Aktionstag Nachhaltigkeit

Das ist die Jugendkirche im Martin-Luther-Viertel in der Hammer City. Im hellen freundlichen Innenraum gab es Samstag ein ganz besonderes Event, veranstaltet von Tina Chrissie und Katrin Burghardt. „Aktionstag Nachhaltigkeit – come in and probier aus!“ war das Motto. Es ging um umwelt- und ressourcenschonendes Verhalten, kurz gesagt um Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen.

An einzelnen Stationen, wie der von FUgE (Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung e.V.), konnte ich mich informieren und an anderen selbst ausprobieren. Sehr eindrucksvoll das Plakat zur Pyramide des nachhaltigen Konsums von „Nutze, was du hast“, „Repariere, was du hast“, „Mach selber“, „Leihe aus“, „Tausche“, „Kaufe gebraucht“ und erst ganz zum Schluss „Kaufe neu“ sowie die Checklisten für Bad und Küche. Einige Beispiele wurden gleich auf dem Tisch präsentiert sowie an einzelnen Stationen demonstriert.

Handy kaputt oder ein anderes Elektrogerät? Das Hammer Repair Café zeigt, wie man es ggf. reparieren kann. In der Nähecke wurden Brotbeutel, Taschentücher, Watteersatzpads, Spüllappen aus Stoffresten genäht, am Bügeltisch vegane Wachstücher hergestellt, um damit Frischhaltefolien zu ersetzen und beim Open Globe Kleidungsstausch konnte jeder Sachen mitbringen und/oder mitnehmen.

Ein ganz großes Plus der vielseitigen Angebote war, dass man mal gemütlich mit Kaffee und veganem Kuchen vom Mitbringbrunch Pläuschchenpause machen und später oben auf der Galerie noch mal alles auf sich wirken lassen und mit Getränken so richtig chillen konnte. Es war ein rundum gelungenes Event in der Hammer City!!!!!

„Aktionstag Nachhaltigkeit – come in and probier aus!“ am 7. März 2020 in der Jugendkirche im Martin-Luther-Zentrum Hamm

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Kölnpanorama

Wenn man in Deutz am Rheinboulevard steht, hat man über den großen Strom hinweg ein unvergleichliches Panorama mit Fischmarkt, bunten Stapelhäuschen, Groß St. Martin, zwei Türme der einzigartigen Kathedrale, der Hohenzollernbrücke mit unzähligen Liebesschlössern und den unaufhörlich in beide Richtungen über sie hinweg gleitenden Züge. Ich muss es immer wieder fotografieren, bei Tag und Nacht.

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Die Heinzels

„Wie war in Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem.“ Das war vor mehr als 200 Jahren. Nachdem die neugierige Schneidersfrau Erbsen gestreut hatte, verschwanden die fleißigen Männchen aus Köln. Die Regisseurin Ute von Münchow-Pohl hat sie jetzt aus ihrer unterirdischen Welt zu den Menschen zurückgebracht, das heißt in die Kinos. „Die Heinzels. Rückkehr der Heinzelmännchen“ ist ein herrlich unterhaltsame Animationsfilm für Kinder und Erwachsene.

Das quirlige Heinzelmädchen Helvi und ihre Freunde erobern unsere Herzen im Sturm. Zu schön, wie die winzigen Zipfelmützen in die Menschenwelt tippeln, in der Rakete um den Kölner Dom herumfliegen, sich nicht unterkriegen lassen und die bankrotte Bäckerei von „Stinkstiefel“ Theo nach dem Motto „Wir heinzeln das“ wieder auf Vordermann bringen. Empfehlung für Film und Buch!!!!!

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Autofasten 2020 und Critical Mass

In Hamm begann die Aktion „Autofasten 2020“ mit ungefähr 40 Teilnehmern, Bannern, Plakaten, Infotafeln, Flyern und einem 6-köpfigen Bus aus Stoff am 28. Februar 2020 um 14 Uhr vor dem Hauptbahnhof. Alle wollen sieben Wochen lang möglichst oft das Auto stehen lassen und zu Fuß, per Rad, Bus oder Bahn mobil sein, d.h. jede Menge CO2 einsparen, somit etwas für das Klima, die Gesundheit, den Geldbeutel und ein Klimaschutzprojekt in Tansania tun.

Anschließend fand die Critical Mass statt, bei der ein Fahrradconvoi eine schöne Strecke durch die Hammer Innenstadt auf die Aktion aufmerksam machte und darauf, dass die Straße nicht allein den Autofahrern gehört. Die Critical Mass Hamm findet jeden letzten Freitag im Monat statt, die nächste am 27. März 2020, dann wieder um 19 Uhr vor dem Heinrich-von-Kleist-Forum.

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Rosenmontag 2020 in Köln

Der Kölner Dom lässt die Turmspitzen hängen, dicke Tränen rollen über sein Gesicht. In den Händen hält er ein großes rotes Herz. „Uns Hätz schleiht för Hanau“ steht darauf. Noch keine Woche ist seit dem schrecklichen Blutbad in Hanau vergangen. Ein rassistisch verblendeter Attentäter tötete gezielt junge Menschen, die in Deutschland eine Heimat gefunden hatten, zum Weinen traurig. R.I.P. Ferhat (22), Gökhan (37), Hamza (20), Said (21), Mercedes (35), Sedat (30), Kaloyan (33), Fatih (34), Vili (23). Unfassbar! Warum hat er das getan? Woher kommt der Hass? Können wir überhaupt feiern? Das fragen wir uns, die wir mit all den friedlich feiernden Menschen am Straßenrand in der Kölner Südstadt stehen. „Karneval ist bunt, nicht braun“, erklärt Zugleiter Holger Kirsch der Presse, das heißt für mich klare Position gegen Faschisten, für Toleranz und Liebe.

So lassen wir den weinenden Dom vorbeiziehen und freuen uns über das Sessionsmotto „Et Hätz schleiht em Veedel“, dem schönen Wagen mit einem stolzen Dom aus lauter goldenen Heinzelmännchen und einer Landkarte, auf der alle Kölner Veedel eingezeichnet sind, gefolgt vom mächtigen roten Doppeldeckerbus, von dessen Oberdeck die wohl berühmteste Kölner Band mit Musik und Kamelle das Karnevalsvolk begrüßt „50 Jahre Bläck Fööss“.

Nach einer Parade von „Holzköpp“, die die Welt anzünden, ahnen wir schon, dass weitere politische Motivwagen folgen, zumal einige Beben der vergangenen Monate reichlich Inspiration hergaben. Ein Präsident mit orangener Haartolle begegnet uns als fies grinsender Clown „Es“, ein zweiter steht in Siegerpose mit Streichholz hinter dem Ohr auf abgebranntem Regenwald, eine Reihe verkohlter Sambatänzerinnen hinter sich herziehend und ein dritter als Skelett mit orangenem Schopf am Rednerpult „Brexit“ vor einer Gruppe von Skeletten. Schön bissig auch der nach zwei Würsten namens „Hetze“ und „Hass“ lechzende Dackel, ein Ehrenvorsitzender und ein Ministerpräsident für einen Tag auf ihm reitend, im Schlepptau hat er ein kippendes Grundgesetz und die Frage „Wat bliev dann hück noch ston?“

„Straße verstopp, Bröcke kapott“. Wie kommt man nun „vun Düx noh Kölle“? Nun, da hat sich eine Gruppe aus den Schull- und Veedelszöch den Originalitätspreis verdient. Gondeln sind die Lösung, jede für sich fein gestaltet und bemalt. Die kann man sich über die Schultern hängen oder auf Räder stellen und loslaufen, zum Beispiel über die Hohenzollernbrücke. Da braucht man weder Pferde noch stinkende Motoren und steht niemals im Stau. „Kölle for Future“. In diesem Sinne schauen wir langsam auf das grande Finale, Ehrengarde, Fanfaren- und Trommelgruppen, Tanzpaare, bei denen der Mann die Frau hoch auf die Schulter hievt, Bauer Frank, Jungfrau Griet, Prinzengarde und schließlich Prinz Christian II. hoch oben auf prunkvollem Wagen. Ach ja, noch ein Bonbon ganz zum Schluss, das Sessionsmotto für 2021: „Nur zesamme sin mer Fastelovend“.

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Top Jeck 2020 am Tanzbrunnen

Seit elf Jahren gibt es diese Band um den Sänger und Songwriter Micha Hirsch. Auch in diesem Jahr waren sie an Weiberfastnacht auf der Radio Köln Bühne am Tanzbbrunnen wieder mit dabei. Und sie hatten sogar einen ganz besonderen Erfolg zu feiern: die Hörer von Radio Köln hatten ihren Sessionssong „Veedel“ zum Top Jeck 2020 gewählt.

Außer ihrem Veedel hatten sie „Mir stonn Kopp“ und „Wenn de Sunn objeit“ im Gepäck und natürlich ihren berühmten „Haifischzahn“ für ein kleines Lachen und großes Mitsingen. Gratulation an diese feine Band. Mal reinhören?
Wenn de Sunn objeit I
Wenn de Sunn objeit II
Mir stonn Kopp
Haifischzahn
Veedel

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Leslie Sternenfeld in Münster

Fast wären wir vorbei gelaufen am „kleinen Bühnenboden“ in Münster, denn der liegt versteckt hinter einem Durchgang und davor auf der dunklen Straße ein Plakataufsteller: Sonnenumstrahlter Leslie Sternenfeld und sein Programm „Das liegt alles am Wetter, mein Sonnenschein. Heiter bis windiges Musikkabarett“. Hört sich gut an und wird getoppt von der facettenreichen Vorstellung des quirligen kleinen Mannes mit grünem Knopfhemd. „Schon schön…“, wie er sich gleich beim ersten Ton in unsere Herzen schleicht, uns mit Floskeln wie „Frisch heute…“ und „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte…“ über uns selbst lachen und mit Carells Sommerhit aus den 70ern mitsingen lässt. Lachflash, wenn Leslie die prächtig glänzende Werbespotmähne auf unbehaartem Haupt in die Luft wirft und schüttelt. Aber auch Mucksmäuschenstille, wenn seine „Geliebte“ wie eine schillernd bunte Fee über dem Regenbogen schwebt.

Die zwei Stunden waren Unterhaltung vom Allerallerfeinsten.
„Der kleine Bühnenboden“ in Münster am 14. Februar 2020

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Lebensmenschen

Sicherlich haben die Kuratoren sich was dabei gedacht, als sie das 1901/02 entstandene Bild „Helene im spanischen Kostüm“ gleich am Anfang der Ausstellung „Lebensmenschen. Alexey Jawlensky und Marianne Werefkin“ im Kunsthaus des Lenbachhauses platzierten. Helene war 16 Jahre alt, sechs Jahre zuvor mit der russischen Malerin Marianne von Werefkin als deren Dienstmädchen nach München gekommen und, als das Bild entstand, schwanger. Mit dabei war Alexey von Jawlensky, Mariannes Malschüler und wohl auch Geliebter, sie um die vierzig, er vier Jahre jünger.

Sie wohnten zusammen in einer geräumigen Wohnung in der Giselastraße, die sie sich aufgrund von Mariannes großzügiger Rente aus Russland leisten konnten. Nach München gekommen waren sie, weil sich hier angesagte Künstler trafen, austauschten und miteinander feierten, auch in Mariannes Salon, denn sie und Jawlensky gehörten schon bald dazu. In der Giselastraße begegneten sie dem ausdrucksstarken Tänzer Alexander Sacharoff, den beide malten, sowie Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, einem Künstlerpaar, mit dem zusammen sie im Sommer 1908 in Murnau am Staffelsee zur farbstarken expressiven Malweise fanden. Gabriele Münters Bild „Jawlensky und Werefkin“ entstand in diesem Murnauer Kunstsommer, dem Ausstellungen und Publikation der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“ folgten.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 brachte eine Wende in die hoffnungsvolle Laufbahn vieler Expressionisten. Einige blieben auf dem Schlachtfeld, wie Franz Marc und August Macke, andere hörten auf zu malen oder emigrierten. Werefkin und Jawlensky, inzwischen zu viert, mussten München verlassen, zogen nach Wegfall von Werefkins Rente mit knappen finanziellen Mitteln in die Schweiz, arbeiteten in Ascona weiter und zählen heute zur Avantgarde des Expressionismus, deren beeindruckendes Werk die Besucher der Ausstellung in München und danach in Wiesbaden facettenreich erleben dürfen. In der Architektur des schlauchartigen Raumes im Kunstbau erscheint die Galerie von Jawlenskys Köpfen schier endlos bis hin zu den abstrakt mystischen Gesichtern und wegen rheumatischer Erkrankung mühsam entstandenen letzten Werke.

Das Jahr 1921 brachte nach fast 30 Jahren Zusammenleben und -arbeit die Trennung des Paares, geschuldet wohl auch den Verwicklungen mit Helene, dem Kind und Jawlensky, der nämlich der Vater war. Jawlensky ging nach Wiesbaden und heiratete Helene. Marianne blieb bis zu ihrem Lebensende in Ascona und schuf Bilder, die mich betroffen machen, weil ich beim Betrachten ihren Schmerz und ihre Einsamkeit fühle und mir gleichzeitig angesichts der Ausdrucksstärke der Atem stockt, wie beim im Jahr der Trennung entstandenen Bild „Der KreuzwegII“.

Kunstbau beim Lenbachhaus in München am 1. Februar 2020

Kandinsky und Münter im Lenbachhaus

Gabriele Münter im Ludwig

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Wenn wir von Faschismus reden

Was ist überhaupt Faschismus? Nach einer Definition suchend finde ich Begriffe wie rechtsextrem, rassistisch, fremdenfeindlich. Vom starken und schwachen Ich ist die Rede, von Vorurteilen gegenüber Minderheiten, Menschen als minderwertig ansehen, um sich selbst überlegen zu fühlen, Verleugnung von Realitäten und Machtphantasien mit dem Ziel, demokratische Strukturen auszuhöhlen und per Machtergreifung und Gleichschaltung einen Führerstaat zu schaffen. Wie viel unfassbares Leid Faschisten in der Vergangenheit über Millionen Menschen gebracht haben, dokumentieren schockierende Bilder, Fotos und Texte in Vespignianis Buch. Ich erinnere an den fatalen Weg des Faschismus in Deutschland von 1933 bis 1945: Machtergreifung, Gleichschaltung, Judengesetzgebung, Verfolgung von „Staatsfeinden“, Krieg, Deportation, Massenmord.

Faschistische Abgründe in unserem Land erleben wir täglich: Ausländerfeindliche Schmierereien im öffentlichen Raum, Parolen bei Demos, in den Medien, wenn ein arabisch aussehendes Kleinkind von seinem Dreirad getreten, eine muslimische Schwangere mutwillig mit dem Auto angefahren wird, sowie Hetze und Morddrohungen im digitalen Netzwerk. Nicht zu vergessen das Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße, der Mord an einem türkischen Kioskbesitzer in der Dortmunder Nordstadt und das blutige Attentat auf eine Synagoge in Halle.

Bleibt nach der Thüringer Farce am 5. Februar 2020 die Frage:
War da ein Hauch von Machtergreifung, wenn der Ministerpräsident in Absprache mit einer von einem Faschisten geführten Gruppierung gewählt wurde?

Historisches für die politische Bildung:
Renzo Vespignani, Faschismus, Elefanten Press bei Zweitausendeins (1976)
(erhältlich im Buchhandel)

Das Haus der Wannseekonferenz (20. Januar 1942)
Matthias Quent, Deutschland rechtsaussen, 2019 – Rezenzion
Wenn ihr die wählt… – Blogartikel
Ruhe gibt es nicht – Kurzgeschichte
Biedermann und die Brandstifter
Andorra. Vorurteile und Feindbilder

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Rund um das Sellamassiv

Nach Übernachtung in München geht’s über Inntalautobahn einschließlich Kufstein/Kiefersfelden, Europabrücke, Brenner, Pustertal, Bruneck, durch das Gadertal nach Corvara. Nur ein paar Kurven hoch nach Colfosco, beim Skipassbüro schon mal den Skipass holen. Der Superdolomiti für die letzte Januarwoche kostet anstatt 282 für Senioren nur 254 Euro. Na bitte! Im Appartment einchecken, auspacken und später beim Sportladen Head Super Joy leihen, Länge 148 cm. Am nächsten Morgen die orangene Hose überstreifen, kariertes Flanellhemd, in Ruhe frühstücken, Brot, Nüsse und Rosinen für unterwegs einpacken. Dann wird’s ernst, die blauweiße Columbiajacke (retro und immer noch schön!) überstreifen, Jacke und Hose bepacken: Portemonnaie in die linke Hosentasche, Sonnenschutz in die rechte, Superdolomiti in die linke Jackentasche, Lippenstift und Tempo in die rechte, Handy in die linke Innentasche, Proviant in die rechte. Fertig? Nein, nein!! Skischuhe, Helm mit Skibrille und Fleecehaube, Handschuhe packen, im Keller Füße in die mühsam geöffneten Skischuhe bugsieren. Spätestens hier denke ich, ich brauchte einen Knappen und erst recht dann, als ich Super Joy und Skistöcke unter den Arm klemme und die Treppe hinaufpoltere. Voilà! Ich wünschte mir die Außentemperatur ein bisschen kühler, vor allem beim Hochstapfen zum Skihang. Der Knappe würde jetzt die Skier tragen, sie mir schön parallel auf die Piste stellen und darauf achten, dass die Schuhe richtig in der Bindung sitzen. Okay, die erste Abfahrt geht bis zur Gondel, dann hinauf ins Edelweißtal, später Frara und Jimmi Abfahrt. Läuft.

Sonne auf dem Frühstückstisch heißt Sellarunde. Wir entscheiden uns für orange, also im Uhrzeigersinn. Mit „Borest“ hinunter nach Corvara, Boè Gondel hinauf, oben das gigantische Bergpanorama, zur Linken Colfoscos Hausberg Sassongher und ganz unten im Tal den Blick auf das Städtchen Corvara bestaunen, Foto machen und rasante Abfahrt nehmen hinunter zum Campolongo Pass. Da kommen Erinnerungen. Früher liefen hier zwei Tellerlifte parallel, ganz früher ein Ankerschlepper, heute bringt uns ein weich gepolsterter Sessel zum Bec de Roces. Dieses Plateau bringt mich immer wieder zum Innehalten und Schwärmen, so schöne Aussichten, wohin ich schaue. Und dann die Abfahrt hinunter nach Arabba, ein Traum. Früher musste man in tiefem Schnee oder Matsch mit geschulterten Skiern durch den Ort wandern und hochlaufen zu den Aufstiegsanlagen, heute können wir mit „Arabba Fly“ gemütlich im Sessel sitzend über den kleinen Ort mit der schönen Kirche schweben, oben ein paar Meter hinunter gleiten und eine von drei Möglichkeiten zur Sella Ronda orange wählen. Stichwort Porta Vescovo. Wir nehmen die Gondel hinauf, staunen immer wieder über den atemberaubenden Blick auf das Sellamassiv mit Boèspitze und die Bergketten Richtung Cortina.

Bei der Abfahrt gab es früher gefährliches Gewusel im buckelig verschobenen oberen Steilstück. Das hat sich mittlerweile durch die Alternative ein paar hundert Meter unterhalb entschärft, sodass viele Skifahrer auf der orangenen Sellarunde die Porta Vescovo aussparen und ein paar hundert Höhenmeter tiefer die Piste zum bequemen Sessel auf den Pass Pordoi nehmen. Auch hier Erinnerungen: Vor einigen Jahrzehnten war das eine popokalte klapprige Angelegenheit. Pünktlich um sechzehn Uhr wurde dicht gemacht, auch wenn man schon in Sichtweite war, über den Pass nach Canazei musste und kein Skibus mehr fuhr. Das bedeutete, zurück nach Arabba gleiten, Freunde anrufen, sich abholen lassen, derweil ein paar Stunden im Gasthaus Furgler warten und sich in grappalauniger Dunkelheit unzählige Serpentinen kutschieren lassen. Achim sei noch immer Dank dafür, Pizzaspende hatte er gleich in Canazei bekommen. Auf dem Pass Pordoi angekommen, heißt es erst wieder innehalten, hinaufschauen zum Sella, wo die Kabine steil auf das Plateau des Massivs führt, wir peilen aber den Sessel zum Belvedere an, schöne Aussicht. Runterflitzen, mit Superdolomiti durch die Schranke schieben, einsteigen und oben ankommen.

Direkt am Steilhang und etlichen Schildern erstreckt sich ein breites Panorama der Extraklasse, vor allem die einzigartige Langkofelgruppe in der Ferne und der Gedanke, da fahren wir jetzt hin. Ob das verhaltene Gewusel der Skifahrer und Beharren an der Kante dem Panorama oder der Angst vor der Falllinie geschuldet ist, frage ich mich jedesmal und stürze mich jedesmal auf der roten Eins in die Tiefe, auf Super Joys Kante vertrauend. Ach ja, Erinnerung: Vor Carverzeiten hatte man in so einem Hang richtig Mühe, die Kante zu finden und auf den Brettern zu bleiben. Aber man war ja ein paar Jahrzehnte jünger und steckte einen Ausrutscher oder sogar das volle Programm mit wegfliegenden Skiern, Stöcken und Gesicht im Schnee locker weg. Doch heute: bewahre mich! Rasant geht es weiter um das Massiv herum zu Lupo Bianco im Tal, hinauf mit Gondel, Sessel und Abfahrt zum Sella Pass.

Das heißt für uns einkehren im großzügig modernisiertem Sellahaus, das wir aus früheren Zeiten als Hütte kennen. Zwei Drittel der Umrundung sind hier geschafft. In einer langen Abfahrt gleiten wir zur Treppe mit unendlich vielen Stufen zum Sessel in Wolkenstein, um weiter zur Gondel hinauf zu Dantercepies und von dort hinunter zum Grödnerjoch zu kommen. Nachdem wir diese vier Pässe, Campolongo, Pordoi, Sella, Grödner, absolviert haben, geht es schattig kühl, zum Teil eisig, zum Teil verschoben unterhalb der Frara Gondel bis zum Edelweißtal. Um elegant das heißt mit wenig Steigung, zurück zum Apartment zu kommen, nehmen wir die Gondel, fahren hinunter nach Colfosco, schwingen nach der Brücke gleich ab auf die Wiese und das wars dann für heute mit Ski fahren, nur noch Super Joy nach Hause tragen.

Nach nächtlichem leichtem Schneefall und leicht nebliger Sicht heißt es am nächsten Tag, langsam angehen lassen. Edelweißtal mit Forcelles, Frara zum Grödnerjoch, Abfahrt zurück nach Colfosco, die wir Jimmi Abfahrt nennen, weil sie direkt unterhalb der Jimmi Hütte beginnt. Das machen wir ein paar Mal und haben am frühen Nachmittag auch unsere 30 Pistenkolometer absolviert.

Sonne pur heißt, nun die Sella Runde entgegen des Uhrzeigers, also grün, angehen. Das Schöne ist: In Colfosco sind wir nur ein paar Fußminuten von der Tour entfernt. Also gleich zum Sessel, der uns an die Frara Gondel und mit der zur Jimmi Hütte und Abfahrt zum Grödnerjoch bringt. Kurze Abfahrt zum Sessel und weitere hinunterfahren und zwei Sessel nach Dantercepies nehmen. Auf dieser Höhe ist auch wieder innehalten angesagt, grandiose Aussicht und immer wieder der Langkofel, von mir gerne der Lange genannt, den wir schon zwei Mal umwandert haben. Die lange Dantercepies Abfahrt bringt uns bis hinunter in die Ortsmitte von Wolkenstein.

Blödes Gewusel im tiefen Schnee an der Hauptstraße, diese überqueren, zur Gondel laufen in die Schlange stellen und abheben über den Ort hinauf nach Ciampinoi. Wieder Aussicht vom Feinsten und oberes Steilstück mit Tendenz zum Beharren an der Kante, wieder auf Kanten der Carver vertrauen, in die Tiefe stürzen und bis hinunter nach Plan de Gralba sausen, mit der feinen neuen Gondel, wo früher ein Sessel war, hinauf und mit weiterem Sessel bis zur Einfahrt in die Steinerne Stadt. Nach dieser kommen wir direkt wieder auf den Sella Pass und fahren gleich weiter hinunter bis zur Gondel Lupo Bianco und erst Mal schöne Pause mit Pasta, Pommes und Salat. Gestärkt geht’s hoch zum Belvedere Sessel und da sind wir wieder auf der Anhöhe mit Blick auf Pordoi Pass und Sellamassiv. Ein bisschen Arbeit haben wir noch vor uns. Erst mal lange Abfahrt hinunter zum Sessel und kurze bucklige Piste zum Ziehweg zum Arabba Fly, hinunter zum Burz Sessel, hinauf zum Bec de Roces und hinunter zum Campolongo Pass. Zügig kommen wir dem Ziel näher, zunächst auf der Piste entlang der Sesselbahn, dann wieder Sessel hinauf und lange Abfahrt nach Corvara. Der Borest bringt uns zur Edelweißgondel, die wir wieder nehmen und nach der Abfahrt elegant über die Wiese den Hang verlassen.

Nachdem am fünften Tag bei strahlendem Sonnenschein zu einer weiteren Sellarunde orange lockte, gehen wir den sechsten und letzten Skitag wieder etwas ruhiger an. Langweilig wird’s nie in der Umgebung von Colfosco und Grödnerjoch. Ohne große Anstrengungen sind die faszinierendsten Eindrücke erreichbar: Edelweißtal, Forcelles, sonnige Terrasse der Forcelles Hütte, Col Pradat, Frara, Jimmi Abfahrt, immer wieder Päuschen für schöne Fotos, als könnten wir diese Schönheiten mitnehmen. Ja, sie werden uns fehlen, die weißgepuderten Felsen mit Zauberzacken, die mächtigen Riesen, allen voran Sassongher und Langkofel, das legendäre Mittagstal und der Eiswasserfall im Sellamassiv und der blaue Himmel.

Walters Tracks und Renates Videos:

Sella Runde grün am 29. Januar 2020

Sella Runde orange am 30. Januar 2020

Edelweiß, Jimmi Hütte am 31. Januar 2020

Inntal Autobahn bei Radfeld am 25. Januar 2020

Edelweiß Gondelbahn am 26. Januar 2020

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