Critical Mass Hamm im Dezember

Auch diesmal waren es wieder sechzehn Radfahrer, die sich in der Dunkelheit vor dem Kleist-Forum zur Critical Mass Hamm zusammenfanden, im Anschluss an die Klimaaktion #FridayForFuture und deren Transparent „Climate Justice Now“. Wie lange werden sie das noch machen müssen, fragten sie sich, wird doch die Resonanz immer weniger. Umso wichtiger ist es für mich, auch im Winter und bei Dunkelheit den Hintern aufs Fahrrad zu bekommen und mit einer größeren Gruppe den Autofahrern zu zeigen, dass die Straße auch den Radfahrern gehört. Wieder wurde wild überholt und mit aufheulenden Motoren demonstriert, was man unter der Haube hat. Und wieder wünsche ich mir für die Zukunft, dass die Power endlich im Gehirn der ach so coolen Fahrer ankommt, sozusagen von der Motorhaube direkt in die Köpfe.

Ich frage mich, wie viele Critical Mass Touren wir noch fahren müssen, bis einige Leute endlich kapieren, was das Klimastündchen geschlagen hat und sage mit David Wallace-Wells im Vorwort zu seinem Bestseller: „Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken.“
Walters Track zur Tour:
CM Aktion in Hamm am 27.12.2019

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Renates Weihnachtsgeschichten

Als die Hirten auf dem Feld plötzlich einen hellen Stern am Nachthimmel entdecken, bekommen sie Angst und wissen nicht, was sie tun sollen. Als dann aber auch eine Stimme ertönt, die ihnen eine große Freude verkündet, überlegen sie. In dieser Nacht ist alles anders. Es muss etwas ganz Besonderes passiert sein. So ziehen sie los und folgen dem Stern.
Folgt dem Stern

Theodor Althaus ist erst 29 Jahre alt und so krank, dass er das Weihnachtsfest nicht zusammen mit seinen Lieben in Detmold verbringen kann. Im Krankenhaus in Gotha bekommt er Besuch von seiner Freundin Malwida von Meysenbug und erlebt den Jahreswechsel zusammen mit ihr und gemeinsamen Erinnerungen.
Theodors letztes Weihnachtsfest

Jan fragt die Oma nach dem Weihnachtsmann. Gibt’s ihn überhaupt? Wie sieht er aus? Woher kommt er? Und vor allem: Wie bringt er die Geschenke? Ja, wie schafft er das eigentlich alles? Kommt er mit dem Schlitten? Oma hat eine ganz andere Idee, woher er kommen könnte und welches ganz große Geschenk er bringt.
Gibt’s überhaupt den Weihnachtsmann?

Jan ist mit Oma auf dem Weihnachtsmarkt in der Kölner Altstadt. Da gibt’s nicht nur ein schönes Karussell, Holzschnitzer, einen Lichterbaum mit roten Herzen, schöne Geschichten von den Kölner Heinzeln und Jan von Werth, sondern auch ein Weihnachtspostamt zum Abschicken der Wünsche.

Jan bei den Heinzeln

In der Vorweihnachtszeit ist Thomas immer besonders ratlos. Was soll er seinem Kind schenken, will es doch gar nichts von ihm wissen? Verzweifelt sucht er in den Läden des Einkaufscenters und findet schließlich ein besonderes Buch. Doch ist es das Richtige für sein Kind? Sandmann zeigt schließlich eine Lösung.
Sandmann

Zwischen Tannenbäumen mit dicken bunten Kugeln und Päckchen mit roten Schleifen hangelt sie sich von Schaufenster zu Schaufenster, von Laden zu laden, auf der Suche nach dem perfekten Geschenk. Ja, kaufen soll sie. Perfekt kaufen. Doch was soll sie kaufen? Diejenigen, die sie beschenken will, haben alles, was sie brauchen…

Wie ein Ren(n)tier

Das kleine Haus auf dem Schlossberg hat schon bessere Zeiten gesehen, vor allem zur Weihnachtszeit. Da waren rund um den großen Tannenbaum die Eltern mit dem kleinen Gianni, Oma und Opa, die die Wartezeit auf das Christkind mit Liedern und Geschichten verkürzten. Jetzt ist auf dem Schlossberg nur noch Monika, der Panoramablick ins Tal, das kleine Bäumchen aus Holzstäben, die Erinnerungen an Sunny, Gianni, Klara und Rudi, das spezielle Weihnachtsmenü und die Vorfreude auf den Brunch mit den Freundinnen.

Bowl for one

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„Die unbewohnbare Erde“

„Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken“, schreibt David Wallace-Wells gleich zu Beginn in seinem Buch „Die unbewohnbare Erde. Leben nach der Erderwärmung.“ Stell dir vor, die Türme der Tower Bridge in London werden von Fluten umspült, Venedig und Key West gibt’s nicht mehr, das heißt weite Teile unseres Planeten sind unbewohnbar. Noch vor drei Jahrzehnten waren diese Szenarien für die meisten von uns unvorstellbar und vor allem konnten wir uns nicht vorstellen, was unsere Lebensweise mit der sich anbahnenden Klimakatastrophe zu tun hat. Da muss erst der Markusplatz wochenlang unter Wasser stehen, die australische Metropole Sidney in den Rauchwolken von Buschbränden verschwinden und Hurricane Teile des amerikanischen Kontinents zu allem Jahreszeiten verwüsten, damit wir kapieren, dass wir selbst es sind, die mit unserer hemmungslosen Verwendung fossiler Brennstoffe das Desaster verursachen. Diese Zusammenhänge werden in vielen Facetten von Wallace-Wells erklärt, bestens recherchiert, obwohl harter Tobak, gut zu lesen.

Mein Fazit: Pflichtlektüre.

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Wien Ende November

Vom Hauptbahnhof wandern wir einige Kilometer entlang der Argentinierstraße bis zur Karlskirche. Nach Kaffeepause bei Bäckerei Ströck im Karlsplatz U-Bahn Tunnel ist es nicht weit bis zum Stephansplatz und Kirche, deren Turm ich nur mit Mühe aufs Foto bekomme, der Stephansdom. Wir sind also mitten drin in der Wiener City und finden schon bald die Salztorgasse und -brücke über den Donaukanal und direkt zum Hoteleingang. Das ist schön zentral und mit WLAN, sodass wir in aller Ruhe für unser Abendessen recherchieren können. Veggiez in der Salzgries wird es dann, nur ein Katzensprung entfernt, Bowls, Burger, Salate, alles vegan.

Anschließend noch ein Gängelchen durch die adventlich beleuchtete City, Peterskirche, Hofburg, Heldenplatz und auf einem Plakat den Hinweis auf die Ausstellung „Deutscher Expressionismus“ im Leopold Museum entdecken. Auf dem Rückweg nehmen wir beim Spar Supermarkt noch ein paar Sweeties mit und planen im Hotel für den folgenden Tag den Besuch im Wiener Museumsquartier.

Auf dem Weg dahin kehren wir zum Frühstück ein bei Simply Raw Bakery in der Drahtgasse, queren Hofburg und Heldenplatz, wo gerade eine Bauerndemo stattfindet „Die Almen werden von uns gepflegt, damit das Wandern leichter geht“ und gehen zum Leopold Museum. Vier Ausstellungen werden angezeigt. Nach Macke in Arnsberg und „Blauer Reiter“ mit Kandinsky und Münter in München entscheiden wir uns erst einmal für die Expressionismus Sammlungen von Gabriele und Anna Braglia aus Lugano und der Renate und Friedrich Johenning Stiftung aus Düsseldorf. Das als Wandtext vorangestellte Zitat von Franz Marc aus dem Jahre 1912 trifft es gut: „Denn alles, was an künstlerischen Dingen von wahrheitsliebenden Geistern geschaffen ist, ohne Rücksicht auf die konventionelle Außenseite des Werkes, bleibt für alle Zeiten echt.“ Was in diesen Räumen außer Werken von Macke, Münter, Kandinsky präsentiert wird, ist farbrauschend und atemberaubend. Paul Klee, Emil Nolde, Lionel Feininger und viele mehr. Meine besonderen Entdeckungen sind Alexej Jawlensky auf dem Weg zur Abstraktion und vor allem Marianne Werefkin, die so ein unglaubliches Werk geschaffen hat wie „Das Duell“.

Die Räume „Wien 1900“ und „Richard Gerstl“ hätten mehr Aufmerksamkeit verdient, ebenfalls die Meisterwerke von Egon Schiele und Gustav Klimt aus der Sammlung Leopold. „Tod und Leben“ des Wiener Jugendstil-Künstlers Gustav Klimt hält mich eine Weile gefangen. Die für ihn typischen Gestaltungselemente wie fließende Linienführung und geometrische Ornamente mosaikartig angeordnet in hellleuchtenden Farben sind mir im Wiener Stadtbild bereits in Schaufenstern begegnet. Was mich an diesem Bild beschäftigt, ist diese besondere Atmosphäre durch die Gegenüberstellung der dunkelgehaltenen Todesfigur und der geschlossenen Fläche mit den farbenfroh dargestellten Menschen in verschiedenen Lebensphasen. An dem Werk soll Klimt in den Jahren zwischen 1911 und 1916 gearbeitet und immer wieder Änderungen vorgenommen haben.

Auf dem Rückweg gibt’s noch einen kurzen Bummel über den Weihnachtsmarkt am Rathaus, dann vorbei am Schottentor bis zum Donaukanal, der ja eigentlich ein Seitenarm der Donau ist, sozusagen die Donau in der inneren Stadt. Die erreichen wir an der Augartenbrücke und nehmen die mit schönen Graffitis gestaltete Uferpromenade bis zur Salztorbrücke, um uns dann im Hotel schon mal auf das Abendessen zu freuen. Wohin? Wieder zu Veggiez im Salzgries, großer Salat und Quinoabowls. Nach der Stärkung lockt uns der Prater, Wiener Attraktion, die wir unbedingt erleben sollen, auf der östlichen Donaukanalseite fußläufig erreichbar. Dieses Stück Ufer scheint mir eine wahre Kunstmeile zu sein, was selbst in der Dunkelheit gut zu erkennen ist.

„The Flow“ nahe der Schwedenbrücke gefällt mir besonders gut. Und das Panorama des gegenüberliegenden Ufers mit vielen Lichtern, die sich im Wasser spiegeln, macht diesen Abendgang so richtig schön. Wir sind hier zurzeit die einzigen Spaziergänger, wohl normal für Ende November, zumal seit ein paar Tagen allerlei Weihnachtsmärkte die Menschen in die City locken. Wir unterqueren noch die Aspernbrücke und verlassen bei der Franzensbrücke den Donaukanal. Ein paar Straßen und ein Park, dann sind wir am Ziel. Auch der Prater hat schon belebtere Zeiten gesehen, doch verweilen einige Leute bei Livemusik vor der Bühne, Winterprogramm für den Prater, und das berühmte Riesenrad bewegt sich, wenn auch ganz langsam. Schön gemütlich bummeln wir über den ganzen Platz. Ab und zu bewegt sich mal ein Fahrgeschäft, Musik ist verhalten, trotzdem schön hier.

Am nächsten Tag gibt’s Frühstück in der Brasserie Mae Aurel, Avocadobrot mit rote Beete Hummus und Granatapfelkernen, schön bunt und sehr lecker. Unser heutiges Ziel ist das Hundertwasserhaus. Es befindet sich östlich der City im Stadtteil Wien Mitte, über Park und Gräfte hinweg gut zu Fuß zu erreichen. Und da stehe ich plötzlich vor diesem berühmten bunten Gebäude und finde keinen vernünftigen Platz, um es zu fotografieren. Warum? Auto an Auto in der schmalen Straße, also in Wien genauso wie in vielen anderen Städten. Schnell abdrücken und hinüber in die Gasse mit hügelartiger Pflasterung. Okay, das passt doch zum Bild das ich von Werken dieses Künstlers habe, fließende Linien, geometrische Ornamente, spiralförmig angeordnet, etwas verwirrend vielleicht, aber faszinierend.

Einige Straßen weiter befindet sich das Museum Hundertwasser und da wandern wir jetzt hin. In der dicht bebauten Straße finden wir es leicht, man erkennt es sofort an der Gestaltung. Nicht schwindlig werden beim Hereingehen, denn alles ist schwebend in Bewegung, unebene Böden, gebogene Wände, nichts scheint gerade zu sein, Böden, auch die Wendeltreppen nach den Vorstellungen des Meisters gestaltet. Dem begegnen wir dann gleich im ersten Raum der Ausstellung. Friedensreich Hundertwasser unter einem Baum in Neuseeland im Einklang mit der Natur. Diesem Prinzip hat er wohl sein gesamtes Schaffen gewidme. Auf zwei Ausstellungsebenen können wir seine herausragenden Werke in den Bereichen Malerei, Architektur und Ökologie. Schöne Farben, Formen und ganz viel Grün, Augenschmaus vom ersten bis zum letzten Bild, mit angenehmer Unterbrechung bei der persönlichen Begegnung des großen Wiener Künstlers in einem kleinen Raum beim Peter Schamonis Film „Regentag“ aus dem Jahre 1972, überzeugendes und berührendes Portrait dieses großen Künstlers. Erholung gibt’s im Museumscafé bei mauretanischer Linsensuppe und abschließendem Rundgang durch den kleinen Tempel des Merchandising.

Auf dem Rückweg schauen wir mal ins Haus der Musik, schaffen aber nur noch die Vorstellung der Bereiche auf dem Videodisplay von Instrumenten über große Meister zu musikalischen Aktivitäten. Zum Abendessen wieder Veggiez und Frühstück am nächsten Morgen in der Bäckerei neben dem Hotel, dann nix wie durch die City zum Karlsplatz, bei Ströck vegane Teilchen für unterwegs kaufen, Karlskirche fotografieren und flugs die Argentinierstraße entlang zum Wiener Hauptbahnhof.

Wien am 27., 28., 29. und 30. November 2019

Vegan in Wien

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Rembrandt im Wallraf

Ein älterer Mann mit Knubbelnase und traurigen Augen schaut mich an von Litfaßsäulen, Plakaten, Wand und Aufsteller im Foyer des Kölner Wallraf-Richartz-Museums. „Rembrandt – 1606 – 1669“, Sonderausstellung zum 350. Todestag des großen holländischen Malers Rembrandt Harmenszoon van Rijn. In dunkelviolett gehaltenen Räumen wird sein Leben mitsamt einer Auswahl seiner Werke als Drama in fünf Akten präsentiert.

Das Plakatmotiv ist ein Selbstbildnis aus dem Jahre 1659. Rembrandt war 53 Jahre alt, hatte im Jahre 1631 als 25-Jähriger seinen Geburtsort Leiden verlassen, in Amsterdam mit Saskia sein Glück gefunden und Karriere als außergewöhnlich talentierter Maler gemacht. Als Saskia 11 Jahre später 29-jährig starb, geriet Rembrandt in eine Krise, die er wohl nie ganz überwand. „Drama Komödie Tragödie“ ist das Motto des letzten Aktes.

Meine Highlights: Zwei Portraits von Saskia in Akt 3.

Fazit: Es gibt eine Menge herausragender Werke des großen Meisters, seiner Malerkollegen und Schüler zu sehen. Mich störte allerdings das Gedränge vor den Gemälden, Radierungen, Grafiken und Texten am 7. Dezember 2019.

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Hanak im Söckchen

Von unserem Hotel im Südstadt Veedel am Waidmarkt sind es nur ein paar hundert Meter über Hohe Pforte, Heumarkt, Markmannsgasse bis zur Ecke am Pegel, „Altstadt-Theater im Söckchen“. Heute spielt die kölsche Band Hanak. Ausverkauft, steht auf dem Plakat am Eingang. Bisschen dunkel draußen, kühl und nass, aber drinnen hinter dem roten Vorhang gibt’s vorweihnachtlichen Lichterglanz.

Auf der Bühne ist schon alles bereitet für Hanaks Jahresabschluss, schön gestaltetes Banner zum Herzenssong „Veedel“, passend zum diesjährigen Sessionsmotto und jetzt hier zur Stimmung. Micha Hirsch und seine Jungs von Band und Crew stehen gut gelaunt zur Begrüßung bereit. Langsam wird’s gemütlich eng im Söckchen, das heißt Platz suchen, am besten über die Wendeltreppe nach oben, Jacken an den Nagel hängen und direkt am Geländer stehen bleiben. Kölsch kommt auch schon und das Schöne ist: auf dem Geländer gibt’s extra Vertiefungen für den sicheren Stand der Kölschgläser. Unten ist inzwischen hoher Besuch eingetroffen. Ein Prinz. Fototermin: der designierte Prinz Karneval Christian Krath inmitten der Jungs von Hanak. Danach heißt es noch ein bisschen warten, weil einige Ticketbesitzer wohl noch in Bahnen unterwegs sind.

Dann geht’s aber los, „Naach d’r Nächte“, „Vampire“, „Engel“, „Haie-Hymne“, „Dreigestirn“, echter Popotanz auf der Bühne und im Publikum. In der Pause überrascht uns Michas Papa Ralf Hirsch, auf Tour als „Kölsche Harry und Sigi P.“, mit Nikolausmütze, muss doch ’ne Kölsche sin, dieser Mann. Zum Mitsingen geht auch holländisch, la-la-la. Das ist eben Köln. Zugabe! Okay, einer noch! Danach wird’s schön rockig. „Bäääm, he kütt Kölle“, „Köln rockt“, „Durch et Füer“, Mitsingklassiker „Haifischzahn“ mit Michas grooviger Improvisation, der kultige Neue, den ich unplugged in der Alteburg erlebt habe und von EP und Video kenne, „Veedel“ jetzt live sehr schön arrangiert und präsentiert. Zu später Stunde dann mit „Danze em Räään“ durch das Veedel zurück zum Hotel am Waidmarkt. Auch wenn das Söckchen leider, leider schließen muss: Kult bleibt Kult!

Und hier einige Minuten zum Reinhören – Hanak am 6. Dezember 2019:
Dreigestirn
Köln rockt
Bäääm! He kütt Kölle!

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Kandinsky und Münter im Lenbachhaus

Seit der Retrospektive von Gabriele Münter im Kölner Museum Ludwig, bei der ich von der Schenkung ihrer und Wassily Kandinskys Bildern an das Lenbachhaus erfahren hatte, plante ich einen Besuch in München. Vor einigen Tagen war es so weit, Besuch der „weltweit größten Sammlung aus dem Künstlerkreis des »Blauen Reiter«“, so steht es in den Informationen des Museums, zweite Etage im Neubau.

Auf einem Foto gleich am Anfang der Ausstellung sehe ich schon meine beiden „Bekannten“ von der Ausstellung in Köln: Gabriele Münter inmitten der Münchner Malklasse von Wassily Kandinsky im Jahre 1902, der Meister zu erkennen an der scharfen Nasenlinie vorne rechts. An der Wand gibt’s auch einen kurzen Abriss der Geschichte: Die Malklasse machte Exkursionen nach Kochel und Kalmütz, wo Kandinsky und Münter sich verlobten.

1904 ging das Paar für längere Zeit auf Reisen nach Holland, Tunis, Rapallo und lebte ein Jahr in Sèvres bei Paris. Zu der Zeit muss es auch gewesen sein, als Kandinsky ein sehr schönes Portrait von Gabriele Münter mit großer grüner Schleife gemalt hat, im Jahre 1905 ist es datiert, gehörte zur Schenkung Gabriele Münters an das Lenbachhaus und ist in der Ausstellung zu sehen.

Im Sommer 1908 kehrten die zwei zurück nach München, mieteten eine Wohnung in Schwabing und entdeckten auf Motivsuche einige Kilometer südlich der Stadt den malerischen Alpenort Murnau am Staffelsee, geeignete Umgebung zum Malen. Davon überzeugten sie auch das russische Künstlerpaar Marianne Werefkin und Alexej Jawlensky. Viele der in Murnau entstandenen Bilder werden hier präsentiert. Da ist Münters Dorfstraße im Winter, das Bergpanorama aus dem Fenster des Gasthofs Griesbräu, wo sie sich eingemietet hatten, und der Blick auf den Staffelsee. Die Künstler malten sich gegenseitig beim Arbeiten in der freien Natur. Gemeinsam fanden sie zu einer neuen künstlerischen Sprache, der expressionistischen. Ohne den Gegenstand zu kopieren brachten sie ins Bild, was sie gerade fühlten. Da sind die Umrisse der Figuren nur so weit angedeutet wie nötig, die Farben extrem ausdrucksstark, dominiert von den Grundfarben rot, blau und gelb.

Aus „innerer Notwendigkeit“ heraus gestalten und die Seele des Betrachters berühren, ein Prinzip, das Wassily Kandinsky in seiner zur Murnauer Zeit entstandenen Schrift „Das Geistige in der Kunst“ ausführlich darlegt und im Zusammenspiel von Farbe, Form und Komposition weiter entwickelte. Seinen Bildern aus der Zeit ist ein großer Teil der Ausstellung gewidmet. In „Impression III (Konzert)“ stellt er ein musikalisches Erlebnis dar, wobei die Farbe Gelb eine besondere Rolle spielt. Die Zuhörer sind in undefinierten Farbflächen angedeutet. Ebenfalls im Jahre 1911 entstand das Bild „Improvisation 19“, in dem die Figuren nur in Umrissen gestaltet und durchsichtig sind. Die Farbe Blau vorherrschend als Darstellung von Gedanken, Gefühlen und Visionen, also dem Geistigen.

Übrigens hatte Gabriele Münter eine schöne kleine Villa oberhalb des Ortes Murnau gekauft, in der sie mit Kandinsky einzog und wo Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und auch andere Künstler zu Gast waren und ein reger künstlerischer Austausch zu neuen Ideen und Aktionen stattfand. Zwei Jahrzehnte später malte sie „Das Russen-Haus“, wie die Bewohner von Murnau es genannt hatten.

Zurück in das Jahr 1911: Das Foto zeigt Mitglieder des „Blauen Reiter“ auf einem Balkon in München. Der ältere Herr in der Mitte ist Bernhard Koehler, ein Onkel von August Mackes Frau Elisabeth, der Kunstwerke dieser Gruppe sammelte und dessen Nachlass im Jahre 1965 an das Lenbachhaus überging, darunter „Promenade“ von August Macke und „Blaues Pferd“ von Franz Marc. Dessen Malweise entsprach in besonderer Weise Wassily Kandinskys Gedanken von der „inneren Notwendigkeit“, Motive losgelöst von der Realität und reduziert auf „Das Geistige in der Kunst“. Da ist Franz Marcs „Blaues Pferd“ keine Kopie der Realität, sondern eine Darstellung des Wesens und der Seele des Tieres. Ich stehe vor diesem Bild und kann mich nicht satt sehen an diesem schönen blauen Pferd, ein einzigartiges Werk, entstanden im Jahre 1911. Und im Sommer dieses Jahres entstand bei Marc und Kandinsky in Marcs Gartenlaube in Sindelsdorf nahe bei Murnau die Idee, einen Almanach „Der blaue Reiter“ herauszugeben, in dem sie ihre Vorstellungen jenseits von akademischen Vorgaben hin zu expressionistischer Kunst bis zur Abstraktion zusammentrugen.

Der Ausbruch des erstes Weltkriegs im August 1914 beendete aprupt die schönen Entwicklungen der kreativen Künstlergruppen rund um München, Murnau und Sindelsdorf. August Macke fiel gleich in den ersten Wochen an der Front, Franz Marc zwei Jahre später bei Verdun. Wassily Kandinsky musste Deutschland verlassen. Das war auch das Ende der Beziehung zu Gabriele Münter.

München am 26. November 2019

Gabriele Münter im Ludwig – Köln im Oktober 2018
August Macke – ganz nah – Arnsberg im November 2019

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Veganer Mitbringbrunch im Dezember

Diesmal stand der monatliche vegane Mitbringbrunch unter dem Motto Zauber am 1. Advent d.h. das Buffet wurde erst nach der Vorführung des Zauberers Chucky-Magic gestürmt. „Ist das etwa alles vegan?“, fragte ein Teilnehmer. Normal! Für die bunten veganen Tellerchen gab es Gebackenes wie Linsenbraten, Gebratenes wie Falafel und panierte Steckrübenschnitzel, Salate wie Kartoffel-, Nudel-, Brokkoli- und Obstsalat. Und wieder jede Menge Sweeties wie Muffins mit Schokomoussetopping und mit Spekulatius, cooles Schokokonfekt, Apfel- und Pflaumencrumble mit Sahne und Milchreis mit lecker Apfeltopping.

Videoschwenk über das Buffet:
1. Dezember 2019 im Stadtteilzentrum FeidikForum in der Hammer City

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Gutenberg Museum

Mitten in der Mainzer Altstadt direkt gegenüber dem mächtigen Dom liegt das Gutenberg Museum, gewidmet Johannes Gutenberg, dem großen Sohn der Stadt, dessen Erfindung im Mittelalter die Kommunikation weltweit umgekrempelt hat. Die fand nämlich in Form von Kundgebungen auf Marktplätzen statt und mit handgeschriebenen Texten, weitestgehend in lateinischer Sprache.

Es muss um das Jahr 1450 gewesen sein, als Gutenberg in Mainz auf die pfiffige Idee kam, Buchstaben in Metall zu formen, in eine Bleimischung zu gießen und nach dem Erhärten daraus einen Stempel zu machen. Diese beweglichen Lettern fügte er zu einem Text zusammen, brachte Farbe darauf und machte von einer Seite so viele Abdrucke auf Papier wie er wollte. Im Untergeschoss des Museums wird dieser Vorgang erläutert sowie anhand einer Druckpresse die Herstellung eines Blattes vorgeführt. Die Bibel war das erste Buch, das Gutenberg mit dieser Technik herstellte. In einem extra abgedunkelten Schatzraum des Museums sind zwei von 49 erhaltenen Exemplaren dieses Werkes mit insgesamt 1282 Seiten zu sehen, entstanden um 1454 mit Hilfe von etwa 20 Mitarbeitern, heißt es in der Information.

Zurzeit erinnert das Museum mit einer Sonderausstellung an das 100-jährige Jubiläum des Bauhau, der berühmten Kunstschule in Weimar und später in Dessau. Entwicklungen der „Bauhaus-Typografie“ stehen im Fokus: „ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design. Drucken und Werben am Bauhaus“, Protagonisten Herbert Bayer, László Moholy-Nagy, Josef Albers und Joost Schmidt. Außerdem sind Werke angesagter Künstler der Avantgarde zu sehen zum Beispiel Lionel Feininger und Paul Klee, die zeitweise als Lehrer am Bauhaus tätig waren.

Beim Gängelchen in der Altstadt und rund um den Dom begegnet uns noch einmal der berühmte Sohn der Stadt hoch oben auf einer Säule vor dem Restaurant „Hans im Glück“ vis a vis dem Staatstheater. „Johannem.Gensfleisch.De.Gutenberg“, steht auf der Tafel unter der Statue.

Mainz am 23. und 24. November 2019

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November, Blues und Tanzgeister

Auf dem Weg über den Parkplatz flatterten mir die Blätter um die Beine, schön bunt, doch gar nicht lustig, verbesserten meine Laune keinesfalls. Die war nämlich grauer als grau. Dunkelstgrau. Der Blues. Ja, das war er, ließ sich nicht abschütteln. Andere hatten wenigstens um diese Jahreszeit einen Dämon, ich hatte nur diesen Blues in allen möglichen Facetten, musste jetzt womöglich wieder wochenlang mit ihm herumlaufen, mal dem Wetter-geht-mir-auf-den-Keks-Blues, dann dem ist-alles-nicht-mehr-wie-früher-Blues und eben in diesem Moment mit dem erinnere-mich-nicht-an-den-Tanz-Blues. Niemandem hatte ich die Gruselstory erzählt, mir würde sie ohnehin niemand glauben. Wie ich nur so dusselig sein konnte…

weiter im Kurzgeschichtenblog:
November, Blues und Tanzgeister

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