Faschismus

Was ist überhaupt Faschismus? Nach einer Definition suchend finde ich Begriffe wie rechtsextrem, rassistisch, fremdenfeindlich. Vom starken und schwachen Ich ist die Rede, von Vorurteilen gegenüber Minderheiten, Menschen als minderwertig ansehen, um sich selbst überlegen zu fühlen, Verleugnung von Realitäten und Machtphantasien mit dem Ziel, demokratische Strukturen auszuhöhlen und per Machtergreifung und Gleichschaltung einen Führerstaat zu schaffen. Wie viel unfassbares Leid Faschisten in der Vergangenheit über Millionen Menschen gebracht haben, dokumentieren schockierende Bilder, Fotos und Texte in Vespignianis Buch. Ich erinnere an den fatalen Weg des Faschismus in Deutschland von 1933 bis 1945: Machtergreifung, Gleichschaltung, Judengesetzgebung, Verfolgung von „Staatsfeinden“, Krieg, Massenmord.

Faschistische Abgründe in unserem Land erleben wir täglich: Ausländerfeindliche Schmierereien im öffentlichen Raum, Parolen bei Demos, in den Medien, wenn ein arabisch aussehendes Kleinkind von seinem Dreirad getreten, eine muslimische Schwangere mutwillig mit dem Auto angefahren wird, sowie Hetze und Morddrohungen im digitalen Netzwerk. Nicht zu vergessen das Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße, der Mord an einem türkischen Kioskbesitzer in der Dortmunder Nordstadt und das blutige Attentat auf eine Synagoge in Halle.

Bleibt nach der Thüringer Farce am 5. Februar 2020 die Frage:
War da ein Hauch von Machtergreifung, wenn der Ministerpräsident in Absprache mit einer von einem Faschisten geführten Gruppierung gewählt wurde?

Historisches für die politische Bildung:
Renzo Vespignani, Faschismus, Elefanten Press bei Zweitausendeins (1976)
(erhältlich im Buchhandel)

Das Haus der Wannseekonferenz (20. Januar 1942)

Matthias Quent, Deutschland rechtsaussen, 2019 – Rezenzion

Wenn ihr die wählt… – Blogartikel

Ruhe gibt es nicht – Kurzgeschichte

Biedermann und die Brandstifter

Andorra. Vorurteile und Feindbilder

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Rund um das Sellamassiv

Nach Übernachtung in München geht’s über Inntalautobahn einschließlich Kufstein/Kiefersfelden, Europabrücke, Brenner, Pustertal, Bruneck, durch das Gadertal nach Corvara. Nur ein paar Kurven hoch nach Colfosco, beim Skipassbüro schon mal den Skipass holen. Der Superdolomiti für die letzte Januarwoche kostet anstatt 282 für Senioren nur 254 Euro. Na bitte! Im Appartment einchecken, auspacken und später beim Sportladen Head Super Joy leihen, Länge 148 cm. Am nächsten Morgen die orangene Hose überstreifen, kariertes Flanellhemd, in Ruhe frühstücken, Brot, Nüsse und Rosinen für unterwegs einpacken. Dann wird’s ernst, die blauweiße Columbiajacke (retro und immer noch schön!) überstreifen, Jacke und Hose bepacken: Portemonnaie in die linke Hosentasche, Sonnenschutz in die rechte, Superdolomiti in die linke Jackentasche, Lippenstift und Tempo in die rechte, Handy in die linke Innentasche, Proviant in die rechte. Fertig? Nein, nein!! Skischuhe, Helm mit Skibrille und Fleecehaube, Handschuhe packen, im Keller Füße in die mühsam geöffneten Skischuhe bugsieren. Spätestens hier denke ich, ich brauchte einen Knappen und erst recht dann, als ich Super Joy und Skistöcke unter den Arm klemme und die Treppe hinaufpoltere. Voilà! Ich wünschte mir die Außentemperatur ein bisschen kühler, vor allem beim Hochstapfen zum Skihang. Der Knappe würde jetzt die Skier tragen, sie mir schön parallel auf die Piste stellen und darauf achten, dass die Schuhe richtig in der Bindung sitzen. Okay, die erste Abfahrt geht bis zur Gondel, dann hinauf ins Edelweißtal, später Frara und Jimmi Abfahrt. Läuft.

Sonne auf dem Frühstückstisch heißt Sellarunde. Wir entscheiden uns für orange, also im Uhrzeigersinn. Mit „Borest“ hinunter nach Corvara, Boè Gondel hinauf, oben das gigantische Bergpanorama, zur Linken Colfoscos Hausberg Sassongher und ganz unten im Tal den Blick auf das Städtchen Corvara bestaunen, Foto machen und rasante Abfahrt nehmen hinunter zum Campolongo Pass. Da kommen Erinnerungen. Früher liefen hier zwei Tellerlifte parallel, ganz früher ein Ankerschlepper, heute bringt uns ein weich gepolsterter Sessel zum Bec de Roces. Dieses Plateau bringt mich immer wieder zum Innehalten und Schwärmen, so schöne Aussichten, wohin ich schaue. Und dann die Abfahrt hinunter nach Arabba, ein Traum. Früher musste man in tiefem Schnee oder Matsch mit geschulterten Skiern durch den Ort wandern und hochlaufen zu den Aufstiegsanlagen, heute können wir mit „Arabba Fly“ gemütlich im Sessel sitzend über den kleinen Ort mit der schönen Kirche schweben, oben ein paar Meter hinunter gleiten und eine von drei Möglichkeiten zur Sella Ronda orange wählen. Stichwort Porta Vescovo. Wir nehmen die Gondel hinauf, staunen immer wieder über den atemberaubenden Blick auf das Sellamassiv mit Boèspitze und die Bergketten Richtung Cortina.

Bei der Abfahrt gab es früher gefährliches Gewusel im buckelig verschobenen oberen Steilstück. Das hat sich mittlerweile durch die Alternative ein paar hundert Meter unterhalb entschärft, sodass viele Skifahrer auf der orangenen Sellarunde die Porta Vescovo aussparen und ein paar hundert Höhenmeter tiefer die Piste zum bequemen Sessel auf den Pass Pordoi nehmen. Auch hier Erinnerungen: Vor einigen Jahrzehnten war das eine popokalte klapprige Angelegenheit. Pünktlich um sechzehn Uhr wurde dicht gemacht, auch wenn man schon in Sichtweite war, über den Pass nach Canazei musste und kein Skibus mehr fuhr. Das bedeutete, zurück nach Arabba gleiten, Freunde anrufen, sich abholen lassen, derweil ein paar Stunden im Gasthaus Furgler warten und sich in grappalauniger Dunkelheit unzählige Serpentinen kutschieren lassen. Achim sei noch immer Dank dafür, Pizzaspende hatte er gleich in Canazei bekommen. Auf dem Pass Pordoi angekommen, heißt es erst wieder innehalten, hinaufschauen zum Sella, wo die Kabine steil auf das Plateau des Massivs führt, wir peilen aber den Sessel zum Belvedere an, schöne Aussicht. Runterflitzen, mit Superdolomiti durch die Schranke schieben, einsteigen und oben ankommen.

Direkt am Steilhang und etlichen Schildern erstreckt sich ein breites Panorama der Extraklasse, vor allem die einzigartige Langkofelgruppe in der Ferne und der Gedanke, da fahren wir jetzt hin. Ob das verhaltene Gewusel der Skifahrer und Beharren an der Kante dem Panorama oder der Angst vor der Falllinie geschuldet ist, frage ich mich jedesmal und stürze mich jedesmal auf der roten Eins in die Tiefe, auf Super Joys Kante vertrauend. Ach ja, Erinnerung: Vor Carverzeiten hatte man in so einem Hang richtig Mühe, die Kante zu finden und auf den Brettern zu bleiben. Aber man war ja ein paar Jahrzehnte jünger und steckte einen Ausrutscher oder sogar das volle Programm mit wegfliegenden Skiern, Stöcken und Gesicht im Schnee locker weg. Doch heute: bewahre mich! Rasant geht es weiter um das Massiv herum zu Lupo Bianco im Tal, hinauf mit Gondel, Sessel und Abfahrt zum Sella Pass.

Das heißt für uns einkehren im großzügig modernisiertem Sellahaus, das wir aus früheren Zeiten als Hütte kennen. Zwei Drittel der Umrundung sind hier geschafft. In einer langen Abfahrt gleiten wir zur Treppe mit unendlich vielen Stufen zum Sessel in Wolkenstein, um weiter zur Gondel hinauf zu Dantercepies und von dort hinunter zum Grödnerjoch zu kommen. Nachdem wir diese vier Pässe, Campolongo, Pordoi, Sella, Grödner, absolviert haben, geht es schattig kühl, zum Teil eisig, zum Teil verschoben unterhalb der Frara Gondel bis zum Edelweißtal. Um elegant das heißt mit wenig Steigung, zurück zum Apartment zu kommen, nehmen wir die Gondel, fahren hinunter nach Colfosco, schwingen nach der Brücke gleich ab auf die Wiese und das wars dann für heute mit Ski fahren, nur noch Super Joy nach Hause tragen.

Nach nächtlichem leichtem Schneefall und leicht nebliger Sicht heißt es am nächsten Tag, langsam angehen lassen. Edelweißtal mit Forcelles, Frara zum Grödnerjoch, Abfahrt zurück nach Colfosco, die wir Jimmi Abfahrt nennen, weil sie direkt unterhalb der Jimmi Hütte beginnt. Das machen wir ein paar Mal und haben am frühen Nachmittag auch unsere 30 Pistenkolometer absolviert.

Sonne pur heißt, nun die Sella Runde entgegen des Uhrzeigers, also grün, angehen. Das Schöne ist: In Colfosco sind wir nur ein paar Fußminuten von der Tour entfernt. Also gleich zum Sessel, der uns an die Frara Gondel und mit der zur Jimmi Hütte und Abfahrt zum Grödnerjoch bringt. Kurze Abfahrt zum Sessel und weitere hinunterfahren und zwei Sessel nach Dantercepies nehmen. Auf dieser Höhe ist auch wieder innehalten angesagt, grandiose Aussicht und immer wieder der Langkofel, von mir gerne der Lange genannt, den wir schon zwei Mal umwandert haben. Die lange Dantercepies Abfahrt bringt uns bis hinunter in die Ortsmitte von Wolkenstein.

Blödes Gewusel im tiefen Schnee an der Hauptstraße, diese überqueren, zur Gondel laufen in die Schlange stellen und abheben über den Ort hinauf nach Ciampinoi. Wieder Aussicht vom Feinsten und oberes Steilstück mit Tendenz zum Beharren an der Kante, wieder auf Kanten der Carver vertrauen, in die Tiefe stürzen und bis hinunter nach Plan de Gralba sausen, mit der feinen neuen Gondel, wo früher ein Sessel war, hinauf und mit weiterem Sessel bis zur Einfahrt in die Steinerne Stadt. Nach dieser kommen wir direkt wieder auf den Sella Pass und fahren gleich weiter hinunter bis zur Gondel Lupo Bianco und erst Mal schöne Pause mit Pasta, Pommes und Salat. Gestärkt geht’s hoch zum Belvedere Sessel und da sind wir wieder auf der Anhöhe mit Blick auf Pordoi Pass und Sellamassiv. Ein bisschen Arbeit haben wir noch vor uns. Erst mal lange Abfahrt hinunter zum Sessel und kurze bucklige Piste zum Ziehweg zum Arabba Fly, hinunter zum Burz Sessel, hinauf zum Bec de Roces und hinunter zum Campolongo Pass. Zügig kommen wir dem Ziel näher, zunächst auf der Piste entlang der Sesselbahn, dann wieder Sessel hinauf und lange Abfahrt nach Corvara. Der Borest bringt uns zur Edelweißgondel, die wir wieder nehmen und nach der Abfahrt elegant über die Wiese den Hang verlassen.

Nachdem am fünften Tag bei strahlendem Sonnenschein zu einer weiteren Sellarunde orange lockte, gehen wir den sechsten und letzten Skitag wieder etwas ruhiger an. Langweilig wird’s nie in der Umgebung von Colfosco und Grödnerjoch. Ohne große Anstrengungen sind die faszinierendsten Eindrücke erreichbar: Edelweißtal, Forcelles, sonnige Terrasse der Forcelles Hütte, Col Pradat, Frara, Jimmi Abfahrt, immer wieder Päuschen für schöne Fotos, als könnten wir diese Schönheiten mitnehmen. Ja, sie werden uns fehlen, die weißgepuderten Felsen mit Zauberzacken, die mächtigen Riesen, allen voran Sassongher und Langkofel, das legendäre Mittagstal und der Eiswasserfall im Sellamassiv und der blaue Himmel.

Walters Tracks und Renates Videos:

Sella Runde grün am 29. Januar 2020

Sella Runde orange am 30. Januar 2020

Edelweiß, Jimmi Hütte am 31. Januar 2020

Inntal Autobahn bei Radfeld am 25. Januar 2020

Edelweiß Gondelbahn am 26. Januar 2020

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Kornmersch, Geinegge, Killwinkel

Vom Hammer Norden kann man sich die Gegenden nördlich von Lippe und Kanal prima erlaufen. Wie beginnen hinter dem Kindergarten an der Kornmersch, lassen das Nienbrügge Gelände links liegen, und gehen diese bis zum Bockumer Weg. Den überqueren wir und gelangen direkt hinter dem Gasthof Hagedorn auf den Weg an der Geinegge. Leider müssen wir ein paar hundert Meter weiter wegen eines Sportgeländes den Uferweg verlassen, kommen aber nach Umrundung wieder an den Bachlauf. Bis zur Warendorfer Straße gehen wir und stellen wieder einmal fest, dass beim Bau dieser Straße Fuß- und Radweg mustergültig angelegt wurden. Am Killwinkel biegen wir nach rechts ab, gehen entlang der Bahnlinie Hamm – Münster bis zur Unterführung bei Möllenbrink, leider nicht mehr bewirtschaftet. Entlang der Kleingartenanlage gelangen wir an den großen Sandweg, durch den Heidewinkel an den Bockumer Weg, durch den Sudentenweg an den Nordenstiftsweg und schon sind wir wieder im Bänklerweg. Schönes Gängelchen durch den Hammer Norden.

Walters Track zum Gängelchen vom Hammer Norden am 19. Januar 2020

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Turner in Münster „Horror and Delight“

Das erste und letzte Bild der Ausstellung zeigen, wie Turner vielleicht gemalt hätte, wenn er nicht der berühmte Joseph Mallord William Turner geworden wäre, für dessen Bilder ich im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zwei Stunden lang in Foyer, auf Treppen, in Korridor und Galerie angestanden habe, an einem Tag, als die Ausstellung bereits die 100.000er Besuchermarke überschritten hatte. Blickfang ist gleich im ersten Raum das große Ölgemälde „Fischer auf See“, 1796 entstanden und zuerst ausgestellt in der angesagten Londoner Royal Academy. Da war der Künstler erst 26 Jahre alt. Nur einige Jahre später entstand „Die Sintflut“. Beide Gemälde entsprechen weitgehend der realistischen Malweise, wie sie um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert üblich war.

Nach dem Horror der elenden Warterei nehme ich das spontane Wow-Gefühl beim Hineinkommen in die heiligen Ausstellungsräume als Parallele zum Titel der Ausstellung: „Horror and Delight“. Schrecken und Freude vermittelt dann auch das Bild, an dem ich sogleich hängen bleibe. „Der Blick von der Teufelsbrücke auf die Schöllenen Schlucht, St. Gotthard-Pass“. Und dieser Blick hinunter an der gewaltigen senkrechten Felswand in die Schlucht ist spektakulär. Ich überlege, woher diese Teufelsbrücke, auf der der Maler steht, wohl ihren Namen hat. Entstanden ist das Bild auf Turners Reise in die französischen und schweizerischen Alpen im Jahre 1802, einer Zeit, als die Überwindung zum Beispiel des Gotthard Passes noch ein richtig gefährliches Abenteuer war. Auf derselben Reise müssen auch Bilder aus weiteren alpinen Gegenden entstanden sein, wie „Der Gletscher Mer de Glace mit Blick auf den Berg Aiguille de Tacul“ bei Chamonix und „Das Felsmassiv Le Pic de l’Oeillette in der Schlucht Guiers Mort, Chartreuse mit dem Blick zurück nach St. Laurent du Pont“ in der Nähe von Grenoble, mir aus Recherchen und Film bekannt wegen des hochalpin gelegenen Klosters „La Grande Chartreuse“.

Spektakuläre Landschaften müssen den jungen Turner wohl fasziniert und inspiriert haben, ebenso wie spektakuläre und katastrophale Geschehnisse darin, wie „Der Niedergang einer Lawine in Graubünden“, entstanden um 1810. Auch die Meeresküsten seiner britischen Heimat lieferten reichlich Inspiration, wie schon im oben gezeigten ersten Ölgemälde „Fischer auf See“. Allerdings malte Turner inzwischen anders. Ihm war es wichtig, Wetterelemente wie Dunst, Nebel, Wind und Sturm so zu malen, wie er sie fühlte nach dem Motto „Atmosphere is my style“. So beim „Seestück mit aufziehendem Sturm“, um 1840 und vor allem im 1842 entstandenen „Schneesturm“, zu dem ich die Informationen der Ausstellung zitiere: „…ein Dampfschiff im flachen Wasser vor einer Hafeneinfahrt gibt Leuchtsignale ab. Der Autor war in diesem Sturm in der Nacht, als die „Arielle“ Harwich verließ. Das in Seenot geratene Dampfschiff bildet das Zentrum eines Wirbels aus Dampf, Gischt und Regen und steht für die sinnlosen Bemühungen des Menschen, die Naturgewalten zu bezwingen. Turner malte das Meer nach eigener Aussage so, wie er es selbst erlebt hatte.“ Die Legende, der Künstler hätte sich Stunden lang am Mast anbinden lassen, kann man anzweifeln, in jedem Fall jedoch erkennen: Darstellung des Erlebten ist ihm das Wichtigste.

Diesem Prinzip folgend findet Turner seinen ganz eigenen Stil und wird immer sicherer darin. Wolkenlose Himmel und detailgenaue Darstellungen suchen wir vergebens, die Konturen verschwimmen zugunsten von Licht und Farbe, mit deren Wirkungen Turner so meisterhaft spielt, dass ich sogar die Freude spüre, die er beim Malen empfunden haben muss. Ich frage mich, was diese zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Bilder eigentlich noch von denen moderner Künstler unterscheidet. Ja, ich bin fasziniert von der Schönheit der Darstellung in den Werken, die er auf und nach weiteren Reisen in den Süden geschaffen hat. Da ist „Der Konstantinbogen in Rom“, um 1835 entstanden und „Venedig – Santa Maria de la Salute“ von 1844.

Besuch am 15. Januar 2020

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DASA: Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund

Mensch. Arbeit. Technik. Drei große Banner befinden sich am Gebäude neben dem Eingang zur DASA, Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund. Hier betreten wir eine weitflächige Präsentation zu vielen Facetten des „Menschen im Lebensraum Arbeitswelt“. Da heißt es erst mal, Informieren und Schnuppern. In welchem Bereich anfangen? Wir orientieren uns an den angebotenen Vorführungen. „Im Wettlauf der neuesten Nachrichten“ ist das Motto in den Räumen der schreibenden, schriftsetzenden und druckenden Zunft. In der Druckerei steht doch tatsächlich eine 400 Jahre alte Druckpresse ähnlich wie der von Johannes Gutenberg, auf der bis zum Jahre 1820 gedruckt wurde. Leichter zu bedienen war dann später die Zylinderdruckmaschine, die wir sogar ausprobieren und das Produkt mitnehmen dürfen. Das Highlight dieser Abteilung besticht durch große Walzen, Papierrollen und runde Matrix und durch enorme Lautstärke, als der Meister sie anschmeißt. Anschließend zeigt er uns den leistungsfähigen Laserdrucker, mit dem Prospekte und Flyer gedruckt werden. Welch eine Entwicklung in der Informationstechnik, in dem Falle der Herstellung von Tageszeitungen und Magazinen!

„Kette und Schuss“ ist das Motto unseres nächsten Treffpunktes, die Weberei. Auch hier geht es mächtig laut zur Sache, obwohl diese Technik der Herstellung von Textilien eigentlich ganz leise angefangen hat mit dem Spannen von Kettfäden und Hin- und Herschieben des Schiffchens, mit dem die Schussfäden Reihe für Reihe eingewebt werden. Diese gemütliche Weberei hat sich aber mit der industriellen Entwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts grundlegend geändert. „Der Takt der Maschine“ und Lochkarten bestimmen die Produktion, das heißt für die dort arbeitenden Menschen Zeit und Disziplin. Auch hier gibt’s eine Vorführung. So schnell kann ich gar nicht schauen, wie die Stoffstreifen Schuss für Schuss größer werden. Eine Maschine webt sogar Bänder mit vorgegebenen Schriftzeichen, in dem Falle das Wort „DASA“ in verschiedenen bunten Farben auf Schwarz eingewebt. Davon darf jeder ein Schnippselchen mit nach Hause nehmen.

Beim Weiterschnuppern stehen wir plötzlich vor einem Käfig mit Glasscheibe, in dem ein orangefarbenes Wesen emsig agiert. Es schwenkt seinen Kopf hin und her, hoch und runter, kommt auf uns zu, nickt freundlich, schwenkt wieder weg und beginnt von neuem. Dieses bewegliche metallische Wesen möchte Aufträge bekommen. Soll es haben: bitte Puzzleteil Nr. 38 aus der Rückwand holen, herbringen und uns vor der Glasscheibe zeigen! Macht er tadellos, Nr. 39 und 40 auch noch. Ich stelle mir vor, dass er in einer Autofabrik Schrauben holt und einen Kotflügel an die Karosserie schraubt. Der Roboter steht am Eingang des Informations- und Kommunikationsbereichs. Von der alten Adler Schreibmaschine bis zum Computerarbeitsplatz. Alles da, sogar Körperscanner. Sie sagen mir, wie groß ich bin und wie alt ich sein könnte (37 – 70) und lösen mich auf in bunte Quadrate und schwarzweiße Streifen.

Warum die Stahlhalle so heißt, ist klar, wenn wir das große Feuerwehrauto, die begehbare alte Dortmunder Straßenbahn nach Wambel und den E-Ofen zum Schrott schmelzen erblicken. Hier ist alles metallisch, groß und bedrohlich vor allem bei der Fahrt durch das stockdunkle Warenlager mit Kippregal, gefährlich tief hängenden Balken, roten und gelben Warnschildern. Puh!!!

Irgendwann merken wir, dass die noch bleibende Zeit knapp wird. So streifen wir noch den Bereich des Umgangs mit Gefahrstoffen in Luft, Wasser, Erde und Kleidung, wie man sie erkennt und sich davor schützt, spüren Ladung und Spannung in der Energiehalle und begeben uns in das obere Stockwerk. Nach Snackpause geht’s im Galopp durch die Geschichte von Sport und Technik. Fertig? Los! Schnell noch aus dem Helicopter hinunter in die Energiehalle schauen, Innovation in Arbeitswelten. Da gefällt mir besonders das mobile Pflegebike. Nach Durchsage der baldigen Schließung schaffen wir noch die Stationen der Sinne, verlaufen uns fast im Spiegellabyrinth, gehen nach draußen und fragen uns, wo die all die Stunden geblieben sind.

DASA in Dortmund am 9. Januar 2020

Hier noch zwei Videos:

Industrieroboter
Webmaschine

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„Gabel statt Skalpell“

Im Dokumentarfilm „Gabel statt Skalpell“ wird nachgewiesen, dass zwischen Erkrankungen wie Herz-, Kreislauf-, Diabetes- und Ernährung mit Fleisch und Milch ein Zusammenhang besteht. Das geschieht anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie Interviews mit Patienten, dem Autor Colin Campbell (China Study) und dem Herzspezialisten Caldwell Esselstyn, die zu rein pflanzlicher Ernährung raten. Anschauen!!!!!

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Die Zukunft ist vegan

In diesem Gebäude in der Hammer City, dem Stadtteilzentrum FeidikForum, kommen an jedem ersten Sonntag im Monat Menschen zusammen, um am späten Vormittag zusammen zu brunchen. Jeder bringt eine oder mehrere Speisen für ein Buffet mit. Und das Schöne ist: Alle Speisen bestehen aus pflanzlichen Zutaten, das heißt jenseits von Massentierhaltung und Tierleid. Initiatorin und Veranstalterin Tina bringt es fertig, bei jedem Brunchsonntag ein Motto in den Fokus zu stellen, sei es Halloween, ein veganer Weihnachtsmarkt in Münster, Aktionen gegen Tierleid und viele Facetten von nachhaltiger und plastikfreier Lebensweise. Schön auch, wenn Teilnehmer aus der Fülle der Angebote ihre besten Koch- und Backbücher auf einem Büchertisch zum Schmökern und Austauschen bereitstellen.

Nach der jeweiligen Präsentation wird das vegane Buffet freigegeben. Was kann ich als Veganer eigentlich noch essen? Fragt man das noch, wenn man sein veganes Tellerchen zusammenstellt. Da gibt es Frikadellen aus Bohnen, Linsen, Kichererbsen (Falafel) Grünkern, Sojahack mit veganer Mayo oder selbstgemachtem Ketschup, Salate in allen Farben mit verschiedenen Dressings, selbstgebackenes Brot mit Aufstrichen aller Art von Leberwurst bis zu Hummus in vielen Varianten. Und o Wunder, es gibt auch selbst gemachten rein pflanzlichen Käse einschließlich Camenbert. Sehr eindrucksvoll ist auch immer die süße Ecke mit Cookies, Muffins mit und ohne Cremehaube und atemberaubenden Torten. Schön, dass auch immer Kinder dabei sind. Tiere essen? Niemals!

Dafür spricht das Bild der 8-jährigen Theresa: „Ich lebe vegan, weil wir sonst das Tierleben zerstören!!!“. In der Zukunft stellt sie sich zwei fröhliche Elefanten vor, der eine prustet munter eine Fontäne und der andere hält ein Bündel bunter Luftballons. „So sieht schönes Leben aus!“, schreibt Theresa und „So leben sollte normal sein!“. Ich finde, vegan leben ist schon jetzt normal. Die Zukunft ist vegan.

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Zwischen Lippe und Kanal

Unsere Wanderung zwischen Lippe und Kanal beginnt an der Radbodstraße mit Blick über die Lippe zum Hammer Binnenhafen. In östliche Richtung geht der Weg, links die Lippe und rechts der Kanal. Schon bald erreichen wir die Stelle, an der sich bis zum Jahre 1225 eine steinerne Brücke über die Lippe befand. Am Ufer der Lippe befand sich die Burg Nienbrügge und rechts dort, wo wir jetzt das Hafenamt sehen, die gleichnamige Siedlung. Den Kanal gibt es erst seit dem Jahre 1911. Dieses mächtige Wasserwerk wurde gebaut, weil sie Stadt Hamm regelmäßig vom Hochwasser der Ahse heimgesucht wurde. Wir nähern uns der Eisenbahnlinie die einige Meter weiter den Hammer Hauptbahnhof erreicht. Diese gibt es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Hamm wichtiger Haltepunkt zum Austausch der Dampfloks war.

Heute werden hier auf der Linie Berlin-Köln Züge geteilt oder gekoppelt zur Fahrt über/von Wuppertal oder Düsseldorf. Im Hintergrund sehen wir auch den grünen Turm der Pauluskirche. Nach Unterqueren der Eisenbahnbrücke über Lippe und Kanal sehen wir links den Bereich Schweinemersch, Teilbereich des Projekts „Erlebensraum Lippeaue“ und vor einigen Monaten als Auenbereich und Flutmulde gestaltet und zurzeit einen kleinen See bildet. Langsam nähern wir uns dem Ende des sogenannten Mitteldamms an der vielbefahrenen Brücke vom Norden. Nach ein paar Metern befinden wir uns in der Hammer City mit dem Allee Center, einer Shoppingmall, die wir über Münsterstraße und Unterquerung der Kreuzung Hafenstraße / Adenauerallee erreichen.

Hamm am 9. Januar 2020

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Star Wars Episode 9 „Der Aufstieg Skywalkers“

Vorgeschichte mit vielen Schauplätzen, Figuren und jeder Menge Handlung, zu Beginn eine Szenerie mit sympathischen Leuten, in der eine attraktive Frau namens Rey von einer älteren Frau namens Leia trainiert wird und die Rede von einem Planeten Exegol, auf dem diejenigen hausen und rüsten, die sämtliche Galaxien beherrschen wollen. Jetzt geht es darum, die dunklen Mächte auszuschalten.

Beinahe hätte ich gleich in der ersten halben Stunde den Faden verloren, so viel Handlung, so viel Aktion. Star Wars Episode 9 „Der Aufstieg Skywalkers“ hat mich jedoch mitgenommen in das Abenteuer der herausragenden Figuren Kylo Ren/Ben Solo, gespielt von Adam Driver, und Rey, gespielt von Daisy Ridley, ausgerüstet mit Lichtschwertern und erstaunlichen Kräften.
Mein Fazit: 142 kurzweilige Minuten im Cinemaxx Hamm.
Was ich mitnehme: „May the force be with you.“

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Veganer Mitbring-Brunch im Januar

Gleich am ersten Sonntag im neuen Jahr war wieder veganer Mitbring-Brunch im Stadtteilzentrum FeidikForum in der Hammer City. Sie waren wieder zahlreich gekommen und jeder hatte Köstlichkeiten für das vegane Buffet mitgebracht, sei es Hackbällchen, Kartoffelklöße mit Bratensoße, Chili sin Carne, Nudel- und Kartoffelsalat, Gemüsesticks und gebackene Auberginenscheiben mit verschiedenen Dipps, normales und Knoblauchbrot mit Bruschetta und Aufstrichen und in der Süßecke von den Muffins, Schokobrownies, Zitronenkuchen bis zu Herrencreme und leckerer Schokotorte mit entsprechender Schriftdeko „veganer Mitbring-Brunch“ und weißem V getoppt. Kurz und gut: Die veganen Tellerchen waren wieder bunt und unglaublich lecker.

Vor dem Run auf das Buffet gab es einen unglaublich interessanten Vortrag zum Motto „Make Love not Waste“. Dazu hatte Initiatorin Tina die gute Fee Carolina eingeladen. Da ging es um die Pyramide zur „Hierarchie des nachhaltigen Konsums“ nach den Prinzipien, nutze, was du bereits hast oder tausche, leihe, kaufe secondhand und versuche, vor dem fairen Kauf Dinge erst mal selbst zu machen. Da entdeckt man zum Beispiel, was man mit etwas Geschick aus alten Kleidungsstücken einschließlich T-Shirts zaubern kann wie Stoffbeutel, Putzlappen, Taschentücher und schöne kleine Geschenke. Oberstes Prinzip ist, das Leben plastikfrei zu gestalten. Auf Caros Internetseite www.EcoFairy.org gibt es dazu noch jede Menge Anregungen und Hilfsangebote einschließlich Anleitungen und vegane Rezepte.

Videoschwenk über das Buffet Veganer Mitbringbrunch am 5. Januar 2020

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