Berlin mit dem Fahrrad

Berlin mal mit dem Fahrrad erleben war die Idee für unseren Aufenthalt in der Hauptstadt. Die Frage, wie wir an Bikes kommen, erledigt sich, als wir im Innenhof unseres Hotels prima Leihräder entdecken. Nach dem Frühstück machen wir an der Rezeption die Sache klar, packen unsere Siebensachen in den Korb, stellen den Sattel auf die richtige Höhe und radeln los. Zunächst ein bisschen warm fahren, gemütlich entlang der Spree und schwangerer Auster, durch den Tiergarten, vorbei am Zoo zum Breitscheidplatz, wo wir schon so manches Stündchen gesessen haben. Spätestens bei den Betonelementen an der Budapester Straße werden wir erinnert, dass hier nichts mehr ist wie vorher. Und da stehen wir an der kleinen Gedenkstätte für die Toten des schrecklichen Geschehens am 19. Dezember 2016.

Warum tun Menschen anderen das an? Das frage ich mich auch, wenn ich an unsere heute geplante Tour entlang der Mauer denke, unvergessene Trennlinie in dieser einst mit unmenschlicher Willkür auseinander gerissenen Stadt. Durch den Tiergarten fahren wir zum Potsdamer Platz. Nach dem Mauerbau totes Grenzland. In den Neunzigern dann die rote Infobox, inmitten der grauen Wüste Visionen für die zukünftige Gestaltung dieses Platzes. Immerhin gibt es an der Potsdamer Straße noch ein paar winzige Stückchen Mauer, eher unscheinbar zu Füßen der mächtigen Giganten aus Beton und Glas. Der Radweg führt uns weiter über Niederkirchner- und Zimmerstraße, Bethaniendamm und über die Schillingbrücke auf die nördliche Spreeseite. In der Mühlenstraße ist entlang der Spree ein längeres Stück Mauer erhalten, die East Side Gallery. Mittlerweile ist diese bunte Bilderreihe touristisches Highlight, zurzeit besonders gut besucht, weil die der Spree zugewandte Seite eine Foto-Installation zeigt. „Beyond the Wall. Jenseits der Mauer“, Feindbilder und Ängste diesseits und jenseits der Mauer werden in großformatigen Portraits und Zitaten von Zeitzeugen dargestellt. Stefan Roloff hat das Werk geschaffen. Nach Lunchtime mit Goodies auf der Warschauer Straße überqueren wir die Spree über die Oberbaumbrücke und kommen nach Kreuzberg. Der Radweg führt entlang des Landwehrkanals. Brückenfoto und weiter. Irgendwann stehen wir im Schatten der Bäume im Treptower Park und entscheiden, zunächst zum Hotel und dann auch noch ein Stück den nördlichen Mauerweg zu fahren.

Nach Hotelpause geht es von der Invalidenstraße Richtung Bernauer Straße. Todesstreifen und Schießbefehl fällt mir sofort ein. Ich sehe dramatische Szenen. Von bewaffneten Polizisten verfolgte Menschen, die sich an Hausfassaden abseilen, um sich von Ost- nach Westberlin zu retten. Durch Errichtung der Mauer wurden die Stadtteile Prenzlauer Berg und Wedding, das heißt Familien und Freunde, willkürlich voneinander getrennt. Heute kaum vorstellbar, dass Menschen mit dem Leben bezahlten, um von Deutschland zu Familienmitgliedern und Freunden nach Deutschland zu kommen. Jetzt ist der Bereich entlang der Bernauer Straße mit Mauerpark in der Schwedter Straße Gedenkstätte für die Opfer der sinnlosen Gewalt.

Ja, was man mit dem Fahrrad auf Straßen und Plätzen der Hauptstadt alles erkunden kann. Auf dem Rückweg von Prenzlauer Berg zum Hotel machen wir noch einen Schlenker durch den Bereich der Kulturbrauerei in der Sredzkistraße.

Tracks zur Radtour am 17. August 2017:
Tiergarten, Breitscheidtplatz, Mauerradweg, East Side Gallery
Mauerpark und Prenzlauer Berg

East Side Gallery

Breitscheidplatz

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Ein Kommentar zu Berlin mit dem Fahrrad

  1. Luca Oles sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Artikel. Sie haben es geschafft, dass man sich mit einigen wichtigen Themen auseinandersetzt und auch darüber nachdenkt. Sehr eindrucksvolle Bilder, keine Frage…

    Ihre Fahrradtour durch Berlin finde ich sehr spannend. Auch dahingehend inspirierend, dieses Vorhaben selber als eigenen Urlaub zu planen. Schon oft durfte ich die Hauptstadt besuchen und ihre geschichtliche Kraft spüren. Es ist wie ein Mantel der Geschichte, der einem angezogen wird, wenn man Berlin besucht. Neben den ganzen spannenden Eindrücken der heutigen Einflüsse, lassen sich auch in vielen Lokalitäten die Ergebnisse geschichtlicher Ereignisse auffinden. Ein Mix aus alt und neu, der Berlin zu dem macht, was es heute ist.

    Das tolle an einer Fahrradtour ist der Aspekt der Flexibilität und Mobilität. So kann man in der gleichen Zeit mehr Kilometer schaffen als zu Fuß. Und Berlin ist so groß und hat so viel zu bieten, dass es schon beinahe schade wäre, wenn man nur einen kleinen Teil dieser inspirierenden Stadt aufnehmen würde. Heutzutage gibt es auch tolle Apps für das Smartphone, mit denen man Fahrradtouren einfacher gestalten kann. Auch ich bin begeisterter Nutzer solcher Apps und somit auch logischerweise Nutzer eines Smartphone. Schon einige Fahrradtouren wurden mit Hilfe solcher Apps bewältigt. Demnächst werde ich aber ein Smartphone Vertrag ohne Handy suchen, denn mein aktueller Vertrag entspricht nicht meinen Ansprüchen. Zudem ist mein aktuelles Handy noch einwandfrei funktionstüchtig.

    Berlin… eine tolle Stadt. Liebe Grüße!

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