Malwida von Meysenbug zum Tod von Richard Wagner

WahnfriedGrab

Rom, Mittwoch 14. Februar 1883

Geliebte Olly, gestern hätte ich nicht gedacht, daß ich Dir heute solch eine Nachricht schreiben müßte; heute morgen war ich allein zu Haus, Trina war aus, die spese zu machen. Da schellt es, ich gehe an die Türe, es ist der Telegraphenmann. Ich habe immer einen Schreck, wenn ein Telegramm kommt, und ich weiß nicht, warum es mich heute besonders ergriff, so daß meine Hand zitterte, als ich es öffnete. Dennoch war ich weit entfernt zu ahnen, was es enthielt. Es war von Loukowsky und enthielt nur die Worte: „Wagner ist gestern 4 Uhr entschlafen“. Ich starrte das Blatt an und wollte meinen Augen nicht trauen, und als ich es doch nicht mehr bezweifeln konnte, überkam es mich wie etwas so Ungeheures, ein so unermeßlicher Verlust für die Welt, daß ich es nicht zu Haus aushielt. Ich mußte hinaus, es überwältigte mich zu sehr. Ich fuhr eilends aufs Telegraphenbureau und telegraphierte an Joukowsky, auch um nähere Nachrichten zu erbitten. Es muß ganz plötzlich gekommen sein, denn vorige Woche hatte ich noch einen Brief von Cosima, der Eva diktiert, da sie an den Augen leidet, in den Wagner selbst einige Worte geschrieben hatte und wo von Unwohlsein nicht die Rede war. Dann fuhr ich zur Dönhoff; ich fand sie in Tränen, in der Morgenzeitung hatte es schon ein Telegramm aus Venedig verkündet. Sie war auch ganz außer sich, und wir besprachen es, daß mit ihm das einzige ideale Leben, was in dieser Zeit noch auf Erden zu finden war, verschwindet. Die arme Cosima, wenn sie nur nicht auch stirbt, denn die Dönhoff sagte, sie habe schon so bleich und erschöpft ausgesehen, als sie jetzt in Venedig war, und sie ist doch so nötig jetzt für die Kinder, besonders Siegfried, und auch für die Sache. Nun wird’s wohl schwerlich Parsifal-Aufführungen dies Jahr geben.
Adieu mein Engel für heute; ach wie schnell wird man auf ewig getrennt.

aus: Im Anfang war die Liebe, Briefe an ihre Pflegetochter von Malwida von Meysenbug, hrsg. von Berta Schleicher, C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung München 1927, dritte Auflage (S. 167/168)

CoverLiebeOlly

Foto oben: Grabstätte von Cosima und Richard Wagner im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth © Renate Hupfeld

E-Book: Malwida und der Demokrat

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Edelmetall oder Liebe

WagnerKindleRingDass ich als überzeugte Anhängerin der Fraktion Wagner-nein-danke meine Vorbehalte beiseite lege und nun versuche, mich von einer anderen Seite diesem Komponisten des 19. Jahrhunderts zu nähern, ist der Erzählung „Der Ring des Nibelungen I – IV“ von Ruprecht Frieling zu verdanken.
Mein allererster Leseeindruck scheint meine Haltung zu bestätigen. Wie gehen die Figuren eigentlich miteinander um? Schöne Töchter, fiese Gestalten, Dämonen, Drachen, Intrigen, Raub, Mord, Erotik, Inzest, Psychosen. Nach One-Night-Stand und Ankündigung des Ring of Fire warte ich auf den Moment, wo es mich endlich packt. Das ist der Fall, als der unerschrockene Siegfried den Feuerring überwindet und zum ersten Mal in seinem Leben unsicher wird. Er entdeckt die auf den Felsen verbannte und verpanzerte Walküre und anstatt draufgängerisch den Panzer zu entfernen, agiert er liebevoll und sanft. Er hat sich verliebt. Schluss mit Horror. Endlich Liebe. Doch nein, es geht weiter mit Heuchelei, Intrigen und Gräueln. Mit einem k.o.-Drink wird Siegfried ausgeschaltet, erinnert sich an nichts und steckt mittendrin in diesem Pfuhl der Irrungen, Wirrungen und Grausamkeiten. Jetzt hoffe ich, dass die enttäuschte Amazone auf geschmeidigem Ross mit dem Schwert in der Hand das Ding herumreißt und den Helden zeigt, wie es geht. Doch nein. Sie schafft es nicht.
Zur Erstaufführung der Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ in Bayreuth berichtete die Schriftstellerin Malwida von Meysenbug am 19. Juli 1876 ihrem Neffen: „Ich bin nämlich jetzt fast drei Wochen hier, wohne täglich den Proben bei und kann nur in Wahrheit sagen, daß etwas so Großes, so Außergewöhnliches in der Kunst noch nie dagewesen ist.“ Was machte Wagners Inszenierung seines vierteiligen musikalischen Dramas so außergewöhnlich? Die Antwort bekomme ich von Malwida auch nicht in ihrem „Lebensabend einer Idealistin“. Es ist ziemlich dürftig, wenn sie 1898 erinnernd schreibt: „Hier sollte ein Kulturwerk entstehen, wie die moderne Geschichte nichts Ähnliches aufzuweisen hatte, ein Kulturwerk im griechischen Geist, wo nur einmal im Jahr, losgelöst von den Fesseln der Alltäglichkeit, das deutsche Volk sich versammeln und im Spiegelbild höchster Kunstschöpfungen, sein eigenes edelstes Selbst verklärt erkennen sollte.“
Große Worte, doch worum geht es denn eigentlich? Ich nehme mir Frielings Erzählwerk noch einmal vor und fühle mich im ersten Bild des „Rheingold“ plötzlich wunderbar verstanden, wo er schreibt: „Die Rheinladies sind fest überzeugt, dass alles, was lebt, auch lieben will: Kein Lebewesen entsage der Liebe; also könne auch Alberich nie zu einer wirklichen Bedrohung für den Schatz werden.“ Die schönen Nixen irren. Das edle Metall wird geraubt und damit nimmt das Unheil seinen Lauf bis zum völligen Zusammenbruch der walhallischen Welt. Man kann es ruhig so stehen lassen, wenn der Erzähler im letzten Bild der „Götterdämmerung“ eine Frage in den Raum stellt: „Eine neue Zeit bricht an: die Ära der Menschen. Ob diese Spezies in der Lage ist, den Verlockungen des Goldes standzuhalten und ein freies und selbstbestimmtes Dasein zu führen?“
Wem es wichtig ist, zum 200. Geburtstag von Richard Wagner sein Halbwissen zu komplettieren und Vorbehalte abzubauen, die größtenteils auf Geschehnisse nach seinem Tod begründet sind, der sollte diese Opernerzählung unbedingt lesen. Der Autor hat die in zeittypischer Sprache geschriebenen Libretti für heutige Leser übersetzt und mit Frieling’schem Humor so spritzig geschrieben, dass man beim Lesen meint, Instrumente und Gesang zu hören, die Figuren plastisch vor sich sieht und laut lachen muss, zum Beispiel wenn der Recke an der Dame des Hauses herumfummelt. Und den Aktualitätsbezug hab ich ja wohl im vorigen Abschnitt deutlich gemacht.
Fullhouseempfehlung!!!!!

E-Book: Der Ring des Nibelungen I – IV Opernerzählung von Ruprecht Frieling

Homepage von Ruprecht Frieling

E-Book: Malwida [von Meysenbug] und der Demokrat

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The Next Big Thing Blog Hop

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The Next Big Thing Blog Hop ist eine Möglichkeit für Autoren (in der ganzen Welt) zu berichten, an welchem Projekt sie gerade arbeiten. Sie beantworten 10 Fragen zu ihrem nächsten Buch. Zusätzlich erwähnt man die Person, die einen vorgeschlagen hat, und nennt selber 5 Autoren/Autorinnen, die als nächstes die Fragen beantworten. Ich wurde freundlicherweise von Autorin Carola Kickers vorgeschlagen.

Hier nun die 10 Fragen und meine Antworten:

Was ist der Arbeitstitel Ihres Buches?

Malwida trifft …

Woher kam die Idee für das Buch?

Auf der Suche nach interessanten Frauen im 19. Jahrhundert entdeckte ich Malwida von Meysenbug. Mich faszinierte die für die Zeit ungewöhnliche Selbständigkeit, sodass ich einige Episoden aus ihrem Leben literarisch bearbeitete, immer aus der Sicht einer Frau ihrer Zeit im Spannungsfeld zwischen aristokratischem Elternhaus und ihrer Zuneigung zu rebellischen Demokraten wie Theodor Althaus, Gottfried Kinkel, Alexander Herzen und Giuseppe Mazzini. Einen Vorgeschmack gibt es in meinem E-Book Malwida und der Demokrat

Unter welches Genre fällt Ihr Buch?

Historische Erzählung

Wie lautet die Ein-Satz-Zusammenfassung Ihres Buches?

Eine Aristokratin im 19. Jahrhundert in ihrem Bemühen um selbständiges Denken, eigene Überzeugungen und Unabhängigkeit.

Welche Schauspieler sollten Ihre Charaktere in einer Filmumsetzung spielen?

Malwida: Maria Furtwängler
Theodor: Daniel Brühl
Gottfried: Moritz Bleibtreu
Alexander: Christian Ulmen
Guiseppe: Matthias Schweighöfer

Werden Sie Ihr Buch selbst verlegen oder wird es vertreten durch einen Agenten?

Ich werde das Buch selbst verlegen, E-Book und Print.

Welche anderen Bücher würden Sie mit Ihrem Genre vergleichen?

Zurzeit kenne ich kaum Autoren, die in derselben Weise an historischen Stoffen arbeiten wie ich, sozusagen als Dokudrama. Diesen Begriff hab ich zum ersten Mal von Heinrich Breloer gehört. Sein Werk „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ fällt mir nun auch dazu ein.

Was sonst könnte das Interesse des Lesers für Ihr Buch wecken?

Die Aktualität des Wirkens außergewöhnlicher Persönlichkeiten des unglaublich spannenden 19. Jahrhunderts, die für ihre Überzeugungen gekämpft, gelitten und mit ihrem Schaffen den Grundstein für unsere heutige Demokratie gelegt haben.

Wie lange haben Sie gebraucht, um den ersten Entwurf Ihres Manuskriptes zu schreiben?

Den Stoff recherchiere ich seit vielen Jahren und am publikationsfähigen Manuskript arbeite ich noch.

Möchten Sie andere Autoren für das Interview nominieren?

Mach ich gerne: Norman Nekro, Carmen Sylvia Bauer

„Malwida und der Demokrat“ im Kindle Shop

„Malwida und der Demokrat“ im beam eBook Shop

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„Die Braut friert leise …“


Der Herausgeber von WELTENDE ist nicht nur ein liebenswerter Bücherprinz und kompetenter Ratgeber für Indie Autoren, sondern auch und vielleicht vor allem ein guter Schatzfinder. Den Dichter Jakob van Hoddis hat Wilhelm Ruprecht Frieling bereits vor längerer Zeit entdeckt, doch erst jetzt mit der Publikation des E-Books einen Auszug seines Schaffens an das Licht befördert, siebzehn Gedichte, expressionistisch, surrelistisch, skurril, sarkastisch, schräg. Wie in der Zeile „Die Braut friert leise unterm leichten Kleide“ aus dem Gedicht vom „Todesengel“, dem „wüsten Freier“, weiß man als Leser zunächst nicht, ob man erheitert, verwirrt oder entsetzt sein soll. Was will der Dichter uns vermitteln mit seinen oft in krassem Widerspruch zueinander stehenden Bildern wie im „Weltende“ Menschen mit Schnupfen neben einstürzenden Brücken? Oder mit dem bleichen, blaugeäderten Frauenarm aus der Wand im Gegensatz zum zierlich Blut leckenden Katzentier im „Visionarr“? Beim Lesen von Frielings Vorbemerkung zur Lebensgeschichte des Dichters verzieht sich das Schmunzeln endgültig. Da hat es durchaus etwas von Apokalypse, wenn ein „starker Wind“ emporspringt und des „eisernen Himmels blutende Tore“ öffnet. Jakob van Hoddis Zeit war knapp bemessen. Nach dem Ausbruch einer psychischen Krankheit war für ihn selbstbestimmtes Leben und Schaffen nicht mehr möglich und unter der Diktatur nach 1933 verlor er auch das Wenige, was ihm blieb. Er wurde von den Nazihenkern verschleppt und ermordet.

Hier geht’s zum Buch: WELTENDE

Ruprecht Frieling performt: WELTENDE

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Lesung beim Grabbepunsch

Grabbehaus in Detmold

Vor einigen Tagen durfte ich auf Einladung der Detmolder Grabbe-Gesellschaft meine Biografie „Theodor Althaus – Revolutionär in Deutschland“ beim Grabbepunsch im historischen Gasthaus in der Detmolder Braugasse vorstellen. Man mag fragen, aus welchem Grunde und was meinen Protagonisten mit Grabbe verbindet. Nun, die Grabbe-Gesellschaft fördert nicht nur das Gedenken an den Dramatiker Christian Dietrich Grabbe, sondern auch an andere in Detmold geborene Dichter wie Ferdinand Freiligrath, Georg Weerth und Theodor Althaus.

Letzterer stand allerdings bisher am wenigsten im Focus. Die Grabbianer zeigten sich hocherfreut über meine Althaus Publikationen, der im Aisthesis Verlag Bielefeld erschienenen Textsammlung „Zeitbilder 1840 – 1850“ und der Publikation der Lebensgeschichte. Und nicht nur das: Zur Biografie verfasste Hans Hermann Jansen eine wunderbare Rezension, die im soeben erschienenen Grabbe-Jahrbuch 2011/12 auf den Seiten 301 – 302 zu lesen ist und vermittelte mir besagte Gelegenheit, mein Buch einer Versammlung von höchst interessierten Zuhörern vorzustellen.

Pfarrhaus unter der Wehme in Detmold, Geburtshaus von Georg Weerth

Geburtshaus von Theodor Althaus[/caption]Das Sterbehaus von Christian Dietrich Grabbe steht in unmittelbarer Nachbarschaft des Geburtshauses von Ferdinand Freiligrath und gegenüber dem von Theodor Althaus in der Bruchstraße 2, von wo aus ich am Tag darauf einen kleinen fotografischen Rundgang auf seinen Spuren machte. Georg Weerth wurde übrigens im späteren Wohnhaus der Familie Althaus, dem Pfarrhaus unter der Wehme geboren.

Geburtshaus von Theodor Althausin der Detmolder Bruchstraße

So sind in der Nähe des Marktplatzes mit der Stadtkirche und dem Rathaus die vier Detmolder Dichter und Schriftsteller (Grabbe, Freiligrath, Weerth, Althaus) in schöner Nachbarschaft miteinander vereint.

Auf den Spuren von Theodor Althaus in Detmold

Informationen zu und Leseproben aus „Theodor Althaus – Revolutionär in Deutschland

Texte von Theodor Althaus

Vier Dichter aus Detmold (Grabbe, Freiligrath, Weerth, Althaus)

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Mein Tag der unabhängigen Autoren

Zum heutigen „Indie Day“ fällt mir als erstes die Frau ein, von der ich das Wort Indie Autor zum ersten Mal gehört habe, Annemarie Nikolaus. Ich kenne sie inzwischen seit zehn Jahren und weiß zu schätzen, wie gut sie sich in der Welt der Autoren auskennt. Als unabhängige Journalistin und Verfasserin eines viel beachteten historischen Romans sowie Fantasy- und Mysterygeschichten ist sie inzwischen bestens bekannt. Viele Impulse bekam ich von ihr, was schließlich dazu führte, dass ich die Publikationen meiner fertig gestellten Manuskripte selber in die Hand nahm.

Mein zweiter Impulsgeber war Wilhelm Ruprecht Frieling. Dessen E-Book Autor sucht Verleger“ hat vor einem Jahr meine Einstellung zum Publizieren entscheidend beeinflusst z.B. mit seinen Aussagen zur Entwicklung des Buchmarktes, zum Selbstverständnis als Autor und seiner Beschreibung der Espresso Buchmaschine in London.

Meine dritte Empfehlung ist Wolfgang Schwerdt, der alle Facetten meiner Homepage bis in die tiefsten Ecken studiert hat, meine erste Publikation nicht nur mit literarisch fachlicher, sondern auch mit historischer Kompetenz gelesen und rezensiert hat und mich im Kulturstrom Interview in besonderer Weise herausforderte.

Last but not least fällt mir meine langjährige Freundin Elsa Rieger aus der gemeinsamen Zeit beim Mitmachprojekt des Schreib-Lust Verlages ein. Sie ist inzwischen eine bekannte und erfolgreiche Autorin und Förderin von Indie Autoren, die sie interviewt und in ihrem (e)-BOOK-SALON vorstellt.

Lutz Schafstädt ist auch einer derjenigen, die ich seit Jahren als Mitglied des Schreib-Lust Mitmachprojektes kenne und für mich wie Annemarie in der Indie Szene ein Autor der ersten Stunde. Mit der Publikation seiner E-Books, seinem Blog eBook-Sonar, der Gründung der Facebookgruppe Der E-Book Klub mit der täglich aus Tweets mit dem Hashtag #debk erscheinenden Online Zeitung war er für mich Richtung gebend.

Bei meinen allerersten zaghaften Schritten auf social media Plattformen lernte ich R.D.V. Heldt kennen. Alles, was ich nach und nach entdeckte, hatte Jo längst in die Tat umgesetzt und wie Annemarie kennt sie sich mit all den Möglichkeiten des unabhängigen Publizierens bestens aus. Irgendwann entdeckte ich auch, dass sie die Facebookgruppe „Portal für Leser, Autoren, Blogger, Grafiker“ administriert, zusammen mit Scully van Funkel , Elsa, einigen Mitgliedern, die nicht mehr dabei sind und anderen, die neu hinzugekommen sind.

Mehr zum Tag der unabhängigen Autoren im Blog von Wolfgang Schwerdt

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Werkstatt erzählendes Sachbuch

Vom Leben zur Geschichte
Werkstatt erzählendes Sachbuch: Biographien
3. bis 5. April 2011 in der Bundesakademie Wolfenbüttel

Die drei Tage in der Schünemann’schen Mühle waren informativ, intensiv und motivierend. Vierzehn Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich waren angereist mit ihren jeweiligen Biographieprojekten. Protagonisten aus mehreren Jahrhunderten wurden lebendig. Wer kennt zum Beispiel Fanny von Arnstein, Ulrich Müther oder Robert Lax? Neben in beeindruckender Weise dargebotenen Informationen und Denkanstößen gab es Schreibaufgaben, die es in sich hatten. Da kam wohl mancher an seine „Schmerzgrenze“ bei der Auseinandersetzung mit Fragen wie:

‚Was macht mein Projekt im Kern aus?‘, ‚Warum schreibe ausgerechnet ich diese Geschichte?‘, ‚Was macht sie aktuell?‘

Anhand eines Berichtes über seine eigene Publikation „Jurek Becker“, erschienen in der Reihe Suhrkamp BasisBiographien, zeigte Moderator Dr. Olaf Kutzmutz einige Facetten der Arbeit, von der Recherche über Strukturierung und Dramaturgie bis zu Verhandlungen und Zusammenarbeit mit einem Publikumsverlag.

Einige erfolgreiche, zum Teil aktuelle Biographien wurden daraufhin untersucht, ob und wie die jeweiligen Autoren es schaffen,
mit dem Anfangskapitel ihre Leser in die Lebensgeschichte des Protagonisten hineinzuziehen. Die anschließende Aufgabe, einen Einstieg für das eigene Projekt zu schreiben, mit dem genau das gelingt, war dann eine echte Herausforderung, für mich mit nachhaltiger Wirkung.

Und so beschäftigen mich mehr als zuvor die Fragen:
Wo liegen die besonderen, einzigartigen Knackpunkte dieses Lebens, das ich darstellen will?
Wie packe ich meine Leser gleich zu Beginn?
Und wie halte ich sie am Text ohne mit historischen Daten und Fakten zu langweilen?

Theoretische Hilfe: „Poetik des Faktischen – Vom erzählenden Sachbuch zur Doku-Fiktion“ Werkstattgespräche zusammengestellt von Annett Gröschner / Stephan Porombka (Hg.) bei „Klartext“

Mehr dazu auf meiner Homepage: www.renatehupfeld.de

Ermutigt zu einer zügigen Fortsetzung meiner biographischen Arbeit zu „Theodor Althaus“ im Anschluss an eine Anthologie mit Texten dieses Vormärzautors heißt nach den Wolfenbütteler Erfahrungen und Erkenntnissen das Motto:

WEITERMACHEN!!!!!

Und das habe ich dann ja auch gemacht, sodass im November meine erzählende Biografie als Print- und E-Book erscheinen konnte:

Theodor Althaus – Revolutionär in Deutschland

Mehr zu Workshops in der Bundesakademie Wolfenbüttel: Kleine Menschen in der Stadt

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Sie nannten es Arbeit

… und haben bewiesen, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Im Jahre 2006 mit roter Irokesenfrisur auf dem Blauen Sofa? Das war schon etwas Besonderes. Sascha Lobo wurde auf keinen Fall übersehen, als er zusammen mit Holm Friebe durch die Gänge der Messehallen eilte, obwohl ihn derzeit wohl kaum jemand kannte. Inzwischen gibt es kaum jemanden, der ihn nicht kennt. Und ich finde, das ist einen kleinen Rückblick auf meinen ganz persönlichen Bericht vom Gespräch mit der Moderatorin Miriam Böttger auf der Frankfurter Buchmesse 2006 wert:

„Digitale Bohème auf der Frankfurter Buchmesse

Sie gehören einer „seltsamen“ Firma namens „Zentrale Intelligenz Agentur“ an, sind mit ihrer Website Riesenmaschine.de Grimme Online Preisträger und sie haben ein Buch geschrieben, mit dem sie es geschafft haben, in der Reihenfolge zwischen Claudia Roth und Tom Buhrow auf dem blauen Sofa zu sitzen. Holm Friebe und Sascha Lobo, zwei Anfangdreißiger aus Berlin. „Wir nennen es Arbeit“ ist der Titel ihres Buches. Im Untertitel wird stichwortartig aufgezählt, um was es in diesem Werk geht: „Die Digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung“.
Wie bei der historischen, die sie „analoge Bohème“ nennen, definieren sie den Begriff „digitale Bohème“ als eine bestimmte Form der Arbeit außerhalb der klassischen Strukturen an urbanen Orten im privaten und halböffentlichen Raum. Kurz gesagt und auf die heutige Zeit bezogen, das tun, wozu man Lust hat und dabei mit Hilfe des Internets noch ein bisschen Geld verdienen.
Mit dem Buch sollen zum Beispiel der „Generation Praktikum“ Alternativen aufgezeigt werden zum vierten Versuch, wenn man nach drei Praktika immer noch keinen Job hat. Stichwort Festanstellung: Die nennen sie eine „schleichende Krankheit“, über die man nichts Genaues weiß, außer dass man auf einem Bürostuhl herumsitzt und mit einem Schmerzensgeld namens Gehalt entlohnt wird. Festanstellung liefert keinesfalls Sicherheit. Die Autoren verweisen auf Siemens und BenQ.
Für die neue Form der selbstbestimmten Arbeit, wie sie die „Zentrale Intelligenz Agentur“ praktiziert, sind die Mindestanforderungen auf drei Gegebenheiten reduziert: gemeinsame Website, gemeinsame Steuernummer und das Programmieren intelligenter Tools wie die Riesenmaschine. Die Firma operiert nicht mit Angestellten, sondern mit Agenten und inoffiziellen Mitarbeitern. Teure Büroräume stören nur, Arbeitsorte können überall dort sein, wo es W-LAN gibt. Produktionswerkzeuge im klassischen Sinne liefert das Internet, ebenso Vertriebswege und Kommunikation.
Kann man die provozierenden Statements als Kapitalismuskritik einordnen? Im Gegenteil, sagt Sascha Lobo, er ist Werbetexter und müsste sich ja in der Mitte durchschneiden, obwohl die Schnittmarke auf seinem Kopf darauf hinweisen könnte. Dabei zeigt er auf seine rot gezackte Irokesenfrisur. Nein, mit der bestehenden Wirtschaftsordnung gehen sie durchaus konform und können ihre Arbeit in diesem System integrieren, Schnittstellen finden, ergänzt Holm Friebe. Doch einen besseren Kapitalismus stellen sie sich vor. Einen, der freies und selbstbestimmtes Arbeiten, wie sie es sich vorstellen, besser fördert. Zu beklagen ist die mangelnde Berücksichtigung ihrer Ideen in bestehenden Programmen von Interessengruppen und politischen Parteien. Daran müsse man noch arbeiten, ohne jetzt jemanden „zur Sau“ machen zu wollen.
Und wie sieht es mit Solidarität untereinander aus? Die gibt es unausgesprochen. Die Anzahl derer, die zur „digitalen Bohème“ gezählt werden können, ist weitaus größer als siebzehn Leute in Berlin Mitte. Die typische Szenerie findet man zum Beispiel auch in einem Café in Hamburg oder Zürich, wo Leute mit ihren Laptops sitzen, wie der Theaterregisseur aus Island, der Werber aus Berlin und einer, der in seinen Blog schreibt.
So kann intelligentes Leben und Arbeiten jenseits der Festanstellung aussehen. Für viele rätselhaft. Eine Utopie? Die Zukunft der Arbeitswelt wird es zeigen. Ungewöhnliche Wege gehen ist auf jeden Fall besser als jammern.“

Mehr dazu auf meiner Homepage:

Digitale Bohème auf der Frankfurter Buchmesse

Frankfurter Buchmesse 2006

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„Gedanken zur Weihnachtszeit“

Anders als alles, was ich bisher zum Thema Weihnachten gelesen habe, begegnet mir das vor einigen Tagen herausgekommene Print- und E-Book „Gedanken zur Weihnachtszeit – Ein gemeinnütziges Projekt der Facebook-Gruppe Portal für Autoren, Leser, Blogger, Grafiker zu Gunsten bedürftiger Kinder“. Die Beiträge der 52 Autoren haben mich in ihrer Vielfalt und unverschnörkelt belassenen Darstellung beeindruckt und berührt. Jenseits von Kommerz, Klischee und Kitsch bekomme ich Traditionen und Träume, den Duft von orangenem Zimt, erlebe schmerzliche Erinnerungen an Menschen, die gegangen sind, und schöne an Kindertage mit Überraschungen unter Lichterbäumen.
Da sind die Gedanken zum Weihnachtsfest verdichtet in Reim und Haiku, das selbst geschriebene Weihnachtslied, der Wunschzettel nach mehr Zeit zum Spielen, Lachen, Leben, Lieben und Weinen, Erzählungen von kleinen Katastrophen, Einsamkeit und glücklichen Begegnungen. Ich bin bei der Arbeit des Rentiers und dem Weihnachtsmann dabei, bange und tanze mit den Tieren im Wald und folge dem Stern über Betlehem. Wie Kobold, Drache, Kitz und Mandarinchen, das eigentlich eine Orange sein wollte, werden alle getröstet.
Dieses Buch ist eine wahre Schatzkiste von Gefühlen und Gedanken gegen die Traurigkeit. Alle Texte atmen die Sehnsucht, in dieser einen wundersamen Nacht friedlich in Liebe beisammen zu sein wie Paul und Mariposa.

Trailer zum Buch

Printbuch

E-Book

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