich nachgewiesen wird, traf bei mir direkt ins Schwarze. Anfangs war es schwierig, neue Wege der Ernährung und neue Freunde zu finden. Inzwischen gibt es in meinem Heimatort Hamm einmal im Monat richtig gut besuchten veganen Mitbringbrunch und Stammtischabende in wechselnden Restaurants. In meiner Stadt und auch in anderen Orten erlebe ich kaum noch Gastronomie ohne offenes Ohr für vegane Speisen. Inzwischen kann ich sagen, meine veganen Tellerchen sind bunt und lecker. Kurz gesagt: Fünf Jahre vegan und kein Zurück.

Was ich alles Leckeres esse, findet ihr in meinem Veganblog: Renate goes vegan

Was ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe, könnt ihr hier lesen: Stay vegan

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Deutsche Erinnerungen „Aus dem Gefängniß“

Theodor Althaus war sechsundzwanzig Jahre alt und verantwortlicher Redakteur der „Zeitung für Norddeutschland“ in Hannover, als er am 14. Mai 1849 vom Schreibtisch weg ins Gefängnis gebracht wurde. Was man ihm vorwarf? Staatsverrat. Den sollte er mit seinem Leitartikel „Der zehnte Mai in Frankfurt“ begangen haben. Doch nicht als Staatsverräter, sondern als „Märtyrer für die Reichsverfassung“ fühlte er sich. Ja, er war er einer der engagiertesten Kämpfer für den deutschen Staat, dessen Verfassung vierhundert Delegierte in der Frankfurter Paulskirche erarbeitet hatten, allesamt vom Volk gewählt. Doch die Umsetzung des Gesetzeswerkes scheiterte an der Selbstherrlichkeit von Monarchen, allen voran des preußischen Königs, der die Reichsverfassung nicht anerkannte. Mit dem Rücktritt des Präsidenten der Nationalversammlung Heinrich von Gagern am 10. Mai 1849 war das erste deutsche Parlament am Ende. Wer konnte es den Kämpfern für ein demokratisches Deutschland verdenken, dass sie aufbegehrten und auf die Straße gingen? Beginnend mit dem Dresdner Maiaufstand kam es in vielen Regionen Deutschlands zu Volkserhebungen, die alle mit Hilfe preußischer Soldaten blutig niedergeschlagen wurden. Das Verbrechen von Theodor Althaus bestand darin, dass er seine Leser dazu aufrief, im Königreich Hannover einen Landesausschuss zur Durchführung der Reichsverfassung zu bilden. Das Volk müsse das Gesetzeswerk notfalls auch mit Waffengewalt verteidigen.
Mit der Verhaftung war die bitter erkämpfte berufliche Laufbahn des jungen Redakteurs beendet. Dabei hatte sein Leben so vielversprechend begonnen. Als ältester Sohn des lippischen Superintendenten am 26. Oktober 1822 in Detmold geboren, herausragend begabt und gefördert hatte er alle Voraussetzungen, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Jedoch landete er nach glänzendem Abschluss des Studiums in Bonn, Jena und Berlin wieder im Detmolder Elternhaus. Als kritischer Geist hatte der Kandidat der Theologie keine Chance auf eine Anstellung. Er schrieb längere Abhandlungen und Artikel für freiheitlich orientierte Zeitungen. Mit Erfolg, seine brillanten Texte wurden gedruckt.
Was war aus der Aufbruchstimmung zu Beginn seines Bonner Studiums geworden, fragte er sich im Sommer 1846 auf seinen Wanderungen am Rhein, wenn „der Fuß mit jedem Schritt an eine faule Frucht der Geschichte stieß“? Ja, es war etwas faul in Deutschland. Einige Privilegierte besaßen alles im Überfluss und ein Großteil der Bevölkerung litt bittere Not. Althaus träumte von der Abschaffung des Geldes und stellte sich vor, es „in den Rhein zu senken wie den unseligen Nibelungenschatz“. In einem längeren Gedicht schrieb er sich seine Gedanken von einem Leben in Freiheit und Liebe von der Seele. „Eine Rheinfahrt im August“ wurde jedoch gleich nach Erscheinen bei Schünemann in Bremen von der preußischen Zensurbehörde verboten.
Schlagartig änderte sich die vormärzliche Stimmung, als am 24. Februar 1848 mit dem Sturz des Königs Louis Phillippe und der Ausrufung der französischen Republik ein nie geahnter deutscher Frühling bis in die letzten Winkel zog. Wie eine Befreiung erlebten die Menschen diesen Sieg im Nachbarland. Straßen und Plätze wurden schwarzrotgold geschmückt. Monarchische Herrscher konnten dem Druck der vielen Menschen auf der Straße nicht standhalten, ließen die Zügel locker, verkündeten Pressefreiheit und installierten in Windeseile Märzministerien. Plötzlich schien alles möglich. Ein sturmbrausendes Jahr hatte begonnen. Doch spätestens nach der blutigen Barrikadennacht am 18. März 1848 in Berlin, die Theodor Althaus als Korrespondent der Bremer „Weser Zeitung“ erlebte, wurde dem jungen Detmolder klar, dass der Weg zur Demokratie ein steiniger sein würde. Zwei Monate später berichtete er von der ersten Sitzung der Nationalversammlung in der Paulskirche und davon, wie ganz Frankfurt den neuen Präsidenten Heinrich von Gagern mit einem Fackelzug feierte. Es gebe zwar auch kritische Stimmen, schrieb er in seinem Artikel, doch glaube er, dass man schöne Zeiten erleben werde, Gagern sei ein „Mann des Volks“.
Die schönen Zeiten kamen nicht. Mit Erstarken der Reaktion geriet die demokratische Bewegung ins Stocken. Im Strudel der auf und abwogenden Entwicklungen wurde der junge Stürmer aus Detmold mitgerissen und geriet im Laufe des Jahres 1848 in ein berufliches Dilemma. Seine Leitartikel zum „Waffenstillstand von Malmö“ und zum Mord an Auerswald und Lichnowski während des Frankfurter Septemberaufstandes führten zum Zusammenbruch seiner Zeitung in Bremen. Mit der Gründung der „Zeitung für Norddeutschland“ in Hannover bekam er noch eine Chance, bemerkte aber nicht, wie er immer weiter in die Mühlen seiner reaktionären Gegenspieler hineingeriet, die dann auch bei nächster Gelegenheit zuschlugen

Etwas mehr als ein Jahr nach dem strahlenden deutschen Frühling im März 1848, fast zeitgleich mit dem Rücktritt Heinrich von Gagerns und dem Scheitern der Nationalversammlung, wurde Theodor Althaus festgenommen und war zunächst im „Gefängniß vor dem Cleverthor“ in Hannover inhaftiert, dann im Stadtgefängnis und schließlich im Staatsgefängnis St. Godehard in Hildesheim. Dort schrieb er im Winter 1850 seine Gedanken und Erinnerungen auf. So sind die Visionen von Theodor Althaus für die Nachwelt erhalten und lesen sich heute erstaunlich frisch, wenn er von Deutschland als weltgrößtem „literarischen Museum“ schreibt, von europäischem Geist sowie von freien Gemeinden anstatt feindlicher Religionsgemeinschaften. „Aus dem Gefängniß. Deutsche Erinnerungen und Ideale“ erschien beim Verlag von A. D. Geisler in Bremen.

Theodor Althaus: Aus dem Gefängniß. Deutsche Erinnerungen und Ideale

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Deutsche „Idyllen“ im 19. Jahrhundert

„Mährchen aus der Gegenwart“ entstanden zu einer Zeit, in der man in Deutschland sehr gut überlegen musste, was man sagte, schrieb und tat. Nach den Karlsbader Beschlüssen im September 1819 waren die deutschen Länder mit einem Netz von Spitzeln überzogen. Versammlungen und Publikationen wurden akribisch überwacht, Urheber unerwünschter Aktionen abgemahnt, mit Berufsverboten bestraft, ausgewiesen oder landeten im Gefängnis. Prominente Beispiele sind Professor Hoffmann von Fallersleben, der als fahrender Sänger von Land zu Land zog und sieben Professoren der Universität Göttingen, die ihren Job verloren, weil sie gegen eine Maßnahme des Königs von Hannover protestiert hatten. Ernst August hatte mal kurzerhand die Verfassung vom Tisch gefegt. Zu den „Göttinger Sieben“ gehörten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Der Student Theodor Althaus lernte die drei Professoren einige Jahre später in Berlin kennen, wo die Grimms wieder arbeiten durften, weil der preußische König die Karlsbader Beschlüsse anders auslegte als Ernst August.

So war das in Deutschland, staatliche Willkür war an der Tagesordnung. Das bekamen auch Absolventen der Universitäten zu spüren. Als Teilnehmer von studentischen Veranstaltungen, in denen demokratische Strukturen gefordert wurden, hatte Theodor Althaus nach erfolgreichem Studienabschluss im Jahre 1844 in Preußen keine Chance auf eine Anstellung. So kehrte er zurück in seine Studierstube im Detmolder Elternhaus, unternahm Wanderungen, schrieb Artikel für liberale Magazine und längere Schriften zu Themen aus Kirche und Gesellschaft, außerdem Gedichte und Geschichten.
Nachdem im Jahre 1846 die Publikation seines längeren Gedichts „Eine Rheinfahrt im August“ vom preußischen Oberzensurgericht verboten worden war, hatte Althaus ein Jahr später mehr Glück mit einer Sammlung seiner Erzählungen, allesamt Zeitbilder aus der Zeit des Vormärz, die den Widerspruch zwischen dem Hochmut der Herrschenden und der bitteren Not der Bevölkerung aufzeigten. Der sächsische Zensor ließ die als „Mährchen“ verpackte Systemkritik durchgehen und forderte lediglich Namensänderungen in der Satire auf König Ludwigs Affäre mit der spanischen Tänzerin. So wurde aus der Stadt München „Klostersingen“, dem bayrische König Ludwig I. „der alte Herr“ und Lola Montez „Carambola“. „Mährchen aus der Gegenwart“ erschienen im Jahre 1848 im Verlag von Wilhelm Jurany in Leipzig.

Inhalt:
Die Herberge der Gerechtigkeit
Ein Idyll
Das alte Lied
Ein Freiheitstanz
Eine Nacht der Gegenwart
Aus der Einsamkeit
Zwei Freunde

Hier könnt ihr die sieben „Mährchen“ laden und lesen:
Theodor Althaus: Mährchen aus der Gegenwart

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Toto in Gelsenkirchen

Seit dem 14. Juli 2019 weiß ich, dass die Schalkestadt Gelsenkirchen ein Amphitheater hat, wunderbar gelegen am Rhein-Herne-Kanal in Nachbarschaft des großzügig angelegten Nordsternparks mit allem Drum und Dran. Und an diesem Sommersonntag war auf dem zugehörigen Parkplatz schon am späten Nachmittag reges Treiben. Nach einem Gängelchen über die Brücke und durch den Park mussten wir uns schon an das Ende einer bemerkenswerten Menschenschlange vor dem Eingang anstellen. Einige Fans versuchten noch, ein Ticket für die berühmte Band aus Californien zu bekommen. Doch niemand hatte eins zuviel in der Tasche. „Toto. 40 Trips Around The Sun World Tour 2019“. Nach dem Einlass um 18 Uhr füllten sich nach und nach Innenraum und Ränge der schönen Location mit Blick auf den Kanal mit vorbeifahrenden Schiffen und Fangrüppchen, die es sich am gegenüberliegenden Ufer gemütlich gemacht hatten.

Als um 19:30 vier Musiker das Event eröffneten, hatten noch nicht alle Fans das Innere des Theaterrunds erreicht, manche hatten wohl die Parkmöglichkeiten falsch eingeschätzt. Die waren nämlich bescheiden. Hatten wir es doch geahnt. So konnten wir uns nun eine Stunde lang mit der Newcomer Band ZFG einstimmen. Sie machten ihre Sache richtig gut, der quirlige Frontmann Jules Galli, am Schlagzeug Josh Devine, Gitarrist Trev Lukather, Sohn von Steve Lukather und am Bass Sam Porcaro, Sohn des verstorbenen Mike Porcaro. Es blieb sozusagen in der Toto Familie.

Wir mussten uns noch eine gute halbe Stunde gedulden, bis die sehnlich erwarteten Herren auf die Bühne kamen, allen voran Steve Lukather mit Gitarre, Steve Porcaro am Keyboard, Sänger Joe Williams mit langem wehenden Mantel, ein weiterer Keyboarder für den erkrankten David Paich, Drummer im Glaskäfig und drei weitere, insgesamt waren acht Musiker auf der Bühne. Und es ging gleich zur Sache, Repertoire aus 40 Jahren äußerst erfolgreicher Bandgeschichte. Da konnte man einige Highlights bereits im ersten Drittel präsentieren. Inzwischen war die Arena proppenvoll und die Akustik ließ keine Wünsche offen. Bei „Hold the Line“ und „Rosanna“ hielt es niemanden auf seinem Sitz und wohltuend die zwei Cover in Erinnerung an verstorbene Musikhelden, „Human Nature“ an Michael Jackson und „While my Guitar gently weeps“, Lukathers besondere Hommage an George Harrison. Als der dann das Publikum fragte „Are you ready for this song?“ wussten alle, was jetzt kommt, großes buntes Finale mit „Africa“, bei dem auch die Musiker von ZFG noch einmal auf die Bühne kamen. Was soll ich noch sagen? Die eineinhalb Stunden gingen rasend schnell vorbei. Ja, es war ein grandioses Musikfest.

Und hier könnt ihr mal reinhören:
Hold the Line
Rosanna
Human Nature
While my Guitar gently weeps I
While my Guitar gently weeps II
Africa

Toto in der Hugenottenhalle Neu Isenburg am 7. Juli 2010:
Hold the Line

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Sattelfest in Hamm

Einmal im Jahr ist in Hamm Sattelfest. An diesem Sonntag ist die gesamte Strecke von Hamm nach Soest autofrei. Wer nicht die gesamte Strecke fahren will, kann auch an einer der schönen Stationen mit Info rund ums Fahrrad und Ständen aller Art Halt und Kehrt machen. Unsere Tour führte über Süddinker bis Welver und zurück zum Fahrradmarkt im Hammer Kurhausgarten.

Walters Track zur Tour:
Sattelfest am 21. Juli 2019

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Richie Kotzen im Stollwerck

Richie Kotzen brachte im wahrsten Sinne des Wortes das Bürgerhaus Stollwerck in der Kölner Südstadt zum Beben. Wer Fender Ohrschützer dabei hatte, war gut beraten. Ja, laut war’s beim 90 minütigen Gig des amerikanischen Künstlers, der trotz allem bestach durch seine ganz besondere Performance mit Gesang und Gitarre, begleitet von einem Bassisten und einem Schlagzeuger, die beide auch zeigen durften, was sie können. Lieber Richie: Ich komme gerne wieder, aber beim nächsten Mal bitte etwas leiser!

Wollt ihr mal reinhören?

Richie Kotzen am 19. Juli 2019 im Bürgerhaus Stollwerck in Köln

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Promenade am Rheinboulevard

Am Rheinufer auf der „schäl Sick“ zwischen Deutzer- und Hohenzollernbrücke gibt es seit einigen Jahren die schönste Freitreppe der Stadt. Das Panorama auf die Kölner Altstadt mit Groß St. Martin, Dom und Hohenzollernbrücke mit regem Zugverkehr hinter unzähligen Liebesschlössern ist einzigartig. Seit einigen Monaten gibt es auch eine Promenade oberhalb der Treppen und zwei schön gestaltete Glashäuser vor dem Hotel Hyatt, in denen man gemütlich einkehren kann. Man hat die Wahl zwischen italienischen Speisen im eleganten „Restaurant Grissini“ oder einer Vielfalt von Snacks und Getränken im großzügigen „Sticky Fingers“ mit Selbstbedienung. In beiden kann man auch draußen sitzen, Kölnpanorama bei jedem Wetter garantiert von drinnen und draußen, am schönsten bei Sonnenschein.

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Radtour an Aar, Lahn und Rhein

Burg Ardeck im Aartal

Wiesenweg nach Hahnstätten

Unsere Radtour an Aar, Lahn und Rhein ist eine Fortsetzung der Moseltour von Trier nach Koblenz. Sie beginnt in Koblenz mit der Bahn entlang der Lahn bis Limburg, von wo wir entlang der Aar nach Diez und dort einen schönen Radweg ins Aartal erwischen. Eine kurze Fotopause gibt’s unterhalb von Burg Ardeck, einer Ruine aus dem späten Mittelalter, in der Nähe von Holzheim. Der Radweg führt weiter durch Flacht, Niederneisen und Oberneisen nach Hahnstätten, wo wir erst mal in der Bäckerei Huth ein bisschen Stärkung in Form von Dinkelbrötchen holen und vor der Hitze unter die Sonnenschirme der Eisdiele am Marktplatz flüchten. Es ist fast ein Jahr her, dass wir hier waren. Genauso heiß war es da und am Nebentisch sitzen die, die da wohl immer sitzen und über Fußball diskutieren. Doch für uns gilt, jetzt mal Kräfte sammeln für den Anstieg zur schönen Aussicht zum Sommerabend mit lecker Essen, Trinken und Schwätzchen hoch oben bei den Feldern auf dem Berg.

Die Aar bei Diez

Die Lahn bei Diez

Mündung der Lahn in den Rhein bei Lahnstein

Am nächsten Morgen radeln wir von Hahnstätten denselben Weg im Aartal, wir nennen das Höllenritt, weil es bergab so schnell geht, bis zum Radweg an der Lahn in Diez. Limburg lassen wir heute rechts liegen und fahren bis Balduinstein. Von hier wollen wir eine kurze Strecke mit der Lahntalbahn fahren. Tickets auf das Smartphone laden und auf den nächsten roten Zug warten finden wir besser als die heftige Steigung über den Berg zu nehmen, zumal bei den schweißtreibenden Temperaturen. Es klappt auch alles hervorragend, ab Laurenburg geht’s weiter. Dann kommt es doch schön dicke: heftige Steigung über Obernhof und Kloster Arnstein. Zwischendurch denke ich, wir hätten doch auch mit der Lahntalbahn eine Station weiter bis Nassau fahren können. Zu spät, jetzt geht’s zügig bergab links der Lahn vorbei an Nassau auf der anderen Lahnseite direkt nach Bad Ems, wo wir die Lahn überqueren und uns unter der Markise eines kleinen Restaurants eine große Flasche Wasser und verdientes Mittagessen gönnen: Kartoffeln, Spinat, mit Tomaten und Gurken (anstatt Spiegeleiern). Angesichts der Mittagshitze entscheiden wir, weiter bis Koblenz zu fahren und beim klimatisierten B&B ein Doppelzimmer zu buchen. Nachdem das klar ist, fahren wir zügig weiter bis zur Mündung der Lahn in den Rhein in Lahnstein, mit Blick auf Burg Stolzenfels auf der anderen Rheinseite. Noch ein paar Kilometer durch Niederlahnstein, Oberwerth und die südliche Vorstadt zu unserem klimatisierten Hotel in Koblenz.

Rhein bei Mülheim-Kärlich

Ahrmündung

Brücke von Remagen

Der Hochsommer hat uns voll erwischt, das heißt zeitig frühstücken, Fahrräder aus der Parkgarage holen, satteln und ab an den Rhein. Unsere Jacken haben schon lange kein Tageslicht mehr gesehen. Linksrheinisch fahren wir Richtung Köln und freuen uns an dem majestätischen Strom zu unserer Rechten. Beim Mülheim-Kärlich machen wir mal ein Foto, Vallendar und Bendorf auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Wir passieren Weißenthurm und Neuwied. In Andernach zieht es uns durch ein historisches Tor auf den Marktplatz direkt unter die Sonnenschirme einer Eisdiele. Dann geht’s zurück durch das Tor auf den Radweg am Rhein Richtung Remagen, unserem heutigen Etappenziel. Kurzer Abstecher in den Hof von Schloss Namedy und Haltestopp an der Brücke von Remagen. Das zugehörige Friedensmuseum ist gerade geschlossen, so informieren wir uns per Wiki über die komplizierte Geschichte dieser ehemaligen Eisenbahnbrücke von Remagen nach Erpel. In der Zeit ihres Bestehens von 1918 bis 1945 erlebte sie Friedens- und vor allem Kriegszeiten. Letztere trugen dazu bei, dass Truppen sie überqueren konnten, Sprengversuche unternommen wurden und sie schließlich im März 1945 einstürzte. Heute sind nur noch Pfeilerreste auf beiden Rheinseiten als Mahnmal gegen Unfrieden und Krieg vorhanden. Remagen selbst ist ein hübsches kleines Städtchen mit StadtHotel Arte, Bahnhof, Rheinpromenade mit Eiscafé und Wokspeisen auf dem Marktplatz.

Frühes Frühstück im Cafè der Bäckerei unten im Hotel und ab auf die Räder, wird wieder heiß heute. Ansonsten haben wir es nicht eilig, weil wir erst übermorgen in Köln sein wollen, Lindenbergs Panikorchester spielt in der Lanxess Arena. Räder raus, satteln und ab an den Rhein, über Oberwinter nach Rolandseck, wo eine Fähre nach Bad Honnef geht. Wir bleiben aber linksrheinisch und halten am Bahnhof an. Im selben Gebäude befindet sich das Arp Museum, dessen moderne Anbauten kühn an den Berg gelegt wurden. Es öffnet erst um elf, aber wir schauen uns außen ein wenig um und fotografieren Hans Arps Bronzeplastik „Bewegtes Tanzgeschmeide“ auf der Wiese vor dem historischen Bahnhofsgebäude. Weiter geht’s. Schon bald erreichen wir Bonner Vororte und lassen den Drachenfels und Königswinter auf der gegenüberliegenden Rheinseite rechts liegen. Abkühlung finden wir im Motel One Beethoven, sehr schön gestaltet nach dem Motto „Eine Ode an die Freude“. Nach Erholung und Surfstunde im klimatisierten Zimmer schwärmen wir aus durch angenehme Fußgängerzonen zu Hofgarten mit Universität, Rheinufer, zurück in die City zu Beethoven und Starbucks beim Münsterplatz, dean & david am Marktplatz, ganz gemütlich unsere ehemalige Hauptstadt.

Auf zum großen Finale! Räder raus, Taschen satteln, Jacken drin lassen, selbst die Westen werden wieder zu warm werden, Radhosen sind schon seit Tagen im Kurzbeinmodus. Der Radweg beginnt für uns an der Kennedybrücke. Wir bleiben auf der linken Rheinseite, Graurheindorf, Hersel, Uedorf, Widdig, Urfeld. Beim weitläufigen Umfahren der Industrieanlagen von Wesseling und dem Godorfer Hafen wird’s streckenweise ungemütlich. Schön, dann wieder den Radweg direkt am Strom zu erreichen, beim Päuschen unter Bäumen in Weiß feststellen, dass es an diesem Gewässer doch verdammt schöne Orte gibt und daran denken, wie gut es ist, dass sie ihn damals, zu Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts, nicht hergegeben haben, den „freien deutschen Rhein“. Schön schattig radeln wir weiter dem Ziel entgegen. Und mit der Moderatorin einer großen Hafenrundfahrt zu sprechen: Köln ist da, wo man den Dom sieht. Das ist nun beim „Bootshaus Alte Liebe“ an der Autobahnbrücke in Rodenkirchen der Fall. Jetzt sind’s nur noch ein paar Kilometer, Marienburg, Bayenthal, Südstadt, Rheinauhafen bis zur Deutzer Brücke und Eis auf dem Heumarkt, danach ein paar Schritte bis zum Motel One Neumarkt.

Walters Tracks zur Radtour an Aar, Lahn und Rhein:
25. Juni 2019 Limburg – Hahnstätten
26. Juni 2019 Hahnstätten – Koblenz
27. Juni 2019 Koblenz – Remagen
28. Juni 2019 Remagen – Bonn
29. Juni 2019 Bonn – Köln

29. Juni 2019: Udo Lindenberg in Köln

29./30. Juni 2019: Kölnpanorama von der Deutzer Brücke um Mitternacht

Mosel Radtour von Trier nach Koblenz

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Beth Hart in Bochum

Spätestens das letzte Stück von „Very Special Guest“ Kenny Wayne Shepherd Band ließ das kühle Flair der RuhrCongress Halle in Bochum vergessen. Bei Jimi Hendrix „Voodoo Child“ zeigte Kenny Gitarrenkunst in Höchstform. Respekt! Nach einer halben Stunde Pause dann Warten auf die Große. Die drei von der Band standen bereits auf der Bühne und dann drehten sich plötzlich alle Köpfe nach hinten. Da kam sie singend und wirbelnd durch den Mittelgang und eroberte die Bühne in atemberaubendem Outfit mit scharzer enger Hose und kurzem engen Jäckchen mit dünnen weißen Streifen und einer Stimme, eigentlich unvergleichlich, nur Janis Joplin fällt mir da ein. Power, die ich nicht weiter beschreiben kann. Ich dachte nur: Mannomann, die Frau ist verdammt gut drauf. Neunzig Minuten lang hielt sie das Publikum voll gefangen mit Geschichten aus dem Leben, ihrem Leben mit Tiefen und Höhen, „Set me free“. Zwei Hörbeispiele findet ihr auf Renates Kanal:

Beth Hart am 1. Juli 2019 in Bochum I
Beth Hart am 1. Juli 2019 in Bochum II

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