Moselradtour von Trier nach Koblenz

Unsere Moselradtour beginnt am Hammer Bahnhof mit der Fahrt im RE 7 über Wuppertal, Zwischenstation im Kölner Hauptbahnhof und Weiterfahrt mit dem Eifel Express ganz gemächlich von Örtchen zu Örtchen nach Trier, wo wir an dem Tag noch genügend Zeit haben, uns die historische Stadt anzuschauen. Fußgängerzonen, unterm Sonnenschirm Mango- und Himbeereis schlecken und uns auf einige der zahlreichen römischen Spuren begeben, Porta Nigra, Kaisertherme und Amphitheater, alles zwar bereits geschlossen, jedoch noch einiges zu sehen. Vom B&B Hotel in Bahnhofsnähe geht es am nächsten Morgen auf den Rädern durch die Altstadt zur Mosel und über die Römerbrücke auf die linke Moselseite, dort den schönen Radweg meistens in Ufernähe über Pfalzei, Ehrang und Quint bis zur Pause auf der Terrasse des Restaurants neben dem historischen Fährturm am Moselufer in Schweich. Hier überqueren wir wieder die Mosel, fahren rechtsmoselig weiter durch Longuich und Riol, zweite Pause an der Schleuse in Detzem, Umrundung der Trittenheimer Moselschleife und über eine Brücke in das beschauliche Örtchen Trittenheim. Rote Beete Burger mit Salat, gebratenen Champignons und Pommes gibts in der Brückenschänke, wo wir gerade noch vor einem heftigen Regenguss von der Terrasse an einen Tisch drinnen umgezogen sind. Nach Regen und Mahlzeit noch ein fußnasses Gängelchen zur Brücke mit den historischen Zolltürmen, abendlicher Blick zur Moselschleife, die hier eine kleine Halbinsel bildet und dann zur Übernachtung im Hotel „Galerie Riesling“.

Weiter auf römischen Spuren geht es am nächsten Tag rechts der Mosel nach Neumagen-Dhron. Der Ort gilt nach ausgiebigen Funden einer römischen Ansiedlung samt Kastell und Grabmonumenten als „ältester Weinort Deutschlands“, weil hier schon vor all den Jahrhunderten ausgiebig und kompetent Weinbau betrieben wurde. Begehbarer Zeuge ist ein nachgebautes römisches Weinschiff unten in einem kleinen Hafen. Zurück auf dem Radweg überqueren wir nach ein paar Kilometern eine Brücke und finden linksmoselig im Dörfchen Piesport eine historische römische Kelteranlage, gerade geschlossen, aber man kann gut hineinsehen und Info gibt’s auch. Danach geht’s aber gleich wieder auf den linksseitigen Radweg über Wintrich, Filzen, Brauneberg, Mülheim an der Mosel, Anden nach Bernkastel-Kues. Touristisches Gewusel, das heißt durchgehen und ab auf’s Fahrrad zum Örtchen Graach! Da lässt es sich doch in Ruhe auf einer Bank die Rucksackschätze rauskramen. Danach die Mosel überqueren, in Wehlen einer Schleuserei zuschauen mit Blick auf unser nächstes Ziel: Zeltingen. Zum letzten Mal heute die Mosel überqueren und ein paar Meter an der Uferstraße fahren zum Einchecken im Veganhotel Nicolay, unser „veganes Zuhause“, in dem wir schon an einigen Silvester Arrangements teilgenommen haben. Abends dann ein von Johannes Nicolay gezaubertes leckeres Menü mit Zwiebelsuppe, Gebackenem (wie Backfisch) mit verschiedenen Beilagen, Weincreme. Danach noch ein Gängelchen in den Weinberg hoch oben über dem schönen Moselort und hinunterblicken auf den Zeltingen mit der schönen Kirche und die Mosel.

Am nächsten Morgen radeln wir die Uferstraße zurück, unterqueren die Brücke, über die wir gestern von Wehlen gekommen sind und die gigantische umstrittene Hochmoselbrücke über das ganze Tal und bleiben etliche Kilometer auf dem schönen Radweg rechts der Mosel. Mit Blick auf den „Kröver Nacktarsch“ Weinberg auf der gegenüberliegenden Seite führt der Weg zum Örtchen Wolf, gottlob mit Bank im Schatten, denn es ist ein heißer Tag. Warum die Weinsorte „Kröver Nacktarsch“ heißt, lese ich im BikeLine. Von den möglichen Erklärungen gefällt mir am besten die, dass Götz von Berlichingen am Tröpfchen vom Kröver Weinberg Gefallen gefunden und somit für den Namen Pate gestanden hatte. Bei Koppelberg wechseln wir wieder die Moselseite und da kommt auch schon die Starkenburg oberhalb von Traben-Trabach in Sicht. Schattenplätzchen finden, ein bisschen abdampfen und weiter, denn Fahrtwind ist gut gegen Hitze. Wir bleiben linksmoselig, durchqueren die Örtchen Kövering und Reil, umrunden die nächste Moselschleife und sehen am gegenüberliegenden Ufer Pünderich und später Briedel, unser nächstes Übernachtungsziel, zu dem eine Fähre führt. Wir fahren aber erst mal nach Zell und haben von der Brücke in den Ort wieder einen Weinberg mit Legende vor uns. „Zeller Schwarze Katz“ hat seinen Namen von einem zähen Verkaufsgeschehen im Weinkeller. Weil ein potentieller Käufer vor lauter Probieren gar nicht zum Abschluss kam, ließ die Weingutsfrau den schwarzen Kater los, der auf das Weinfass sprang und mit Fauchen, Krallen ausfahren und Buckel die Probiererei beendete. Nun aber erst mal Zell, in der Fußgängerzone schönes Schattenplätzchen mit Thaicurry beim AsiaImbiss finden, die kurze Strecke nach Briedel radeln, dann im Gästehaus des Weinguts Nahlbach einchecken. Trotz Hitze gehen wir steil hoch zu Kirche und Friedhof und staunen über den Panoramablick. Bandnudeln mit Spinat, Tomaten und Sommertrüffel und gefüllte Paprika gab’s dann auf der Terrasse vom freakig schönen Restaurant „Korkenzieher“.

Vierte Etappe: Die ersten Kilometer führen uns wieder um die Moselschleife herum die Holperstrecke, jedoch heute früh ohne Gegenverkehr, nach Zell, wo wir an der rechten Moselseite bleiben und in Bullay an einer historischen Doppelstockbrücke für Eisenbahn und Autos zum Fotostop anhalten. Bis Neef bleiben wir auf dem Radweg rechts vom Fluss, fahren dann über über die Brücke linksmoselig über Bremm, Ediger-Eller und Nehren zum ultimativen Lookout Stop gegenüber dem hübschen Ort Beilstein mit Schiffsanleger für Ausflugsvoote und der Silhouette von Burg Metternich. Ein paar Kilometer weiter kommt die nächste Burg in Sichtweite, die Reichsburg hoch über Cochem. In dem hübschen Ort mit historischen Ecken ist gerade Kirmes und viel Hallas in Gassen und auf Plätzen. Wir suchen uns ein ruhiges schattiges Plätzchen zum Falafelteller in einem DönerImbiss, bevor wir über die Skaagerak Brücke auf die rechte Seite wechseln bis zum Ende des Radwegs. Eine Fähre nimmt uns mit den Fahrrädern hinüber nach Klotten. Etliche Kilometer geht’s auf dem Radweg links der Mosel im engen Tal entlang der B49 und Bahnlinie über Pommern nach Treis-Karden d.h. über die Brücke in den Ortsteil Treis, wo wir trotz E-Bike-Unterstützung ziemlich verschwitzt ankommen. Der Hochsommer hält sich seit Tagen, ist auch okay. Das Zimmer im Hotel Reis mit Moselblick ist schön kühl, da bleiben wir erst mal eine Weile, nachdem wir die Räder über eine Rampe in den Weinkeller geschoben haben. Dann wandern wir noch mal los zur Mosel und hoch auf den Marktplatz, wo es im Bistro kühle Getränke, Salat und lecker Eis gibt. Angenehm ruhig hier!

Fünfte und letzte Etappe unserer Moseltour. Wir sind auf der rechten Moselseite und bleiben da auch etliche Kilometer, tangieren die Orte Burgen und Brodenbach. Vor Alken wechseln wir auf die andere Seite und fahren linksseitig am Moselufer durch Kattenes und Lehmen nach Kobern-Gondorf, wo der Weg durch eine Burganlage hindurch führt. Ein paar Meter weiter stehen wir dann im Hof des Schlosses Liebieg. beliebt als Location für besondere Veranstaltungen wie Hochzeiten und Jubiläen, lese ich. „Wein – Kultur – Lebensfreude“ ist das Motto von Winningen, dem nächsten Ort am Moselradweg. Der führt dann eine lange Strecke mitten durch die Weinberge, rechts von uns die Bahntrasse, darunter die Straße und darunter die Mosel. Und schon radeln wir durch den ersten Vorort des Zieles unserer Etappe und der gesamten Tour, Koblenz-Güls. Je näher wir dem Ziel kommen, desto schneller werden wir. In Metternich überqueren wir die Kurt-Schumacher-Brücke, nähern uns entlang der Mosel der City von Koblenz und erreichen das Deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein fließt. Gefeiert wird mit Snacks und Getränk aus den Radtaschen, selbstredend unter Baumschatten am Konrad-Adenauer-Ufer.

Walters Tracks zur Moselradtour:
20. Juni 2019 Trier – Trittenheim
21. Juni 2019 Trittenheim – Zeltingen
22. Juni 2019 Zeltingen – Briedel
23. Juni 2019 Briedel – Treis-Karden
24. Juni 2019 Treis-Karden – Koblenz

Walters Moselschleuserei in Detzem

Auf Moseltour in Neumagen 2014

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Radtour von Hamm nach Dortmund

Unsere Radtour nach Dortmund beginnt im Hammer Norden über Kornmersch und Schutzdamm zur Radbodstraße. Überqueren kann man an einer Ampel südlich des Radweges. Entlang der Lippe geht es in Sichtweite über die weiße Brücke in Sichtweite der Halde Schacht Franz auf den Mitteldamm, unterqueren bei Bergkamen die A1 und weiter entlang des Kanals und der Marina Rünthe bis zum Kraftwerk Heil, das wir großräumig umfahren müssen, dann wieder am Kanal gegenüber der Bergehalde Haus Aden und Beckinghausen. Bei Lünen geht’s nach Überquerung der Kanalbrücke in den Seepark Horstmar, wo wir den Kanal verlassen und entlang einer Bahnlinie durch Lünen-Süd Richtung Derne radeln. Der Radweg entlang der Bornstraße führt uns nach etlichen Kilometern in den Stadtteil Dortmund-Eving.

Über ignorante Autofahrer, die auf dem eh schon bescheiden konzipierten Radweg ihr Monster parken, wundern wir uns schon gar nicht mehr, auch nicht über ein weißes Geisterrad an einer Einmündung. Beim Geradeausfahren nach links schauen, mit Rechtsabbieger rechnen heißt die Devise. Jenseits von Verkehrsberuhigung ist es nun in die Dortmunder Innenstadt nicht mehr weit.

Walters Track zur Tour: Hamm – Dortmund

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Udo Lindenberg in Köln

Lindenberg Time in Köln! Das heißt, vom Hotel am Neumarkt über Deutzer Brücke und Freiheit zur Kölnarena pilgern, sich durch die Menge an den Ständen rund um die Arena schieben, am Eingang Nord einchecken und im Unterrang 216 Reihe 14 Plätze 7 und 8 finden. Draußen brütende Hitze, drinnen kühles Lüftchen von hinten. Udo beginnt zehn Minuten später, weil rund um die Arena so viel los ist und er will, dass alle Leute mit Tickets die gesamte Show erleben. Also Leute, Stände verlassen und reinkommen. Tatsächlich werden die noch freien Plätze zügig besetzt, aus Sturm, Donner und Feuer taucht die Panik 1 aus dem wellenbrausenden Atlantik auf und spuckt lauter kleine Udos in die Halle. Der richtige kommt allerdings in seiner Raumkapsel direkt vom Himmel und die „Honky Tonky Show“ geht los, Panikorchester und Udo in Bestform. „Hallo Köln“ im Riesendisplay, die Arena tobt und wird von Udo kurzerhand umbenannt in „Exzess Arena“, kann man lassen, zumal Exzess Udo die Stadt mit Dom am Rhein zu seiner zweiten Heimat erklärt. Durchaus berechtigt, wenn er es schafft, an zwei Abenden hintereinander diese Halle vollzukriegen.

Vom fein geschminkten Livrierten auf dem Tablett ein Eierlikörchen für die Nachtigallstimme gereicht, dann kann’s losgehen durch die „schweren Zeiten“, aber auch die der Freude und Ausgelassenheit. „Mein Ding“, singt er und schon springen die ersten Zuschauer von den Sitzen und erst recht, als Kölns berühmte Kathedrale mit filigranen Fenstern das Bühnendisplay ausfüllt, Priester und Nonnen ausgelassen auf die Langbühne ins Publikum tanzen und der freche Udo meint, er könne die Herzen der stolzesten Frauen brechen. Nein, nein, sein Fazit ist okay: Weg von den religiösen Zwängen. Macht euch locker, heißt die Devise. Und dann, wie oft muss er das noch singen? Seit vierzig Jahren: „Wozu sind Kriege da?“ Ja, wozu und wer will die eigentlich? Greta und die Kids von #FridaysForFuture wollen nicht Krieg, sondern Panik, ja, Panik angesichts unserer Dreckswelt mit plastikverseuchten Meeren und Klimakatastrophen. „Save the Planet!“ Wer soll das ändern? Schwachmaten an Regierungen kriegen’s nicht geregelt. Trump und Putin sollen selbst in den Ring steigen und gegeneinander fighten, anstatt Leute in den Tod zu schicken.

Was ist mit der Botschaft von Martin Luther King und John Lennon? Love and Peace! Es gibt keine bessere, sollte überhaupt keine andere geben. Wie es mit dem fitten Udo weitergeht? Wer „Lady Whisky“ überlebt hat und mit dreiundsiebzig wie ein junger Gott über die Bühne rennt, der schafft’s in drei Jahrzehnten in den Club der Hundertjährigen, um später dann im Himmel weiter zu rocken in der ultimativen Band mit Janis, Jimi, David, Prince und all den anderen, die voraus gegangen sind. „Wir ziehn in den Frieden“, performt Meister Udo mit Unterstützung einer Gruppe von Jugendlichen, und besingt die „Bunte Republik Deutschland“ zusammen mit special Guest Gentleman. Zum Grande Finale wird’s wieder richtig ausgelassen, als die Panikband in die historische Schatzkiste greift mit Onkel Pö, Andrea Doria, Candy Jane, Reeperbahn, Eldorado. Nach gut drei Stunden zieht es das Schiff zurück in die Wellen des Atlantik. Udo hat mal wieder alles gegeben und entschwebt per Raumkapsel.

Ach ja:

„Hinterm Horizont geht’s weiter“

Weitere Hörproben zum Konzert von Udo Lindenberg am 29. Juni 2019 in der Lanxess Arena auf:

Renates Kanal

Keine Panik in Köln 2016

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Kölnpanorama von der Deutzer Brücke um Mitternacht

Wenn man um Mitternacht von Köln-Deutz zum Hotel am Neumarkt wandert, kann es sein, dass man eine richtig schöne warme Nacht erlebt. So war es am 29. Juni 2019 nach fulminantem Konzert von Udo Lindenberg in der „Exzess Arena“, als Freunde des Kultrockers, der Sommernacht und des Kölnpanoramas beim Wandern über die Deutzer Brücke stehenblieben, um das unglaubliche Spektakel am Rhein anzuschauen.

Udo Lindenberg in Köln

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„Lifestyle im Barock“

„Schillernd wie die Epoche selbst ist auch die Bedeutung des Wortes Barock. Abgeleitet vom portugiesischen barocca, der unregelmäßig geformten Perle, umschreibt es Sinnenfreude und pompöse Prachtentfaltung, aber auch Schwulst und verschnörkelte Überladenheit“, heißt es auf dem Wandtext zum Barock, das historisch in der Epoche zwischen 1580 und 1750 gesehen wird. Passend zu dieser Beschreibung strahlt die schöne, pompös gekleidete Frau auf dem Plakat zur Ausstellung im Foyer des Wallraf-Richartz-Museums, „Sonntag des Lebens. Lifestyle im Barock“. „Marquise de Soucarières und ihr Page“ 1729 von Nicolas de Largillière ist eins der Exponate aus der Welt des Barock, prächtige Portraits, naturgetreu gemalte Landschaften, üppige Stilleben. Man gibt Gemälde in Auftrag und zeigt, was man hat, sei es das prächtige Piano, goldverzierte Gläser auf dem Buffet und und die fein herausgeputzte Kinderschar wie „Die Familie Christoph Wintzler“, 1626 vom Kölner Künstler Gottfried von Wedig.

„Mythologische und biblische Erzählungen liefern das Drehbuch für dramatische und lustvolle Bildgeschichten“, heißt es weiter. Da passt doch Jan Steens „Samson und Delila“ aus den 1660er Jahren, die Geschichte des starken Samson, der sich blind vor Liebe von der schönen Delila über den Tisch ziehen lässt.

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Kölnische Stadtgeschichte auf dem Bauzaun am Roncalliplatz

Zusammen mit dem Besitzer des Kölner Dom-Hotels (Versorgungskammer Bayern), das zurzeit aufwändig restauriert wird, präsentiert das Kölnische Stadtmuseum eine besondere Ausstellung. Es geht um die spannende Geschichte des Roncalliplatzes, quirliger Ort auf der Domplatte umrahmt vom Südportal des Kölner Doms, dem Römisch Germanischen Museum und einem Bauzaun vor der Ostfassade des Hotelgebäudes. Auf dem Bauzaun wird Leben und Treiben an diesem „geschichtsträchtigen“ Ort inmitten der Kölner Altstadt dokumentiert. Seinen Namen verdankt der Platz Papst Johannes XXIII., bürgerlich Angelo Roncalli, lese ich im Text zum großen Panorama der Kölner Altstadt um 1900. Es zeigt die Stadt am Rhein mit Kirchen, Häusern und Brücken vom Turm der Deutzer Kirche St. Heribert.

Jetzt sause ich mal fast zwei Jahrtausende zurück in die Zeit der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, als die Römer ihre Ansiedlung zu einer „Weltstadt am Rhein“ gemacht hatten, und betrachte auf dem Plan die Stadtvilla in der nordöstlichen Ecke des Modells. In diesem Gebäude befand sich das noch heute komplett erhaltene Dionysosmosaik, über dem später das Römisch Germanische Museum gebaut wurde, also am heutigen Roncalliplatz.

Weiter geht meine Zeitreise in das mittelalterliche Köln, auf den Domplatz im Jahre 1605. Der unvollendete Dom überragt die Häuser oberhalb einer Szenerie mit am Boden liegenden Pestkranken aus Spanien und den Niederlanden, die von Alexianerbrüdern, einer katholischen Ordensgemeinschaft, betreut werden. An einem Platz der Häuserreihe im Hintergrund steht heute das Dom-Hotel.

Interessant dann das Bild zum Ende des 18. Jahrhunderts. Auf dem Domhof grasen Kühe, Menschen spazieren auf Wegen und Flächen. Die Sicht auf die Kathedrale ist versperrt durch große Gebäude, die es dort jetzt nicht mehr gibt. Ich mach mal einen Sprung in südöstliche Richtung zum Bayenturm und betrachte die mittelalterliche Stadtmauer, die Idylle im Hafen mit Fähr- und Transportschiffen und Groß St. Martin am Fischmarkt.

Um 1840 eröffnete der Hotelier Albert Harff das „Hotel du Dome“. Auf dem Domhof sind die Sicht versperrenden Gebäude vor der Kathedrale verschwunden. Die freie Fläche ähnelt schon sehr dem heutigen Roncalliplatz. Zwei Jahre später wurde nach 300 Jahren Baustopp im Beisein des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. der Grundstein zum Weiterbau des Kölner Doms gelegt und 1880 war Kaiser Wilhelm I. mit seiner Frau Augusta beim Fest zur Fertigstellung anwesend. Ende des 19. Jahrhunderts platzt Köln aus allen Nähten. Die Stadtmauer erweist sich für weitere Planungen als hinderlich und wird abgerissen. Die Neustadt entsteht, Köln entwickelt sich kontinuierlich zur Großstadt, muss im ersten Weltkrieg schwere Schäden hinnehmen und nach 1945 mit aller Kraft den Wiederaufbau stemmen.

Auch das Dom-Hotel wird wieder aufgebaut und beherbergt weltberühmte Gäste, so den amerikanischen Jazzmusiker Louis Armstrong und Jimi Hendrix, der im Jahre 1969 nach Auftritt in der ausverkauften Kölner Sporthalle, Autogrammstunde im Studio DuMont und Nachfeier im Club Storyville die Nacht im Dom-Hotel am heutigen Roncalliplatz verbrachte.

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Fietsentour in der Grafschaft Bad Bentheim

Unsere Tour begann mit dem RE7 vom Hammer Bahnhof in einer knappen Stunde nach Rheine und mit dem Fahrrad weitgehend über schöne Waldwege gut 25 Kilometer über Schüttorf nach Bad Bentheim. Dort ging es auf Fietsentour, zunächst durch den Ort Gildehaus, dann zur kurzen Pause an alten Toren, Steinen und Skulpturen des Geologischen Freiluftmuseums. Dann hieß es über die Grenze radeln, fietsen auf holländisch und da waren wir schon im Naherholungsgebiet Lutterzand, im Örtchen Denekamp, wo es richtig Mittagspause mit Pfannkuchen und Tomatensuppe im Bistro auf dem Platz an der Kirche gab. Weiter gefietst entlang des Nordhorn-Amelo-Kanals zum „Hotel am Stadtring“ in Nordhorn. Im Restaurant Frentjen gab’s später leckeren Salat mit Champignons, Auberginen, Oliven.

Die zweite Etappe führte uns erst einmal zum Nordhorner Vechtesee im Sonnenschein, d.h. Regenhose aus, Regenhose an war gestern. Richtig warm war’s, sodass wir die Jacken schon mal einpacken konnten. Entlang einiger Kanäle und kleinem Flugplatz von Klausheide ging’s nach Wiethmarschen zur ersten Pause auf der Terrasse des schönen Gasthauses Bauschulte, dann zum Gelände der Windmühle Veldhausen mit historischen Gebäuden, Gerätschaften und mit Mühlenkolk. Zur nächsten Mühle gefietst, einer Wassermühle in Neuenhaus, wo wir auch wieder einkehren konnten und ein paar Kilometer im „Hotel am Waldbad“ in Uelsen einchecken. Veganes gab’s unten im Ort im griechischen Restaurant „Olympia“. Auf dem Heimweg nahmen wir noch den kleinen Anstieg zur restaurierten alten Mühle am Friedhof.

Die dritte Fietsenetappe führte über Hilten, Neuenhaus, Lage wieder ins fietsenfreundliche Nachbarland und dort in das beschaulich schöne Ootmarsum zur längeren Pause im zentralgelegenen Cafè bei Kaffee, Tee und Apfelkuchen, um erst einmal das rege Treiben zu bestaunen. Künstlerort mit bemerkenswertem Kunstmuseum einschließlich Giftshop, gediegenen Galerien und Läden mit form- und farbstarken Verführungen in Form von Bildern, Kalendern, Figuren, Figürchen, Blusen, Hosen, T-Sirts, Blumenkleidern und bunten Hüten. Gemütlich weiter radeln bis zur unvorhergesehenen größeren Pause wegen Doppelpanne, schnell weiter nach Denekamp, schauen ob das Flickwerk hält und nicht lange fackeln, sondern direkt zum Hotel „Bentheimer Hof“ mit historischem Ambiente im alten Bahnhof Nord.

Der letzte Tag war der Burg Bentheim gewidmet, die wir vom Bentheimer Hof aus zu Fuß erklimmen konnten. Vor vielen vielen Jahren zum Schutz der Bewohner erbaut, ist sie heute in vielerlei Hinsicht einen Besuch wert, sei es über die Burgmauer zu laufen, vom Turm auf das schöne Land hinunterzublicken, in einzelnen Räumen anhand von Exponaten der Burggeschichte zu folgen, sich im Rittersaal ins Mittelalter und beim Ernst-August-Salon in das 19. Jahrhundert zu versetzen oder an Burgmauern die wunderbar blühenden Rosen zu bewundern.

Walters Tracks zur Grafschafter Fietsentour:
Rheine – Bad Bentheim
Bad Bentheim – Nordhorn
Nordhorn – Uelsen
Uelsen – Bad Bentheim
Bad Bentheim – Rheine

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Von Köln zum Drachenfels

Wir sehen in Köln so oft die Ausflugsschiffe rheinab- und rheinauf fahren, da haben wir uns endlich mal eine Tour zum Drachenfels ausgeguckt. Das Kombiticket für einen Tagesausflug von Köln nach Königswinter einschließlich eine Fahrt mit der Drachenfelsbahn konnten wir bei der Köln Düsseldorfer online buchen und ausdrucken. Pünktlich um 9:30 Uhr legte die „Loreley“ in der Nähe von KD Tickethaus und Pegel ab. Da es am Vatertag etwas kühl war, nahmen wir im Schiffsinneren einen Tisch und erlebten bei Käffchen und Snacks den schönen deutschen Strom mit seinen Ufern und Orten mal aus dieser Perspektive. Haltepunkte waren Porz, Wesseling und Bonn, wo schon die Silhouette des Siebengebirges zu sehen war. Nach vier Stunden rheinaufwärts erreichten wir schließlich das Städtchen Königswinter.

Gängelchen durch den malerischen Ort und Einkehr zu Falafelteller und dann auf der Drachenfelsstraße zum Einstieg in die schöne alte Zahnradbahn, die uns in ein paar Minuten hinauf auf das Plateau brachte. Da hieß es erst mal ausgiebig Panoramen in beide Richtungen des Rheintals bestaunen und schon mal einen Blick nach oben auf die berühmte Burgruine werfen. Ein Fußweg unter Bäumen führte nach oben und da war schon richtig viel los. Eine Menge Ausflügler drubbelten sich auf dem steinigen Hügelchen, um diesen markanten Mauerrest der Burg zu bewundern. Ehemals diente sie dazu, den Kölner Bereich nach Süden hin, also rheinaufwärts, zu schützen. Den Namen verdankt der Drachenfels einer Legende, die besagt, dass auf diesem Berg im Siebengebirge vor langer Zeit ein Drache gehaust und die Gegend tyrannisiert habe.

Er sei nur zu beruhigen gewesen, wenn ihm jedes Jahr eine wunderschöne Jungfrau geopfert wurde. Ein Jüngling namens Siegfried habe sich das nicht mehr mit ansehen können, vielleicht war er auch an der Jungfrau interessiert, jedenfalls hat er mit seinem Schwert den Drachen besiegt. Ja, und das soll nun der unverwundbare Siegfried aus der Nibelungenstory sein. Bergab ging’s dann zu Fuß oder wieder mit der schicken alten Zahnradbahn, 16:40 Uhr dann wieder auf die „Loreley“ und zurück nach Köln, rheinabwärts in nur zweieinhalb Stunden und etwas wärmeren Temperaturen, sodass wir die Fahrt in der frischen Luft auf dem Deck verbringen konnten.

Mit der Drachenfelsbahn ins Tal am 30. Mai 2019

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Radtour zum Haldenzeichen Humbert

Das vierte Haldenzeichen auf Abraumhalden von Hammer Bergwerken ist da. Es gehört zum Bergwerk Ost im Stadtteil Herringen. Grund genug für uns, eine kleine Radtour zu planen und mal hinauf zu biken. Die Tour beginnt auf der Kornmersch im Hammer Norden, führt über den Damm beim Nienbrügger Berg, nach Überquerung der Radbodstraße ein Stück weit entlang der Lippe bis zu den zwei weißen Brücken.

Hier machen wir erst mal Halt und schauen uns um. Nördlich sehen wir das Haldenzeichen Radbod und südwestlich über den kleinen Jagdhafen hinweg das leuchtend orangene Teil auf der Halde von Schacht Franz im Lippepark. Den erreichen wir, wenn wir Lippe und Kanal verlassen und die Hafenstraße überqueren. Gemütlich geht’s auf dem Radweg zur Dortmunder Straße. Auf der anderen Seite sind es nur noch ein paar Meter bis zur Halde.

Auf Schotterpiste fahren wir nun in Serpentinen hoch und bestaunen die orange leuchtende begehbare Installation, das nagelneue Haldenzeichen auf der Halde Humbert. Wie bei allen führt der Gang spiralförmig hoch auf die Plattform und erschließt uns das Panorama über Herringen hinweg bis Bockum-Hövel, zur Kissinger Höhe und zum Hammerturm der stillgelegten Zeche Heinrich Robert. Hinunter geht’s dann zügig über einen geteerten Weg. Über Wiescherhöfen, Selmigerheide, Weetfeld, Berge, Westtünnen, City runden wir die Tour ab, vorbei an der Großbaustelle des Projektes „Erlebensraum Lippeaue“, wo eine Flutmulde im Bereich Schweinemersch entsteht. Jetzt haben wir alle vier Hammer Haldenzeichen erradelt und sind gespannt auf das nächste und letzte. Südlich vom Bergwerk Ost auf der Halde Sundern ist es geplant.

Walters Track zur Radtour zum Haldenzeichen Humbert
Radtour zum Haldenzeichen Radbod

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Mit der Seilbahn über den Rhein

Wenn man in Köln den Rhein überqueren will, nimmt man im Norden die Mühlheimer- oder die Zoobrücke, in der Innenstadt die Hohenzollern- oder die Deutzer Brücke, im Süden die Severins- oder die Rodenkirchener Brücke. Seit 60 Jahren gibt es jedoch auch die Möglichkeit, gemütlich über den Rhein zu schweben. Wir waren mal wieder auf der Rheinpromenade in unterwegs, das Wetter war gut, vor allem kein Wind und da wollten wir das nun endlich mal machen. Tickets gibt’s beim Einstieg im Gebäude auf der Riehler Straße gegenüber von Zoo und Flora. Verglichen mit Seilbahnfahrten in Skigebieten geht’s ziemlich langsam voran d.h. auch mit langen Zeitabständen zwischen den einzelnen Gondeln, von denen jede anders aussieht, schön bunt gestaltet. Ein paar Minuten warten und dann geht’s los.

Ja, es ist ein Erlebnis, plötzlich das dicht befahrene Konrad-Adenauer-Ufer und den Autokonvoi auf der Zoobrücke von hier oben zu betrachten und das einmalige Kölnpanorama von der Kölnarena, den Triangel Turm über die Brücken die Stapelhausfront und die zwei Spitzen der berühmten Kathedrale aus dieser Perspektive zu erleben. Über dem Rheinpark in Köln-Deutz schweben wir langsam wieder runter und machen im Rheinpark ein Gängelchen zum Rhein. Auf der Rückfahrt nehmen wir uns mal den Blick in nördliche Richtung über den Jugendpark, Katzenbuckel, Mülheimer Brücke und die zwei Becken des Mülheimer Hafens vor.

Mit der Seilbahn über den Rhein 1
Mit der Seilbahn über den Rhein 2

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