Von Hamm nach Norderney

Mit dem D-Zug von Hamm nach Norddeich-Mole. So kenne ich das aus Jugendzeiten. Heute geht das nur noch mit Umsteigen in Münster und zurzeit wegen Streckensperrung im Emsland auch noch über Bremen. Nach Verspätungen sind wir erst am Nachmittag an der Mole, wo die Frisia IV schon am Fähranleger bereit steht. Die Bequemlichkeit an Bord der neuen Fähre lässt die lange Bahnfahrt vergessen. Auf der Insel können wir gleich in einen Bus Richtung Nordhelmsiedlung einsteigen und sind für vier Euro in ein paar Minuten in unserem schönen Domizil bei Esther in der Nordhelmstraße. Einchecken, alles gut, und los geht’s durch die Dünen zum Meer. Thalasso! Schönes Gängelchen auf Ebbesand und Promenade in Norderneys City, wo es beim Bistro Hanoi in der Winterstraße lecker Gemüse aus dem Wok mit Erdnuss- und Kokossoße gibt.

Als die Sonne uns schon beim Frühstücken anlacht, ist klar: Wir wandern zur weißen Düne. Das ist ungefähr drei Kilometer und bei dem blauen Himmel jede Sekunde lang die wahre Freude. Möwen und andere Vögel genießen die Sonne und sogar ein Seehundbaby liegt in der Brandung und schaut neugierig zu den Menschen, bis es sich wieder in sein Element begibt und behende fortschwimmt. Ja, ein schöner Novembertag am Meer. Nach den sechs Kilometern gibt’s eine längere Kaffeepause in Esthers Häuschen, um am frühen Abend noch mal loszuwandern. Das „Surfcafé“ haben wir uns zum Abendessen ausgesucht. Hier gibt’s vegane Kürbissuppe, Kartoffelspalten und Bratapfel mit Mandeln, Rosinen und Puderzucker zum Dessert. Sehr fein dort, leckere Speisen auf dem Geschirr von „steelite“. Am nächsten Tag ist schon wieder Abreise. Mit unseren Rucksäcken wandern wir Richtung Städtchen und nehmen ein zweites Frühstück im Backshop Middelberg. Eigentlich sollte es dann ein veganes Linsensüppchen beim Strandbäcker geben, der hatte aber gerade zur Mittagszeit geschlossen. So gibt’s Tomatensüppchen und frischen Minztee beim „Extrablatt“ im Kurviertel. Von dort geht’s zügig zum Weststrand. Unsere Frisia ist schon unterwegs zum Fähranleger.

Norderney vom 13. bis 16. November 2018

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Köln am Elften im Elften

Köln am Elften im Elften wollte ich doch endlich mal erleben. Auf dem Heumarkt. Heute sollte es sein. Die Sonne schien und um 9 Uhr war der Platz schon proppenvoll. Naja. Doch es musste ja nicht sofort sein. Gegen Mittag nahm ich den ICE, der kurz nach zwei im Kölner Hauptbahnhof eintrudelte. Aaaalso: Ja, es war quirliger als bei sonstigen Ankünften an diesem Bahnhof, aber prima Durchkommen auf Vorplatz, Treppe und Domplatte.

Während der Fahrt im ICE hatte ich gelesen, die Altstadt sei dicht. Also versuchte ich, vom südlichen Ende auf den Heumarkt zu kommen. Da war ein Eingang und viele Leute verließen schon den Bereich. Trotzdem kam man nur mit Ticket hinein. Hatte ich nicht. Nach weitem Bogen durch einige Gassen erreichte ich schließlich den Teil außerhalb des Ticketbereichs und konnte endlich, endlich hinter einer Barriere stehend die Bühne sehen. „Et jitt kei Wood…“.Auf meinen Favoriten musste ich noch ein gutes Stündchen warten. Bis dahin hieß es, Platz an der Absperrung halten und optimieren. Zwei Leute verließen den Zaun und bugsierten meine Nachbarin, auch Musikermama, frisch kennengelernt, und mich dahin, zwar immer noch viel zu weit von der Bühne, aber freie Sicht auf „Lupo“ und „Hanak“. Der Regen hatte nachgelassen, das hieß Hanaks Sonne, Feuer und Haifischzahn ohne Schirm.

Ja, das war mein Elfter im Elften auf dem Heumarkt. „Uns Sproch es Heimat“. Zum Bahnhof über den Altermarkt war noch heftiges Gedränge zu überwinden, aber alles easy.

Meine Videos von „Hanak“ auf dem Heumarkt am 11.11.2018 🙂

Haifischzahn
Durch et Füer
Wenn de Sunn objeit

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Gregor Hilden im Hot Jazz Club

Der angesagte „Hot Jazz Club“ befindet sich im Kellergeschoss eines historischen Speicherhauses im Münsteraner Hafen. Auf der kleinen Bühne hatte der Gitarrist Gregor Hilden hatte Heimspiel. Zusammen mit seinen Musikern an Saxophon, E-Piano und Drums präsentierte er ein schönes Programm aus Jazz und Blues, Stücke wie „Barbarellas Dream“ und „Sunday kind of Blues“. Beide Genres beherrschten die vier exzellent. Abgesehen davon, dass ich in in den Zuschauerreichen umgeben von Riesen ein bisschen rumhampeln musste, um überhaupt mal einen Blick auf die Bühne zu bekommen, fand ich es einen rundum gelungenen Gig.

Gregor Hilden. Organ Trio feat. Tony Lakatos am 10. November 2018 im Hot Jazz Club in Münster

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Der heilige Paul in der Kantine

„St. Paul & the Broken Bones“ heißt die Band, die am Dienstag Abend eineinhalb Stunden lang einige hundert Zuschauer in der „Kantine“ in Köln Longerich in Atem hielt. Aus den amerikanischen Südstaaten waren sie angereist und irgendwie passte ihre Performance zum Soul und Gospel der fünfziger und sechziger Jahre. Der Name der Gruppe entstand in Anlehnung an einen Song mit dem Titel „Broken Bones“.

Mit ausladend buntem Glitzerumhang flatterte Frontmann Paul Janeway über die Bühne. Seine unbeschreibliche Stimme erinnerte mich an die von Jimmy Sommerville und der druckvolle Gesang an den von Mahalia Jackson. Wobei die Begleitung der Musiker mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Bläsern das besondere Konzerterlebnis komplett machte.

„St. Paul & the Broken Bones“ am 6. November 2018 in der „Kantine“ in Köln Longerich

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Pflanzenfresser und Chillzonen

Meine dritte „veganfach“ sollte eigentlich erst Freitag gegen 14 Uhr beginnen. Ich hatte aber Glück und konnte bereits gegen 12:30 Uhr die Rolltreppe zu Halle 3.1 der Kölner Messe hinunterfahren. Glück deshalb, weil gerade nicht viel los war und ich erst mal ein gemütliches Gängelchen durch großzügig angelegte Chillzonen machen konnte, um mich dann in aller Ruhe meinen Favoriten zu nähern, die Präsentationen an den Ständen zu betrachten, bestaunen und zu hinterfragen. Nach fast fünf veganen Jahren waren mir viele Angebote ja schon bekannt und mich interessierten besonders Neu- und Weiterentwicklungen. Da gab es beim veganen Käse einiges zu entdecken. „Happy Cheeze“ aus Cuxhaven hatte Camenbert klassisch und in verschiedenen Varianten im Angebot.

Ich probierte alle durch und war sehr überrascht über die Intensivität im Geschmack, zum Beispiel Chorizo, smaragdgrüner Spirulina, Kräuter der Provence und griechische Kräuter. Ein ähnlich gutes Käseangebot fand ich am freakig gestalteten Stand der jungen Firma „New Roots“ aus der Schweiz, die bereits einige Awards vorweisen kann. Alles durchprobiert und festgestellt, dass das Argument einiger Freunde, auf Fleisch könne man wohl verzichten, nicht aber auf Käse, nicht mehr zählt. Diesen prima Alternativen zu Produkten aus Kuhmilch wünsche ich den baldigen Einstieg in die Käseregale der Supermärkte. Bis dahin kann ich meine Lieblingssorten für die Käseplatte direkt bestellen. Als mir beim Bummeln durch die Gänge von einem Holzbrett ein käsegluckerndes Stückchen Pizza angeboten wurde, stand ich plötzlich vor den Kühlregalen der mir bereits bekannten Hamburger Firma mit dem Slogan „make a bedda world“. So lecker, dass ich das Ding unbedingt nachbacken wollte und mir die entsprechenden Zutaten zu Messepreisen gleich in die Leinentasche packen ließ.

Was gab es weiter an Neuigkeiten im veganen Lebensmittelbereich? Besonders gut gefiel mir der Stand von „Bernsteinzimmer“ aus Wuppertal, ebenfalls Award Gewinner. Um Schokolade in vielen Variationen ging es hier, das war schon am schokoladig warm gestalteten Stand zu erschnuppern. Schokotafeln gespickt mit verschiedenen Köstlichkeiten, Nougatprodukte, Schokofiguren, Pralinen und Konfekt aus Mandeln, Hasel- und Cashewnüssen, Kakaobutter, Kakaomasse, Reisdrink, Kokosblütenzucker und verschiedenen Gewürzen. Eine Augenweide in jedem Falle. Erwähnen will da ich noch den Stand von Rittersport Schokolade, an dem es die Sorten „Dunkle Vollnuss Amaranth“ und „Dunkle Mandel Quinoa“ zum Probieren gab, die vielleicht demnächst in den Weihnachtsangeboten von Supermärkten angeboten werden. Im Bereich „Pflanzenfresser“ Supermarkt konnte man übrigens eine ganze Reihe von Produkten verschiedener Anbieter gleich erwerben.

Dann war Chillzeit angesagt und obwohl mir die im Programm angekündigte Veranstaltung in der Eventzone zunächst nichts sagte, setzte ich mich auf eine Bank in der zweiten Reihe und war schon bald sehr angetan von der Diskussion mit zwei Leuten, die eine Plattform namens „The Planterz“ gegründet haben, dem Schauspielerehepaar Clelia Sarto und Aleksandar Jovanovic. Den beiden geht es um Ideen und Möglichkeiten einer Lebensweise im Einklang mit unserem Planeten und Wertschätzung seiner natürlichen Ressourcen, die sie selbst konsequent verfolgen. Dazu gehört der sensible Umgang zum Beispiel mit Verpackung einschließlich Trinkbechern, die man auch für Veranstaltungen wie diese selbst mitbringt und gut vorbereiteten Mahlzeiten, für die täglich frisch eingekauft, selbst gekocht und von denen alle Reste verwertet werden. Sehr überzeugend. Dazu mein Fazit: Die vegane Lebensweise ist die effizienteste, um unseren Planeten zu retten.

veganfach 2016 in Köln
veganfach 2017 in Köln

Renates Veganblog

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Alsfelder Marktplatz

Wenn ich in Alsfeld eine der Gassen hochlaufe und auf dem mittelalterlichen Marktplatz ankomme, wundere ich mich jedes Mal über die prächtigen Gebäude, eins schöner als das andere. Alsfeld muss einmal sehr reich gewesen sein. Und so war es wohl auch. Ich lese im Flyer vom Touristenbüro, dass einerseits die Verkehrslage als Münzort an der Straße zwischen Frankfurt und Leipzig sehr günstig war, andererseits die hessischen Landgrafen und tüchtige Bürger in Handwerk und Handel für den Aufschwung sorgten. So entstanden Türme, Walpurgiskirche, Kloster und viele schöne Häuser, allen voran das imposante Alsfelder Rathaus. Der Fachwerkbau auf der ehemaligen Markthalle, den aus Stein gebauten Spitzbögen und dem Schieferdach mit zwei Türmen ist das unverwechselbare Wahrzeichen der Stadt.

Gleich daneben befindet sich Alsfelds ältestes Fachwerkhaus mit der freakigen „Buchhandlung am Rathaus“, seit Jahrzehnten in gleichem Ambiente. Es habe „außenrum fast genauso viele Holzbalken wie Bücher innendrin“, heißt es auf der Homepage. Das garantiert allerhöchsten Stöberfaktor. Zu erwähnen sind auch zwei interessante Zeugen aus ferner Vergangenheit, die Alsfelder Elle am Rathaus und der eiserne Ring an der Mauer des Weinhauses. Sie erzählen von Zeiten, in denen außer Einkauf und Information auch das Sensationsbedürfnis die Leute auf den Marktplatz lockte, wo Menschen am Pranger öffentlich bestraft wurden. Peinlich in jedem Falle. Zum Stadtnamen finde ich eine kleine Anekdote. Drei Ritter sollen sich in der Nähe der Ansiedlung aufgehalten haben, der Wind habe einem die Kopfbedeckung immer wieder weggeweht. „Verdammt, als fällt mer de Hut vom Kopp“, soll der gesagt haben. Es gibt im Flyer weitere Erklärungen zum Stadtnamen, aber diese merke ich mir mal.

Alsfelder Rathaus
Alsfelder Märchenhaus

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Ausgrabung bei der Burg Nienbrügge

Wie konnte es passieren, dass enorm wichtiges historisches Gelände jahrzehntelang rücksichtslos überpflügt wurde? Das frage ich mich und bin andererseits froh, dass es vor einigen Jahren nun doch in den Focus gekommen ist. Es handelt sich um das Gelände der ältesten Ansiedlung der Stadt Hamm, die Burg Nienbrügge in der Flussaue nördlich der Lippe und die zugehörige Stadt am südlichen Ufer, verbunden durch eine Steinbrücke, die „Nienbrügge“. Erst im Jahre 2011 entdeckte man das archäologische Feld und begann zu forschen. „Bei der Ausgrabung sind jetzt eine Bruchsteinmauer, ein ordentlich verlegter Steinfußboden und jede Menge Scherben zum Vorschein gekommen“, schrieb der WA am 02.12.2011. Es handele sich bei den Funden offenbar um ein Nebengebäude der Burg. Es sei wohl eine gehobene Behausung gewesen, denn ein gefundener Steigbügel, ein Hufeisen sowie Reste von Fensterverglasungen könnten nicht von Bauernhöfen stammen, so die leitende Archäologin Dr. Eva Cichy. Die Ausgrabungsstätte wurde wieder zugeschüttet und für weitere Grabungen zu späterer Zeit vorgesehen.

Nun ist es so weit. Seit einigen Wochen wird wieder gebuddelt und ich will mir das doch mal aus der Nähe ansehen und mache mich auf zum Gelände der Burg Nienbrügge westlich der Bahnlinie im Hammer Norden. Vom Bänklerweg aus gehe ich in die Kornmersch, vor der Rechtskurve geradeaus den unbefestigten Weg Richtung Lippeufer und entlang eines Zauns nach rechts. Da sehe ich auf der gegenüberliegenden Seite von Lippe und Kanal das Hafenamt in der Hafenstraße. Rechts hinter der Strauchreihe schimmern weiße Zelte durch, die ich vor ein paar Tagen bereits vom Mitteldamm aus entdeckt hatte. Ich gehe durch eine Senke und voilà, da stehe ich vor frischen Ausgrabungsfeldern unter Zeltplanen und zwei Männer, die etwas notieren. Was genau zu Tage befördert und dokumentiert wird, werde ich wohl in den nächsten Wochen erfahren.

Von der Burg Nienbrügge ist ja einiges in den Chroniken überliefert. So wissen wir, dass sie und die an der gegenüberliegenden Seite der Lippe gelegene Stadt im Jahre 1225 dem Erdboden gleichgemacht wurden. Warum? Machtgelüste unter klerikalen und adligen Grundbesitzern. So könnte man es kurz umschreiben. Graf Friedrich von Isenberg (1193-1226) passte es nicht, dass der Erzbischof Engelbert von Köln (1185-1225) sein Territorium im westfälischen Raum ausweiten wollte. So wurde der Feind kurzerhand in einem Waldstück bei Gevelsberg ermordet. Rache aus dem Rheinland war angesagt. Graf von Isenberg wurde am Kölner Severinstor brutal auf dem Rad hingerichtet und seine Burg und Stadt Nienbrügge sowie die verbindende Steinbrücke (Nienbrügge = neue Brücke) wurden zerstört. Graf Adolf von der Mark (1197-1249), auch immer bestrebt, seinen Machtbereich über die Burg Mark hinaus auszuweiten, gründete am Aschermittwoch des Jahres 1226 einige hundert Meter flussaufwärts im Winkel von Lippe und Ahse eine Stadt und nannte sie „Auf dem Hamme“, kurz „Hamm“. Dort wurden die Bewohner von Nienbrügge angesiedelt. Und jetzt wünsche ich dem Burggelände und dem nach ihm benannten „Nienbrügger Berg“ für die Zukunft eine angemessene Aufwertung.

Burg Nienbrügge
Nienbrügger Berg
Alter Lippearm
Nienbrügge vom Mitteldamm

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„Marc Chagall. Der wache Träumer“

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert zurzeit auf 2 Etagen eine Vielzahl von Gemälden, Grafiken, Radierungen und Skizzen des russischen Künstlers Marc Chagall mit Wahlheimat Paris. Da sehe ich die „Braut mit zwei Gesichtern“ und Blumenstrauß, Schönheit und Vergänglichkeit nebeneinander gestellt. Die Häuser seines Heimatdorfes Witesbk stehen auf dem Kopf und oben im Schneehimmel galoppiert das rote Pferd vor dem Schlitten mit der Braut in blauem Kleid. Der Geige spielende Hahnenmensch schwebt im grünen All frei unter den Vögeln im Käfig, der aber auch frei schwebt und eine kugelrunde rote Sonne umgibt „Das Liebespaar vom Eiffelturm“. Die Bibel hat Marc Chagall geträumt und seine eigenen Motive aus diesem Werk gemalt, wobei die Interpretation des Königs David mir besonders gut gefallen hat. Marc Chagalls Vermächtnis: „In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe gegründet ist.“

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Vegan, weil…

Es war der Film „Gabel statt Skalpell“, der mich von heute auf morgen vegan werden ließ. Das war vor fast fünf Jahren. Inzwischen weiß ich, es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Und zum gesundheitlichen Aspekt ist der ethische hinzugekommen. Wenn ich in den Läden die Angebote von Fleisch- und Milchprodukten sehe, denke ich an Massentierhaltung und empfinde ähnlich wie das achtjährige Mädchen nach dem Vortrag eines Vertreters von Ariwa (Animals Rights Watch). Ich lebe vegan, weil…

Renates Veganblog

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Gabriele Münter im Ludwig

Wassily Kandinsky, „Blauer Reiter“ und Haus in Murnau fallen mir ein, wenn ich an Gabriele Münter denke. Jetzt ist sie Protagonistin des Expressionismus im Kölner Museum Ludwig. Das Frauenportrait auf dem großen Wandplakat vor dem Eingang macht auf jeden Fall schon mal neugierig. „Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife“ ist der Titel der Ausstellung. Ich bin gespannt auf die Künstlerin und auf „Malen ohne Umschweife“. Beim Betreten der Präsentation fällt mir auf, dass die Bilder in den großen Ausstellungsräumen ziemlich klein wirken und sie sind es auch, vor allem verglichen mit den großen Bildern zum Beispiel denen von Joan Mitchell, der vor gut zwei Jahren hier eine Ausstellung gewidmet war. Vis-à-vis vom Eingang befindet sich in der Mitte der großen Wand das Portrait einer Frau mit buntem Hut, die mich herausfordernd ansieht. Aha!

Erreicht sie mich? Mal weiter schauen. An der linken Wand hängt eine Reihe von Fotografien, die die Künstlerin um das Jahr 1900 während einer längeren Amerikareise gemacht hat, Frauen in weißen Rüschenkleidern mit geschmückten Hüten oder mit Schirm, ein einsam gelegenes Haus, in jedem Falle fein komponiert. Bei weiteren Exponaten steht der Bereich Landschaft im Vordergrund. Und da stehe ich vor dem gelbem Haus in der alpinen Gegend im Örtchen Murnau. Gabriele Münter hatte es gekauft, weil es ihr samt der Umgebung ein guter Ort zum Malen schien. Auf einem See am Fuße der Berge sind vier Personen in einem Ruderboot dargestellt, drei sitzende Frauen mit Hut und ein stehender Mann mit leuchtendblauer Jacke, wie passend zur blauen Gebirgskette im Hintergrund, ein sehr schönes Bild.

Und da bin ich schon beim weiteren Punkt meiner Assoziationskette. Der Herr mit blauer Jacke im Kahn dürfte Wassily Kandinsky sein. Sie hatte ihn als Kunstlehrer einer Frauenmalschule in München kennengelernt. Zur Zeit des „Blauen Reiters“ wohnte er einige Jahre bei ihr im gelben Haus in Murnau. Zwei Bilder zeigen Kandinsky am Tisch der Wohnstube, mit grünem Vogel beim Tee und im Gespräch mit einer Frau. Ja, sie empfingen dort auch andere Künstler des Expressionismus, malten zusammen und suchten neue Wege. Kandinsky publizierte seine Schrift über das „Geistige in der Kunst“, in der er eine Befreiung von der realen Darstellung der Formen und Farben hin zur Gestaltung des „innerlich Notwendigen“ favorisierte. Da durften die Pferde blau sein.

Von den Kuratoren und dem Leiter des Münchner Lenbachhauses erfahre ich im Film dann mehr über Leben und Schaffen der Künstlerin Gabriele Münter. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 verließ Kandinsky Deutschland und kehrte nach Russland zurück. Die Beziehung und der blaue Reiter lösten sich auf, Münter emigrierte in verschiedene Länder und kehrte später nach Murnau zurück. Die Nazizeit und den 2. Weltkrieg überstand sie unauffällig, während ihre und eine ganze Reihe von Kandinskys zurückgelassenen Werken in ihrem Hause lagerten. Zu ihrem 80. Geburtstag im Jahre 1957 schenkte sie alle Bilder einschließlich Kandinskys dem Lenbachhaus, das dadurch internationale Bedeutung bekam und sich in besonderer Weise dafür einsetzt, Münters Werk angemessen zu präsentieren. Künstlerisch ging Münter einen anderen Weg als Kandinsky, der mit seinen abstrakten Kompositionen weltberühmt wurde und als ihr Lehrer einmal gesagt haben soll, er könne ihr nichts beibringen, sie habe alles von Natur. Und da erschließt sich mir wohl der zweite Titel der Ausstellung. Gabriele Münter malte „ohne Umschweife“, wie sie die Wirklichkeit erlebte ohne darauf zu achten, ob Formen, Flächen und Farben der Wirklichkeit entsprachen. Nach kleiner Stärkung bei „Ludwig im Museum“ gehe ich noch einmal in die Ausstellung und entdecke drei Bilder, die mir besonders gut gefallen, ein Fensterblick mit Obst, Blumen und gelbem Haus, eine lesende und eine schreibende Frau.

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