Veganer Mitbringbrunch in der Hammer City

Jeden ersten Sonntag im Monat gibt’s im Stadtteilzentrum FeidikForum in der Hammer Innenstadt einen veganen Mitbringbrunch. Jeder ist dazu eingeladen und sollte etwas Veganes zum Buffet beitragen. Am 1. September war es wieder so weit. Nach und nach trudelten sie ein und stellten etwas Veganes auf den Tisch, das Buffet füllte sich. Da gab es verschiedenen Frikadellen, Bulletten und Patties, sei es mit roter Beete, Bohnen, Sojagranulat oder Erbsenprotein, dazu verschiedene Dipps und Salate. Besonders gut schmeckten mir die Spinatquiche und die KartoffelZucchini Plätzchen, war beides leider zu schnell weg. Auch beim Dessert musste ich mehrmals zulangen, vom Plaumenkuchen über Obstspießchen, frische Feigen, Nussecken, Schokotorte bis zu Vanillecreme und vegane Sahne war alles da.

Mein veganes Tellerchen war schön bunt und lecker. Zwei Botschafterinnen vom Foodsharing in Hamm waren diesmal dabei und referierten über ihre Bemühungen, gegen Verschwendung anzukämpfen und Lebensmittel zu verteilen, die sonst verrotten oder weggeworfen würden.

Videoschwenk über das Buffet:
Veganer Mitbringbrunch in der Hammer City am 1. September 2019

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„Biedermann und die Brandstifter“

Das Häuschen des Fabrikanten Biedermann und seiner Frau Babette befindet sich in einer schönen Umgebung. Als eines Tages zwei Männer um Unterkunft auf dem Dachboden bitten, lässt Herr Biedermann das zu, obwohl in der Gegend Brandstifter ihr Unwesen treiben. Schmitz und Eisenmann werden sogar vom Dienstmädchen bewirtet. Als die beiden Gäste über Biedermanns Wohnstube mit Benzinfässern und Zündgeräten hantieren, zeigt er sich unbeeindruckt. Er sagt auch nichts, als es immer mehr Männer und immer mehr Benzinfässer werden. Und was glaubt ihr, was passiert? Eines Tages steht Biedermanns Haus in Flammen.

Fazit des Chorführers im Prolog:
„Feuergefährlich ist viel,
Aber nicht alles, was feuert, ist Schicksal,
Unabwendbares“

Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter, 1958

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Andorra ist überall. Vorurteile und Feindbilder

Ein Marktplatz in dem fiktiven Örtchen Andorra, die Lehrerfamilie mit Vater, Mutter, Tochter Barblin, Sohn Andri und Pater, Wirt, Doktor, Tischler, Senora, Geselle, Soldat, Jemand, außerdem ein Idiot, die Schwarzen, der Judenschauer, das andorranische Volk. Max Frisch Stück „andorra“ zeigt, wie durch Feindbilder, Vorurteile und Gleichgültigkeit das Handeln von Menschen beeinflusst wird. Das Feindbild wird verkörpert von Andri, den der Lehrer angeblich als Judenkind vor den Schwarzen gerettet und als Pfegekind aufgenommen hat. All die Vorurteile der Menschen werden beim Umgang mit Andri sichtbar, bis er selbst glaubt, er sei minderwertig und an allem Übel schuld. Schließlich wird er zu Tode gehetzt. Das Entsetzen ist groß, als sich herausstellt, dass Andri kein Jude, sondern der uneheliche Sohn des Lehrers und einer Schwarzen ist. Und wie könnte es anders sein: Keiner ist dabei gewesen und Niemand hat’s gesehen. Der Antisemitismus sei nur ein Beispiel, meint Max Frisch zur Uraufführung in Zürich im Jahre 1961.

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Nienbrügge an der Lippe

Wenn man im Hammer Norden vorbei an der Kindertagesstätte Bänklerweg in die Kornmersch fährt und anstatt der Kurve des Radweges geradeaus fährt, gelangt man auf ein weites grünes Feld mit Mulden und Büschen, begrenzt von Lippe und Kanal mit Hafenamt und -gebäuden im Süden, Hochwasserdamm und Nienbrügger Berg im Westen und der Kornmersch im Norden. Immer wieder zieht es mich in diesen Bereich in unmittelbarer Nähe meines Wohnortes, denn ich befinde mich auf historischem Gelände. Hinter den Büschen neben dem zurzeit fast ausgetrockneten Gewässer befand sich bis zum Jahre 1225 die Burg Nienbrügge, auf deren Spuren im Jahre 2011 und 2018 archäologische Ausgrabungen stattfanden. Die Ergebnisse sollen demnächst im Rahmen des Projektes „Erlebensraum Lippeaue“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ja, was war denn eigentlich in Nienbrügge los, dass so gar nichts mehr sichtbar ist von dem, was hier mal war. Nun, mit Machtgelüsten unter klerikalen und adligen Grundbesitzern hatte es zu tun. Graf Friedrich von Isenberg (1193-1226) passte es nicht, dass der Erzbischof Engelbert von Köln (1185-1225) sein Territorium im westfälischen Raum ausweiten wollte. So wurde der Feind kurzerhand in einem Waldstück bei Gevelsberg ermordet. Rache aus dem Rheinland war angesagt. Graf von Isenberg wurde am Kölner Severinstor auf dem Rad hingerichtet und seine Burg und Stadt Nienbrügge sowie die verbindende Brücke (Nienbrügge = neue Brücke) wurden zerstört. Graf Adolf von der Mark (1197-1249), auch immer bestrebt, seinen Machtbereich über die Burg Mark hinaus auszuweiten, gründete am Aschermittwoch des Jahres 1226 einige hundert Meter flussaufwärts im Winkel von Lippe und Ahse eine Stadt und nannte sie „Auf dem Hamme“, kurz „Hamm“. Dort wurden die Bewohner von Nienbrügge angesiedelt. So, und nun wisst ihr nicht nur, warum hier nur plattes Feld mit Büschen zu sehen ist, sondern auch, woher die Stadt Hamm ihren Namen hat und vor allem dass sich in diesem Gelände die erste Ansiedlung der Stadt Hamm befand.

September 2018: Nienbrügge vom Mitteldamm

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Save, go vegan!

Das Graffiti entdeckte ich im Dezember 2014 beim Unterqueren der Eisenbahnlinie in Köln-Deutz. Zu dem Zeitpunkt ernährte ich mich seit einigen Monaten vegan und mir kam zum ersten Mal der Gedanke, dass ich damit nicht nur meine Gesundheit schützte, sondern auch die Tiere und das Klima. In Zeiten von „FridayForFuture“ und Brandkatastrophe im Regenwald ist der Klimaschutz endlich in vielen Köpfen angekommen. Wer etwas tun will, sollte seine Ernährung umstellen. Das ist gar nicht schwer: stay vegan

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Radtour in den Hammer Süden

Es wird eine kurze Sonntagstour in den Hammer Süden über die Stadtgrenze hinaus bis in die Felder von Hilbeck. Von der Kornmersch im Hammer Norden biegen wir links ab in den Fahrradweg durch die Lippeaue vorbei an den neuen Flutmulden in der Schweinemersch zwischen Bahnlinie und Münsterstraße, die wir an der Hafenstraße verlassen, auf Parkwegen durch Nordring und Rothebach fahren und weiter Richtung Süden. Über die Eschenallee flitzen wir entlang des Pilsholz zum Caldenhofer Weg, dann durch die Felder zur Autobahnbrücke A2 nach Westtünnen und Osttünnen, durch den Wald nach Illingen, Wambeln und befinden uns schließlich nördlich von Hilbeck. Hier könnten wir Freunde besuchen. Die sind aber leider nicht zu Hause, sodass wir uns auf den Rückweg begeben.

In das Gelände von Gut Kump werfen wir einen Blick, fahren aber weiter, tangieren Flierich und finden in der Umgebung von Rhynern ein schönes Picknickplätzchen am Insektenhotel. Über Berge mit den bekannten Wassertürmen geht’s dann in die Hammer Innenstadt. Am Schwarzen Weg biegen wir nach links in die Wilhelmstraße, unterqueren die Eisenbahnlinie und fahren vorbei am Westausgang zu Eisenbahnbrücke, Nordenfriedhof und landen im Garten von Hupfelds Bistro, wo es Käffchen und veganen Pflaumenkuchen mit Sahne gibt.

Walters Track zur Tour: Radtour in den Hammer Süden

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Radtour vom Hammer Norden zum Kamen-Karree

Mal was ganz anderes. Mit dem Fahrrad zum schwedischen Möbelhaus im Kamen-Karree. Neue Bezüge für Sitzauflagen und Schreibtischlampe kann man auch in Fahrradtaschen transportieren. Walter hat einen Track in sein Handy geladen und los geht’s vom Hammer Norden entlang der Bahnlinie vorbei am Westausgang des Bahnhofs und dem Gelände der Westfälische Drahtindustrie nach Lohauserholz, weiter in südliche Richtung über Lohauserholz, Selmigerheide, Bönen, wo wir die Bahnlinie verlassen und über Werve und Heeren das Gewerbegebiet Kamen-Karree erreichen. Vor dem Eingang des Ikea Möbelhauses stellen wir die Räder ab, trinken erst mal ein Käffchen im Bistro, gehen hinunter in die Markthalle und finden einigermaßen schnell, was wir brauchen, die Kissenbezüge sogar günstiger als wir nach Katalog erwartet hatten.

Auf der Rückfahrt machen wir noch einen Schlenker auf die Terrasse einer Freundin in der Kamener City. Dann fahren wir auf dem Radweg entlang einer alten Bahntrasse, unterqueren die A2 am Kamener Kreuz und radeln großenteils durch Wohngebiete über Bergkamen und Rünthe zum Kanal, den wir überqueren und den Radweg entlang des Kanals erreichen. Bis auf ein paar kleine Schleifen radeln wir in östliche Richtung bis zur weißen Brücke, die die Hammer Stadtteile Herringen und Radbod miteinander verbindet. Nach der Überquerung haben wir die Lippe zu unserer Rechten. Nach einer Geduldprobe an der viel und zu schnell befahrenen Radbodstraße erreichen wir den Bereich Nienbrügge in den Lippeauen und von da flitzen wir über Schutzdamm und Kornmersch zügig nach Hause.

Walters Track zur Radtour: 23. August 2019 Hamm – Kamen (IKEA) – Hamm

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Ruhrtal Radtour von Winterberg nach Duisburg

Lange darum herum geredet „Wir müssen mal mit mit dem Fahrrad die Ruhrtour machen“ und endlich die Sache angepackt. 240 Kilometer von der Quelle in Winterberg bis zur Mündung in Duisburg sind kein Pappenstiel, da sehen wir vier Etappen vor d.h. Übernachtungen in Arnsberg, Schwerte und Hattingen. An einem Montag im August geht’s morgens auf die bepackten Räder, gegen 8:00 Uhr vom Hammer Bahnhof mit dem RRX nach Dortmund, von dort mit dem RE57 Richtung Hochsauerland. Gegen 10:30 am Bahnhof in Winterberg aussteigen, auf die Räder und ein paar Kilometer hoch zur Ruhrquelle in 674 m Höhe. Dann kann’s losgehen. Doch wo beginnt der Ruhrtal Radweg? Kein Schild! Gut, dass Walter einen Track vorbereitet hat. Wir fahren ein Stück steil bergab, durchqueren ein Rinnsal, das wohl der Fluss Ruhr werden will, und finden den Weg durch liebliche Berglandschaft, tangieren die Orte Niedersfeld, Wiemeringhausen, Assinghausen, Wülmeringhausen und erreichen vorbei an dem kleinen See bei Bigge, den wir schon auf der Bahnfahrt gesehen hatten, nach gut 25 Kilometern Olsberg zur ersten Pause. Die Ruhr hat sich inzwischen zu einem etwas breiteren Bächlein entwickelt. Über Bestwig und Velmede geht’s zum Teil entlang der Bahnlinie nach Meschede, wo wir auch kurz anhalten. In Freienohl gelangen wir endlich wieder an die Ruhr, der wir in einer Flussschleife bis Oeventrop folgen. Und hier erwischt uns ein heftiger Regenschauer, dem wir unter einem ziemlich durchlässigen Baum entfliehen wollen. Ein Pärchen mit Tandem ist schon da, auch aus Hamm, erfahren wir beim Anziehen von Regenjacke, -hose und -schuhen. Auf dem Radweg haben wir schon einen Blick auf unser heutiges Ziel Arnsberg. Im „Alten Backhaus“ die nassen Klamotten im Zimmer verteilen. Mit Regenschirm und trockenen Sachen machen wir dann ein Gängelchen zum Schloss, über den schönen Alten Markt und kehren ein zu gebackenen Auberginen- und Zucchinischeiben, grünem Risotto und Salat in der gemütlichen Stube des „Alten Backhaus“.

Heute heißt es erst einmal, gemütlich frühstücken und Regen abwarten. Dann geht’s ab an die Ruhrschleife, unten an der Brücke all die Schilder checken und über Obereimer, Niedereimer, am Fluss durch den Wald vorbei an Hüsten auf dem Marktplatz von Neheim Halt machen, im Bioladen ein Dinkelrosinenstütchen finden und weiter radeln über Echthausen nach Wickede, nicht weit vom Wildwald Voßwinkel, ansonsten naja. Schaun wir mal in Fröndenberg. „Suchen Sie was?“, fragt uns eine Frau. „Das ist schon alles“, meint sie auf unsere Frage nach Besonderheiten des Ortes. Immerhin ein imposantes schön restauriertes Fachwerkhaus mit Gastronomie und ein knallrotes Fahrrad vor einem Blumenladen auf dem Marktplatz, zwei Blickfänger. Eisdiele? Wir versuchen es noch in Halingen und Langschede. Fehlanzeige. Also kein Eis. Das Pausenplätzchen finden wir dann ein paar hundert Meter weiter hinter einer Kurve auf einer Bank zwischen Wiese und Feld. Und schon kommt auch das Hammer Tandem herangeflitzt. Kurzes Schwätzchen und weiter ein Stück weit entlang der Bahnlinie und querfeldein zum Etappenziel Schwerte. Unser gebuchtes Hotel „Reichshof“ liegt direkt am Bahnhof, also auch in der Nähe von City und Altstadt, durch die wir nach Einchecken und Umziehen bummeln bis zur „Rohrmeisterei“, einer stillgelegten zum Kulturzentrum umgebauten Pumpstation Auf der Speisekarte im Bistro finden wir vegane Buddhabowl und Linsen mit Kichererbsen, Kartöffelchen, Möhrchen und Spinat. Auf dem Rückweg kehren wir ein im Eiscafé „Venezia“ in der Fußgängerzone und gönnen uns Becher mit Mango, Banane, Heidelbeere, Himbeere.

Die dritte Etappe beginnt am historischen Posthaus, wo wir eine Geburtstagskarte zum siebten Geburtstag für unser Enkelkind einwerfen. Dann zum Abschied vorbei an der Rohrmeisterei zur Ruhr bis zum kurzen Stop an der Lennemündung mit Blick hinauf auf die Burgruine Hohensyburg. Wir befinden uns in der Nähe von Westhofen und können beim Weiterradeln entlang der Bahnlinie durch das Naturschutzgebiet Syburg die Nähe der sich dort kreuzenden Autobahnen A1 und A45 erleben, Natur pur und Autolärm. Nördlich von Hagen geht’s dann viele Kilometer ruhig weiger entlang des Hensteysees durch Herdecke bis zum Harkortsee, wo wir unterhalb der Burg Wetter Picknickpause machen. Dann fahren wir hoch zur Burgruine „Freiheit“ und weiter zur Zeche Nachtigall am Ruhrradweg. Käffchen, kurzer Infobesuch und dann Punktlandung auf der Fähre Hardenstein bei Witten. Beim Kemnader See können wir gar nicht anders: in einem Steinerund niederlassen zum zweiten Picknick und die Szenerie der Bochumer Naherholung an uns vorbeiziehen lassen: Radfahrer mit oder ohne Bosch Mittelmotor, Eltern mit Kinderwagen, Walker und Jogger, Skater, Wheelschairs und Menschen mit Rollatoren. In diesem schönen Bereich ist wirklich alles unterwegs, was Beine, Räder und Laune hat. Eigentlich nicht zu toppen und doch: Hattingen mit den drei Eisenmännern am Stadttor, Bügeleisenhaus, Zollhaus und weiteren Fachwerkhäusern ist einfach zauberhaft. Das frisch renovierte Zimmer im Hotel „Zur alten Krone“ mit schönen Ablage- und Aufhängemöglichkeiten für die übersichtliche Unterbringung für all die Utensilien von Radtouristen gefällt uns richtig gut. Abschluss der Tagesetappe findet am Draußentisch der „Alten Krone“ mit veganen Bruschette und Spaghetti mit Tomatensoße und mediterranem Gemüse statt.

Die vierte und letzte Etappe unserer Ruhrtour beginnt mit Anlegen von Regenjacke, -hose und -schuhen. Dann geht’s hinaus durch das Stadttor hinunter an die Ruhrschleife auf dem Leinpfad. In Bochum Dahlhausen können wir die Regensachen einpacken und radeln weiter über Kupferdreh an den Baldeneysee und eine ganze Strecke entlang des Gewässers bis Werder. Es zieht uns zur Mündung, zu der wir noch etliche Kilometer strampeln müssen, halten aber am „Aquarius Wassermuseum“ noch einen Informationsstop und wenig später zum kurzen Picknick aus der Fahrradtasche gibt’s auf einer Bank in Mülheim an der Ruhr, direkt am Fluss, das muss hier jetzt sein. Im Höllenritt kommen wir dem Ziel näher, überqueren bei Styrum eine richtig schöne farbige Brücke, die ich „blaues Wunder“ nenne, und tangieren die nächste Metropole im Ruhrgebiet. Wir befinden uns am südlichen Rand von Oberhausen. Duisburg ist nicht mehr weit, aber da erwischt es uns noch einmal heftig. Unter einem Baum packen die Regensachen wieder aus und müssen uns beeilen, damit wir und das Innere unserer Taschen nicht nass werden. Eine Autobahnbrücke ist in Sichtweite. Wir wagen die paar hundert Meter und warten im Trockenen auf dem Radweg unter der lärmintensiven A3 bei Duisburg. Als der Regen nachlässt, hält uns nichts mehr. Der regendurchweichte Schotterweg auf dem Deich südlich von Duisburg Ruhrort und Hafenanlagen führt uns an den gut sichtbaren Zielort. Schon aus einiger Entfernung ist die hohe Skulptur „Rheinorange“ zu sehen. Ein anderes Ruhrtourpärchen ist bereits unten an der Stelle, wo die Ruhr in den Rhein mündet. Wir gehen auch hinunter, fotografieren uns gegenseitig und freuen uns, dass wir das Ziel erreicht haben. Jetzt haben wir uns noch einen richtig schönen Abschluss verdient. Im Restaurant LoLu in der Duisburger Innenstadt gibt’s für uns vegane Vorspeisen, Pizza und Salatmix mit paniertem Feta. Der Duisburger Hauptbahnhof ist nur ein paar hundert Meter entfernt, zu erreichen durch die Fußgängerzone. Im RE1 fahren wir in einem guten Stündchen zurück zum Hammer Hauptbahnhof. Alles in allem eine richtig schöne Tour mit der reizvollen Kombination von Natur und Industriekultur, die es hier reichlich gibt.

Walters Tracks zur Ruhrtal Radtour:
12. August 2019 Winterberg – Arnsberg
13. August 2019 Arnsberg – Schwerte
14. August 2019 Schwerte – Hattingen
15. August 2019 Hattingen – Duisburg – Ruhrmündung – LoLu

Video:
15. August 2019 – Auf Ruhrtal Radtour unter der A3 bei Duisburg

Renates Veganblog:
Vegan essen auf Ruhrtal Radtour

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Fünf Jahre vegan

Alles fing an zu einem Zeitpunkt, als ich mich fragte, wie eigentlich Fleisch in den Supermärkten so billig angeboten werden kann. Und die Botschaft des Films „Gabel statt Skalpell“, in dem der Zusammenhang zwischen Fleisch- und Milchkonsum und Zivilisationskrankheiten wissenschaftlich nachgewiesen wird, traf bei mir direkt ins Schwarze. Anfangs war es schwierig, neue Wege der Ernährung und neue Freunde zu finden. Inzwischen gibt es in meinem Heimatort Hamm einmal im Monat richtig gut besuchten veganen Mitbringbrunch und Stammtischabende in wechselnden Restaurants. In meiner Stadt und auch in anderen Orten erlebe ich kaum noch Gastronomie ohne offenes Ohr für vegane Speisen. Inzwischen kann ich sagen, meine veganen Tellerchen sind bunt und lecker. Kurz gesagt: Fünf Jahre vegan und kein Zurück.

Was ich alles Leckeres esse, findet ihr in meinem Veganblog: Renate goes vegan

Was ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe, könnt ihr hier lesen: Stay vegan

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Deutsche Erinnerungen „Aus dem Gefängniß“

Theodor Althaus war sechsundzwanzig Jahre alt und verantwortlicher Redakteur der „Zeitung für Norddeutschland“ in Hannover, als er am 14. Mai 1849 vom Schreibtisch weg ins Gefängnis gebracht wurde. Was man ihm vorwarf? Staatsverrat. Den sollte er mit seinem Leitartikel „Der zehnte Mai in Frankfurt“ begangen haben. Doch nicht als Staatsverräter, sondern als „Märtyrer für die Reichsverfassung“ fühlte er sich. Ja, er war er einer der engagiertesten Kämpfer für den deutschen Staat, dessen Verfassung vierhundert Delegierte in der Frankfurter Paulskirche erarbeitet hatten, allesamt vom Volk gewählt. Doch die Umsetzung des Gesetzeswerkes scheiterte an der Selbstherrlichkeit von Monarchen, allen voran des preußischen Königs, der die Reichsverfassung nicht anerkannte. Mit dem Rücktritt des Präsidenten der Nationalversammlung Heinrich von Gagern am 10. Mai 1849 war das erste deutsche Parlament am Ende. Wer konnte es den Kämpfern für ein demokratisches Deutschland verdenken, dass sie aufbegehrten und auf die Straße gingen? Beginnend mit dem Dresdner Maiaufstand kam es in vielen Regionen Deutschlands zu Volkserhebungen, die alle mit Hilfe preußischer Soldaten blutig niedergeschlagen wurden. Das Verbrechen von Theodor Althaus bestand darin, dass er seine Leser dazu aufrief, im Königreich Hannover einen Landesausschuss zur Durchführung der Reichsverfassung zu bilden. Das Volk müsse das Gesetzeswerk notfalls auch mit Waffengewalt verteidigen.
Mit der Verhaftung war die bitter erkämpfte berufliche Laufbahn des jungen Redakteurs beendet. Dabei hatte sein Leben so vielversprechend begonnen. Als ältester Sohn des lippischen Superintendenten am 26. Oktober 1822 in Detmold geboren, herausragend begabt und gefördert hatte er alle Voraussetzungen, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Jedoch landete er nach glänzendem Abschluss des Studiums in Bonn, Jena und Berlin wieder im Detmolder Elternhaus. Als kritischer Geist hatte der Kandidat der Theologie keine Chance auf eine Anstellung. Er schrieb längere Abhandlungen und Artikel für freiheitlich orientierte Zeitungen. Mit Erfolg, seine brillanten Texte wurden gedruckt.
Was war aus der Aufbruchstimmung zu Beginn seines Bonner Studiums geworden, fragte er sich im Sommer 1846 auf seinen Wanderungen am Rhein, wenn „der Fuß mit jedem Schritt an eine faule Frucht der Geschichte stieß“? Ja, es war etwas faul in Deutschland. Einige Privilegierte besaßen alles im Überfluss und ein Großteil der Bevölkerung litt bittere Not. Althaus träumte von der Abschaffung des Geldes und stellte sich vor, es „in den Rhein zu senken wie den unseligen Nibelungenschatz“. In einem längeren Gedicht schrieb er sich seine Gedanken von einem Leben in Freiheit und Liebe von der Seele. „Eine Rheinfahrt im August“ wurde jedoch gleich nach Erscheinen bei Schünemann in Bremen von der preußischen Zensurbehörde verboten.
Schlagartig änderte sich die vormärzliche Stimmung, als am 24. Februar 1848 mit dem Sturz des Königs Louis Phillippe und der Ausrufung der französischen Republik ein nie geahnter deutscher Frühling bis in die letzten Winkel zog. Wie eine Befreiung erlebten die Menschen diesen Sieg im Nachbarland. Straßen und Plätze wurden schwarzrotgold geschmückt. Monarchische Herrscher konnten dem Druck der vielen Menschen auf der Straße nicht standhalten, ließen die Zügel locker, verkündeten Pressefreiheit und installierten in Windeseile Märzministerien. Plötzlich schien alles möglich. Ein sturmbrausendes Jahr hatte begonnen. Doch spätestens nach der blutigen Barrikadennacht am 18. März 1848 in Berlin, die Theodor Althaus als Korrespondent der Bremer „Weser Zeitung“ erlebte, wurde dem jungen Detmolder klar, dass der Weg zur Demokratie ein steiniger sein würde. Zwei Monate später berichtete er von der ersten Sitzung der Nationalversammlung in der Paulskirche und davon, wie ganz Frankfurt den neuen Präsidenten Heinrich von Gagern mit einem Fackelzug feierte. Es gebe zwar auch kritische Stimmen, schrieb er in seinem Artikel, doch glaube er, dass man schöne Zeiten erleben werde, Gagern sei ein „Mann des Volks“.
Die schönen Zeiten kamen nicht. Mit Erstarken der Reaktion geriet die demokratische Bewegung ins Stocken. Im Strudel der auf und abwogenden Entwicklungen wurde der junge Stürmer aus Detmold mitgerissen und geriet im Laufe des Jahres 1848 in ein berufliches Dilemma. Seine Leitartikel zum „Waffenstillstand von Malmö“ und zum Mord an Auerswald und Lichnowski während des Frankfurter Septemberaufstandes führten zum Zusammenbruch seiner Zeitung in Bremen. Mit der Gründung der „Zeitung für Norddeutschland“ in Hannover bekam er noch eine Chance, bemerkte aber nicht, wie er immer weiter in die Mühlen seiner reaktionären Gegenspieler hineingeriet, die dann auch bei nächster Gelegenheit zuschlugen

Etwas mehr als ein Jahr nach dem strahlenden deutschen Frühling im März 1848, fast zeitgleich mit dem Rücktritt Heinrich von Gagerns und dem Scheitern der Nationalversammlung, wurde Theodor Althaus festgenommen und war zunächst im „Gefängniß vor dem Cleverthor“ in Hannover inhaftiert, dann im Stadtgefängnis und schließlich im Staatsgefängnis St. Godehard in Hildesheim. Dort schrieb er im Winter 1850 seine Gedanken und Erinnerungen auf. So sind die Visionen von Theodor Althaus für die Nachwelt erhalten und lesen sich heute erstaunlich frisch, wenn er von Deutschland als weltgrößtem „literarischen Museum“ schreibt, von europäischem Geist sowie von freien Gemeinden anstatt feindlicher Religionsgemeinschaften. „Aus dem Gefängniß. Deutsche Erinnerungen und Ideale“ erschien beim Verlag von A. D. Geisler in Bremen.

Theodor Althaus: Aus dem Gefängniß. Deutsche Erinnerungen und Ideale

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