Radtour entlang der Nordseeküste

02-EmdenBinnenhafenDas Seehafenstädtchen Emden ist Ausgangspunkt für unsere Radtour entlang der Nordseeküste. Einen sonnigschwülen Sonntag haben wir erwischt, sodass nach dreistündiger Anreise vom Hammer Bahnhof über Münster und Einchecken im Hotel „Upstalsboom“ ein Besuch der klimatisierten Kunsthalle ein angenehmer Einstieg ist. Die Sammlung mit Franz Marcs „blauen Fohlen“ aus der Schenkung von Henri Nannen sowie weiterer Exponate vom Expressionismus bis zur Gegenwartskunst wird prima ergänzt durch die derzeitige Ausstellung „OTTO MUELLER – natürlich nackt“ sowie Emden-Motiven von Otto Modersohn, gute Einstimmung auf einen Bummel im mediterranen Flair des schönen Binnenhafens mit angrenzendem Rathaus, Museumsschiffen und Gastronomie.
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Auch am nächsten Tag können die Jacken in der Tasche bleiben, als wir gemütlich durch die Dörfchen Larrelt und Wybelsum bis zum Siel- und Schöpfwerk Knock radeln. Wir befinden uns im Gebiet der „Deichacht Krummhörn“, die darauf achtet, dass 55 km Küstenlinie zwischen den Städten Emden und Norden durch Deiche geschützt sind. Beim kilometerlangen Befahren des Deichweges auf der Meer zugewandten Seite bekommen wir endlich das Nordseeküstenfeeling. Bei Campen müssen wir allerdings auf die Deichinnenseite wechseln und erreichen nach kurzen Fotopausen beim Campener Leuchtfeuer sowie beim schicken rotgelb gestreiften Pilsumer Leuchtturm das malerische Örtchen Greetsiel, wo wir jenseits des Touristenrummels ein feines Gartenplätzchen für Tomatensüppchen und Kaffee beim „Hohen Haus“ finden. Durch den Leybuchtpolder flitzen wir weiter bis zum heutigen Etappenziel Norden, wo wir im Hotel „Möwchen“ neben der alten Mühle unterkommen.
04-NorddeichAbfahrt05-Bensersiel06-Neuharlingersiel08-Carolinensiel
In Norddeich beginnt der Radweg direkt neben den Fähranlegern der „Frisia“ zu den Inseln Juist und Norderney. Der Blick auf den Leuchtturm von Norderney begleitet uns dann eine ganze Weile bei unserer Fahrt zwischen Deichschafen auf unserer heutigen Etappe von Sielort zu Sielort. Wir bewegen uns in einer Region, deren Bewohner ständig mit dem Kampf gegen die Flut konfrontiert sind. Siele sind regulierende Tore, durch die einerseits das Wasser vom Binnenland in das Meer geleitet wird, die andererseits verhindern, dass Meerwasser das dahinterliegende Land überschwemmt nach dem in Harlesiel gelesenen Motto „dem Lande nutz – dem Meere trutz“. In jedem Ort mit dem „Siel“ im Namen halten wir an, denn in jedem gibt es außer dem Siel und dem Wasserlauf etwas zu sehen, Strände mit Strandkörben, Spielplätze, Windsurfer, Cafés und Restaurants. Nach Neßmer- und Dornumersiel machen wir eine Kaffee- und Kuchenpause im Hafen von Bensersiel. Von hier aus gelangt man nach Langeoog. Ein paar Deichkilometer weiter heißt uns das malerische Örtchen Neuharlingersiel willkommen, von wo aus man die Insel Spiegeroog erreicht. Ein schnuckeliges Ambiente im Hotel „Hinrichs“ in Carolinensiel ist heute unser Tagesziel. Namengeberin dieses Ortes mit Sielmuseum ist Fürstin Sophie Caroline von Ostfriesland, die als Skulptur von der Brücke aus das Panorama des alten Hafens betrachtet. Abends zieht es uns dann die zwei Kilometer nach Harlesiel, wo nach all den Stunden der Ebbe die Flut nun Erwachsenen und Kindern abendlich sonnigen Badespaß beschert. Zum Abschluss gönnen wir uns vegane Leckereien im „Wattkieker“.
10-Wilhelmshaven11-WilhelmshavenWilhelm11-WilhelmshavenSuedstrand
Wilhelmshaven ist unser nächstes Ziel. Heute verlassen wir mal die Küstenlinie und radeln querfeldein Richtung Jever. Schön, ja, schön könnte es eigentlich sein. Ist es aber nicht, denn es stinkt gewaltig. Gülle, Gülle und nochmals Gülle. Nicht bei einem oder ein paar Feldern, nein, bei allen, kilometerweit, gefühlte zig Stunden lang. BÄH!!! Was denkt ihr euch eigentlich dabei, ihr Bauern? Soll ich etwa Mitleid mit euch haben? Findet akzeptable Wege aus dieser Gülleschwemme! Vor dem Backshop an einer kleinen Kirche in Jever können wir bei einem Käffchen erst mal durchatmen, bevor wir jenseits der Felder weiterfahren und an der Bockwindmühle in Accum ein nettes Bänkchen zum nächsten Picknick finden. Als dann Wolken aufziehen, machen wir uns auf den Weg und sehen zu, dass wir das „Hotel am Stadtpark“ trocken erreichen. Dass der Stadtpark etliche Kilometer außerhalb der Wilhelmshavener City und unser Hotel inmitten der Gebäude eines großen Klinikums liegt, hatten wir nicht erwartet. Egal, ein Bus der Linie 6 bringt uns bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke. Das Wetter hat sich gemausert, von Regen keine Spur, sondern Sonne pur, als wir den Südstrand entlang zum Helgolandkai bummeln und uns am Tickethäuschen informieren, wo am nächsten Morgen um neun die Fähre nach Edwarderhörne ablegt. Durch den preußisch akkuraten Park mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal wandern wir zur Fußgängerzone. Der Hungerast wird hier aber nicht fündig, sondern ein paar Straßen weiter in der Virchowstraße, wo der „Bambus Palast“ mit „Caribbean Sun“ Cocktail und Gemüse aus dem Wok unsere Wünsche erfüllt.
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Wenn man in Wilhelmshaven gut acht Kilometer vom Helgolandkai entfernt wohnt und um 9 Uhr die Fähre nach Eckwarderhörne erwischen will, heißt es zeitig packen, frühstücken und ab auf die Räder. Schaffen wir, entdecken schöne schattige Radwege, erreichen rechtzeitig den „Harle Kurier“ und eine dreiviertel Stunde später das Örtchen Eckwarderhörne in der Region Butjadingen an Jade und Weser. Dann radeln wir wieder zwischen Schafen entlang des Deiches in großem Bogen, mal innen, mal außen durch kleine Örtchen mit Kaffee- und Kuchenpause bei einem Backshop in Tossens. Eigentlich alles wie auf der Sieltour, nur hier dürfen auch Autos und Motorräder den Radweg befahren, was doch die Radelfreude erheblich beeinträchtigt. Außerdem erfahren wir, dass die Weserfähre nach Bremerhaven wegen Beschädigung des Fähranlegers in Blexen ausfällt. Und nun? Wie sollen wir über die Weser kommen? Die nächste Möglichkeit für Radfahrer sei wohl Brake, erfahren wir, ein Riesenumweg Weser rauf, Weser runter. Ach, erst mal zum Anleger fahren, mal sehen, was es da gibt. Busersatzverkehr, jede Stunde, erfahren wir noch unterwegs. Und Fahrräder? Flitz, Flitz durch Blexen zum Anleger … und siehe da: Ein Bus steht da! Und einige Radtouristen von der „Harle Kurier“ treffen wir auch wieder.
15-BremerhavenFaehre15-BremerhavenFischereihafen16-Bremerhaven18-BremerhavenAuswanderer20-BremerhavenHafenRundfahrt21-BremerhafenSchleuse
Der Busfahrer ist die Geduld in Person, Fahrräder irgendwie verstauen, bezahlen und als der Bus voll ist, gehts los. Wir ruckeln in ca. einer Stunde von Nordenham durch den Wesertunnel über Autobahn, Land- und Stadtstraßen und bekommen gleich ein Sightseeing um und in Bremerhaven. Keine Weserüberquerung, sondern -unterquerung, aber alles gut gegangen. Der nächste „Schock“ kommt im „Best Western Plus Hotel“ im Fischereihafen: Fahrräder draußen auf dem Parkplatz unterbringen. Nein, keine andere Möglichkeit. Auch da müssen wir durch. Ambiente und Zimmer mit gläserner Dusche und Weserpanorama sind schon spektakulär und welch ein Glück: Donnerstags gibt es Live Musik im Schaufenster Fischereihafen. Von der Mitte sind wir drei Kilometer entfernt, das heißt, noch mal die Zossen satteln und losfahren, um schon mal rund um das Kolumbus Center Orientierung und ersten Blick auf die Sehenswürdigkeiten zu bekommen. Kleine Pizza bei PizzAmore am Bahnhof, zurück zum Fischereihafen, Nudeln mit Gemüse, Chilisoße und Glückskeks am Thaistand, auf eine Treppe setzen und Joe Cocker Tribute von Mr. Joe hören.
Der nächste und letzte Tag unserer Nordseeküsten Radtour gehört ganz den Attraktionen dieses Ortes am Delta der Wesermündung. Er beginnt spektakulär mit dem vielfältigsten Frühstück der Reise im vorspringenden Glaspalast über dem Hafenbecken am Fischkai. Alternativ zum Rührei, Würstchen und Speck gibt es für uns gegrilltes buntes Gemüse und Champignons mit Zwiebelchen. Alle anderen Leckereien natürlich selbstredend. Das entschädigt schon fast für die Sorge um die Fahrräder, die die Nacht übrigens unbeschadet überstanden haben. Heute bleiben sie stehen. Wir wandern los in die Mitte des Geschehens, bummeln durch die Kolumbus Shopping Mall und folgen anschließend den Spuren unseres Auswanderers Friedrich Wilhelm Hupfeld, der im Jahre 1845 hier am Kai in Bremerhaven mit Vater, Mutter und Bruder ein winziges Plätzchen im Zwischendeck des Dreimastseglers „Heerjeebhoy Rustomjee Patel“ bekam und 117 Tage später im Hafen des südaustralischen Port Adelaide an Land ging. Nach dem Auswandererhaus zieht es uns zu Sushi und Algensalat in der Mall, dann Käffchen zu Füßen der Bürgermeister-Smid-Gedächtniskirche und auf zur nächsten Veranstaltung, einer Hafenrundfahrt mit „Lady Sunshine“. Was ich hier sehe und höre, bringt mich doch echt zum Staunen: Schiffe und Docks in Größendimensionen, die ich mir niemals hätte vorstellen können. Diese Kollosse für alle möglichen Zwecke wie Autotransport und Kabelverlegung wollen doch auch zum und im Ozean bewegt werden, das bringt jede Menge intelligente Planung, Arbeit und Kosten. Danach noch ein paar kleinen Schiffen beim Hochgehievtwerden in der Schleuse „Neuer Hafen“ zuschauen. Dann ist es genug, meint auch das Wetter. Die drei Kilometer zum Fischereihafen müssen wir mit Regenschirm wandern. Abendessen vom Asiaten gibt es heute am langen Tisch im Hotelzimmer. Mit Blick auf das Weserpanorama in Richtung offenes Meer lassen wir noch einmal die ganze Tour an uns vorbeiziehen. Schön war’s an der Nordseeküste!

Nordseeküstenradtour von Emden nach Bremerhaven – 24. bis 30. Juli 2016

Die Geschichte von Friedrich Wilhelm Hupfeld aus Germerode am Meißner

Auf den Spuren von Friedrich Wilhelm Hupfeld: Australien Reisebericht – Sydney bis Adelaide

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Marcel Beyer in Leipzig

Beim Gespräch mit Miriam Böttger auf der Leipziger Buchmesse 2006 liest Marcel Beyer aus seiner Erzählung „Vergeßt mich“. Die hat was, macht neugierig auf Madrid, den Francokult und vor allem Lust, die ganze Dreiecksgeschichte zu erleben. Schon beim kurzen Reinhören kommt so viel Zartheit bei mir an. Zehn Jahre später bekommt Marcel Beyer den Georg-Büchner-Preis 2016. Ich freue mich für diesen sensiblen Autor. Herzlichen Glückwunsch.

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ExtraSchicht im Bergwerk Ost

2016-06-25-Extraschicht6Im Rahmen der Veranstaltung „ExtraSchicht. Die Nacht der Industriekultur“ war am 25. Juni 2016 zum erstenmal das Bergwerk Ost in Hamm dabei. Inzwischen ist die Zeche stillgelegt. Bis Ende 2009 waren noch 2000 Mitarbeiter beschäftigt und auf deren Spuren konnten sich die Besucher begeben. Eingebettet in ein Programm mit Darbietungen in Musik, Tanz und Kunst konnten die einzelnen Bereiche der Zechenanlage besichtigt werden, so eine Waschkaue mit unzähligen Drahtkörben, in die die Bergleute seinerzeit ihre Alltags- bzw. Arbeitskleidung verstauten und unter die Decke zogen. Und wie geht es weiter? Nach dem Motto „Aus Kohle wird Kultur“ soll das Zechengelände entwickelt werden.

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Kalenderblatt: Ingeborg Bachmann

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Am 25. Juni 2016 würde sie 90 Jahre alt. R.I.P.

Ingeborg Bachmann *25. Juni 1926 +17. Oktober 1973

Kalenderblatt vom „Arche Literatur Kalender 2016. Glückliche Augenblicke“

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König, Meister, Prinz

Es war einmal ein junger Prinz, dessen Vater ihn öfter mitnahm ins Theater. Eines Tages erlebte er die Geschichte eines Tondichters, in der ein Prinz im silbernen Boot von einem weißen Schwan gezogen wurde. Seitdem träumte er sich Nacht für Nacht in das Schwanenboot. Er war immer noch sehr jung, als sein Vater starb und er König wurde und er träumte sich noch immer in das silberne Boot hinter dem wunderschönen Schwan. „Hol mir den Tondichter herbei, koste es, was es wolle“, befahl er seinem Diener.
So wurde Meister Richie eines Tages vom jungen König empfangen. „Ich habe Sie herbestellt, weil ich Ihre Werke sehr schätze, Meister der Töne. Mein Volk soll Ihre Musikgeschichten auf der großen Bühne erleben.“ „Nun gut, mein König“, antwortete Meister Richie. „Meine neueste Tondichtung handelt von einem edlen Ritter, der ein wunderschönes Mädchen liebt und es erobern will. Dazu muss er sich in einem schwierigen Wettkampf der Meistersinger bewähren.“ „Bringe er das Stück auf die Theaterbühne, mit den besten Sängern und Musikern des Landes, koste es, was es wolle“, antwortete der König. Und so wurde die Geschichte mit allem Schnickschnack aufgeführt, dass auf der Bühne die Fetzen flogen.
MeistersingerViele Jahre später wurde Bücherprinz Ruprecht Frieling von Meister Richies Werken fasziniert. Über die Musik und die Sprache hat er zu Richard Wagner gefunden, sagt er. Wagner-Opern erinnern ihn an die gigantischen Rockkonzerte aus früheren Jahren, wie die von Cream und Jimi Hendrix. Mit seinen Opernerzählungen möchte er viele Menschen an Wagners musikalische Dichtungen heranführen. „Die Meistersinger von Nürnberg“ ist seine neueste, so lebendig mit Frieling’schem Sprachwitz geschrieben. Beim Lesen werde ich in die frühe mittelalterliche Geschichte entführt, vom Minnegesang, dem Buhlen der Ritter um die Burgfräulein bis zu den Regeln der Meisterlieder, die Ritter Walther von Stolzing beherrschen muss, um die schöne Eva zu erobern. Und wie lustig, wenn der pfiffige Hans Sachs nach dem Prinzip „Liebe ist wichtiger als Tabulaturen“ Erbsenzähler Beckmesser austrickst.

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„Fernand Léger. Malerei im Raum“

2016-06-04-LegerWen an einem von heftigen Regenschauern gebeutelten Samstag Kölner Konsumtempel in Dumont Carré, Neumarktgalerie, Schildergasse und Hohe Straße eher langweilen, der hat eine gute Gelegenheit, ein paar Stunden im Museum Ludwig zu verbringen. Ein großes Plakat auf der Domplatte weist auf die derzeitige Ausstellung hin, „Fernand Léger. Malerei im Raum“.
2016-06-04-LegerSchriftBildMit Audioguide bummeln wir durch die Installation und bekommen kurzweilige Eindrücke und Informationen zu den Objekten des französischen Künstlers Fernand Léger (1881-1955), überwiegend farbige Gestaltungen für private und öffentliche Räume, Bühnen, Filme aus den Zwanzigern und einer überdimensionalen Montage für die Pariser Weltausstellung im Jahre 1937.

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„Keine Panik“

Udo01Udo04Der kleine Mann mit der roten Jacke im Lichtkegel unter unzähligen Sternen am tiefblauen Horizont ist der berühmte Udo Lindenberg aus dem westfälischen Gronau. Nachtigall, nennt er sich selbst auch gerne. Er singt zwar nicht so schön wie diese, aber mit genausoviel Hingabe und Freude. Vergangenen Freitag war ich wieder dabei, als das Panikorchester aus dem wellenbrausenden Atlantik auftauchte. Hoch oben über der Menge in der Kölnarena schwebte die coolste Socke ein. „Odysee“. Lebensfreude. Ja, das Leben, „…gib’s nie wieder her…“. Und was brauchst du zum Leben? Keinen „Plan B“. Keine Waffen, rassistische Fratzen, feindliche Parolen und schräge Despoten, sondern Liebe. Die bringt Lebensfreude, hilft gegen die Panik, reißt Mauern ein und begleitet dich „durch die schweren Zeiten“.

Lindenberg in der Essener Grugahalle 2008
Lindenberg in der Kölnarena 2012
Lindenberg im Jovel in Münster 2014

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Radtour durch das liebliche Taubertal

WertheimMainuferUnsere diesjährige Pfingstradtour begann in Wertheim, wo wir am Mainufer parken, Fahrräder und Taschen klarmachen und in den Zug nach Schrozberg einsteigen konnten. Von dort ging es per Bike durch Felder und Wiesen ca. 25 km nach Rothenburg ob der Tauber, ein Ort, von dem ich jetzt weiß, warum der das „ob“ im Namen hat. Das bizarre Städtchen liegt hoch oben über der Tauber und verlangte uns den ersten heftigen Anstieg ab.
RotenburgStadttorAm Tor angekommen, empfingen uns drei junge Hereinlasser, die an einem Tisch saßen und in ihren Listen erst einmal prüften, ob wir eine Berechtigung zum Einlass hatten. Mit 3 Euro pro Person waren wir dabei und durften den Bereich innerhalb der hohen Stadtmauern betreten. Hier fand nämlich an den Pfingsttagen das jährliche Mittelalterspektakel um den Meistertrunk statt. Der soll im 30-jährigen Krieg die Stadt vor Tillys Truppen und dem Katholizismus gerettet haben.
RotenburgMarktplatzFestwieseRothenburgAufsitzen war nicht. Wir mussten unsere „Zossen“ samt Satteltaschen die holprige steile Gasse hinauf auf den Marktplatz schieben und durch ein Gedränge von historisch kostümierten Mädchen und Burschen das Hotel finden, einchecken und „Zossen“ in die Garage stellen. Nach dem Abendessen beim „Reichsküchenmeister“ war noch ein Gängelchen zwischen zahlreichen Buden mit Angeboten von Handwerkern, Händlern und Musikgruppen aus vergangenen Jahrhunderten und ein Blick über die begehbare Stadtmauer auf das Zeltlager auf den Wiesen vor der Stadt angesagt.
Nun, man hätte sich in dem Rothenburger Spektakel auch einige Tage lang nicht langweilen müssen, denn am nächsten Morgen ging es weiter mit allem Drum und Dran, Musik, Pferdegetrappel, Appell auf dem Marktplatz. Doch wir nahmen den Abstieg zum lieblichen Taubertal und fuhren mit wenigen kurzen Pausen (weil es zu kalt war!!!) bis Creglingen, die winzige Hergottskirche oben am Berg war unser Ziel.
HerrgottskircheCreglingenRiemenschneiderIn dieser kleinen Kirche befindet sich nämlich eins der berühmten Meisterwerke von Tilman Riemenscheider, ein Schnitzaltar, der den steilen Anstieg lohnt. Nach einer längeren Regenpause im Gasthaus Kohlesmühle an der Straße direkt unterhalb der Kirche ging es bis Weikersheim, einem weiteren mittelalterlichen Tauberstädtchen mit einem „Schatzkästchen der Renaissance und des Barock“, dem Schloss und dem Schlossgarten, wo wir in einer Führung über die Geschichte dieser 1586 vom Grafen Wolfgang von Hohenlohe erbauten und Anfang des 18. Jahrhunderts vom Grafen Carl Ludwig von Hohenlohe erweiterten großzügigen und facettenreichen Anlage informiert wurden. Ein wirkliches Schatzkästchen. Abends ging es nach Bad Mergentheim, das wir uns wegen Müdigkeit erst am nächsten Morgen ansehen wollten, was jedoch dann buchstäblich ins Wasser fiel.
TaubertalLieblich2LieblTaubertalEBikeBei Regen und Kälte ging es am Pfingstmontag weiter, wobei wir feststellten, dass das Taubertal auch bei schlechtem Wetter nichts an Lieblichkeit einbüßt, einfach schön mit seinen blühenden Obstwiesen und idyllischen kleinen Dörfern, jedes auf seine Art sehenswert. Ein Highlight war zunächst eine längere Kaffeepause auf dem Marktplatz in Tauberbischofsheim, das vom Fechten bekannte Städtchen mit Türmersturm und schönem Rathaus. Auch wenn es im Café so schön warm und draußen kalt war, hieß es: on the road again. Das nächste Ziel auf der Etappe musste wieder mit einem steilen Anstieg erkämpft werden, das Kloster Bronnbach, eine historische Klosteranlage von ehemaligen Zisterziensermönchen, im 12. Jahrhundert gegründet von Bernard von Clairveaux. BronnbachKlosterKreuzgangAußer einem schönen Kreuzgang konnten wir auch hier aufwändig gestaltete Meisterwerke an Wänden und Decken bewundern und erfahren, dass wie Schloss Weikersheim auch in dieser groß angelegten Einrichtung das historische Ambiente zu verschiedenen Anlässen genutzt wird wie Übernachtungen, Tagungen, Musikevents und Trauungen. Ziel der Etappe und Endziel der Radtour war die Stelle, wo die Tauber in den Main fließt und so erreichten wir nach insgesamt ca. 135 Kilometern strampeln am späten Nachmittag das Städtchen Wertheim mit einer imposanten Burg und unserem Auto am Mainufer.

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Das Alsfelder Rathaus

AlsfeldRathausDas Alsfelder Rathaus ist schon ein ganz besonderes historisches Gebäude. Der Fachwerkbau auf der ehemaligen Markthalle mit der Alsfelder Elle, den aus Stein gebauten Spitzbögen und dem Schieferdach mit zwei Türmen ist das unverwechselbare Wahrzeichen der Stadt. Neben dem Weinhaus mit Pranger, der Walpurgiskirche und weiteren schönen alten Fachwerkhäusern auf dem mittelalterlichen Marktplatz zieht es die Blicke unwillkürlich an. In der Zeit von 1512 bis 1516 erbaut steht es heute unter Denkmalschutz. Die Räume werden genutzt für das Amtszimmer des Bürgermeisters sowie Sitzungssaal und Trauzimmer.

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Haus der Wannseekonferenz

Haus der Wannseekonferenz

Die mittägliche Märzsonne wärmt schon ganz schön, als wir uns an diesem Samstag auf den Weg zum Wannsee machen. Das „Haus der Wannseekonferenz“ ist unser Ziel, eine historische Villa am Wannsee gelegen. Vor Ort wollen wir versuchen, nachzuerleben, was sich dort an einem Januartag des Jahres 1942 zugetragen hat. „Die Wannseekonferenz und der Völkermord an den europäischen Juden“ ist der Titel der ständigen Ausstellung. Vom Hauptbahnhof aus fahren wir mit der S-Bahn Linie 7 über das Westkreuz bis zum Bahnhof Wannsee. Von der gegenüber liegenden Straßenseite aus bringt uns ein Bus der Linie 114 Richtung Heckeshorn bis zur Haltestelle „Haus der Wannseekonferenz“. Von dort sind es ein paar Fußminuten bis zum Eingang in einen weitläufigen Park, dessen Mittelweg direkt zum Säulenportal der Villa führt. In das großzügige Ambiente dieses Hauses am See hatte SS-Obergruppenführer (SS = Schutzstaffel) Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD (Sicherheitsdienst) eingeladen.
WannseekonferenzHaus10WannseekonferenzHaus05Außerdem war jener Reinhard Heydrich auch Reichsprotektor für Böhmen und Mähren in Prag, und dort hatte er wohl auch die Einladung zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Januar 1942 um 12 Uhr Berlin, Am Grossen Wannsee 56-58“ abgeschickt. In einer Vitrine im Besprechungsraum sind entsprechende Dokumente ausgelegt, so auch die 15 Seiten des von SS-Obersturmbannführer Eichmann vom Reichssicherheitshauptamt erstellten Protokolls. In diesem Raum fand also die 90 minütige Besprechung statt, an der 15 Männer teilnahmen, Gauleiter, Staatssekretäre (u.a. des Reichsjustizministeriums), SS-Ober-, Gruppen- und Sturmbannführer und der Ministerialdirektor der Reichskanzlei. Worum es ging? Das lesen wir im Kapitel II des Protokolls. Es ging um einen „Entwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Belange im Hinblick auf die Endlösung der europäischen Judenfrage“.
WannseekonferenzHaus08Wannsee01Und wie der Völkermord aussehen soll, hat der Protokollant auf Seite 7/8 so formuliert: „Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird.
Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als entsprechende Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.“
Die Märzensonne hat an Intensität nicht verloren, als wir noch ein Gängelchen am Wannsee machen, doch irgendwie wärmt sie uns nicht mehr.

Besuch im Haus der Wannseekonferenz am 19. März 2016

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