Nordseeküsten Radtour von Hamburg nach Husum

Nach stürmischem Höllenritt durch die morgendliche rushhour in der Hamburger City erreichen wir die Elbe bei den St.-Pauli-Landungsbrücken und radeln über Hafenstraße, Fischmarkt, große Elbstraße, Altena, Neumühlen bis zum Museumshafen Övelgönne und Käffchen am Kiosk des Elbe Camp am Falkensteiner Ufer. Blankenese bringen wir trotz heftigem Gegenwind, Sturmspuren vom Vorabend (Orkan am 9. August) in Form von dicken Ästen auf dem Fahrradweg flott hinter uns und erreichen die Wedeler Marsch. Hier wird’s richtig stürmisch. Wir sind wohl die einzigen Radfahrer auf der Strecke, bis auf einen alten Mann in Gegenrichtung, mit dem wir ins Gespräch kommen. Noch ca. 3 Kilometer gegen den Sturm, meint er, da könnten wir einkehren und auch was essen. Das muss dann aber noch nicht sein. Wir fahren entlang der Haseldorfer Binnenelbe und Mühlenwurth zum Kaffee und Pflaumenkuchen an der Hohenhorster Deichstraße im gemütlichen Café Grote. Danach geht’s mit Rückenwind zwischen Feldern und zum Teil penetrantem Gestank von Gülle gen Osten zum Hotel drei Kronen in Elmshorn und nach einem Gängelchen durch die Elmshorner City zur veganen Fastenspeise im Restaurant Peking Ente in der Schulstraße.

Wir verlassen Elmshorn in westlicher Richtung parallel zum Flüsschen Krückau und erreichen auf Deichwegen die Elbe bei Kollmar. Im kleinen Hafen liegen die Boote bei Ebbe auf Sand. Und am Himmel braut sich was zusammen. Dunkelgrau drohende Wolken. Im Hafenkiosk einkehren? Wir fahren weiter, müssen uns aber ein paar Kilometer weiter unter einem Gebüsch unterstellen. Regen und Sturm aus westlicher Richtung, nicht zu knapp. Die Äste werden mächtig gebogen. Regensachen anziehen? Wir warten mal ab. Nach einer Weile fahren wir weiter, bis zum Hafen von Glückstadt. Schönes Städtchen zum Mittagspause machen, doch drohendes Grau von oben. Ein kräftiger Schauer während der Pizzapause im Dönerimbiss und ein zweiter während Kaffee und Kuchen im Bäckereicafé am Marktplatz. Dann klart der Himmel doch tatsächlich auf und wir haben nur noch gegen Meister Sturm zu kämpfen. Der ist wirklich heftig. Beim Abstecher zum Fähranleger fegt er uns fast vom Fahrrad, aber wir wollen uns mal ansehen, was diese Fähre über die Elbe so alles aufnehmen kann. Jede Menge Autos, Campingfahrzeuge, Motorrad- und Fahrradfahrer werden auf die anderen Elbseite nach Wischhafen gebracht. Wir haben aber diesseits der Elbe noch ein paar Kilometer vor uns und die haben es in sich, kilometerweit Sturm von vorne. Mit größter Anstrengung kommen wir nur ganz langsam voran, lassen das Atomkraftwerk Brokdorf rechts liegen und sind froh, dass wir an diesem Tag nur bis St. Margarethen fahren. Der Elbblick über den Deich hinweg aus dem Zimmerfenster im Margarethenhof entschädigt uns für die höllische Sturmfahrt. In der Spätnachmittagssonne beobachten wir einen Containerriesen, womöglich den ganzen Tag über im Hamburger Hafen beladen und nun auf dem Weg zur Fahrt über den großen Teich.

Ruhig geht’s auf unsere dritte Etappe. Vor dem Margarethenhof Fahrräder klar gemacht und los geht’s bei Sonnenschein ein paar Kilometer bis zur Fähre nach Brunsbüttel über den Nord-Ostsee-Kanal, der an dieser Stelle in die Nordsee mündet. Kleines Sightseeing durch die Brunsbütteler Fußgängerzone und dann ab durch die Felder ins Landesinnere nach St. Michaelisdonn, das wir im großen Bogen um Flug- und Golfplatz herum mit einigen Steigungen umfahren. Danach geht’s eine Weile entlang der Bahnlinie, dann nach Windbergen, wo uns auf dem sonntagsruhigen Kirchplatz eine kleine Bank zum Minipicknick aus den Fahrradtaschen einlädt. Die richtige Mittagspause machen wir dann in Meldorf, einem wirklich schönen Städtchen mit Marktplatz. Einkehrmöglichkeiten können wir aussuchen, alles da. Wir bekommen im Döner Imbiss einen feinen Falafelteller. Zügig radeln wir dann zum Meer und schauen uns beim Speicherkoog im Meldorfer Hafen ein bisschen um. Die mächtige Steinskulptur soll wohl den Kampf gegen die Naturgewalten, in dem Falle Sturmfluten, symbolisieren. Wir sind inzwischen im Bereich Dithmarschen angekommen und Küstenschutz ist hier ein lebenswichtiger Faktor. Entlang der Nordseeküste strampeln wir dann auch weiter und erreichen unser Ziel Büsum, wo wir direkt im Museumshafen und der belebten Einkaufsmeile ankommen. Zum Hotel radeln wir entlang des langen Küstenstreifens mit Strandkörben am Meer, in dem gerade emsig im Watt gewandert wird. Beim Verlassen des Zentrums bin ich froh, dass unsere Unterkunft außerhalb des Trubels liegt. Ohne Gepäck geht es später noch einmal hinein zum Buddha Gemüse im Asia Restaurant, Bummel durch die quirlige Einkaufsmeile und schönen Spaziergang oben auf der Promenade zurück zu unserer „Küstenperle“.

Heute haben wir auf dem ersten Teil der Strecke ein besonderes Ziel: Wir besuchen Freunde am Wesselburener Koog. Im gemütlichen Häuschen bekommen wir ein Frühstück mit feinsten Brötchen, Hummus, überhaupt mit allem, was das Veganerherz begehrt. Unmittelbar danach gehts ein paar Kilometer über den Deich am Eidersperrwerk und bei Vollenwiek hinein ins Land durch Garding, Katharinenheerd und eine ganze Weile durch Felder mit Güllegestank. „Mach mal Pause“ lesen wir plötzlich an der Eingangstür eines am Weg stehenden Hauses. Es ist die Schankwirtschaft Schmeerkrog südlich des kleinen Ortes Uelvesbüll. Pause. Warum nicht? Eine Kleinigkeit essen geht auch schon wieder. Tee mit frischer Minze aus dem Garten und Kornspitzbrötchen mit veganem Schmalz vom regionalen Betrieb „Zwergenwiese“. Zweifach gestärkt erreichen wir mühelos das idyllische Städtchen Husum. Unser Hotel „Altes Zollamt“ ist ein wunderschön restauriertes historisches Gebäude und prima genutzt, doch beim Betreten unseres gebuchten Standardzimmers schauen wir einander ratlos an. Wohin mit unserem Gepäck? Mit Doppelbett ist der Raum bereits voll. Ich gehe runter zur Rezeption und wir können gegen Aufpreis von der „Grauzone“ umziehen in den „Großcontainer“. Zwar ein bisschen groß, aber sehr schön für zwei Nächte. In „Alex Kitchen“ in der „Roten Pforte“ gibt’s vegane Burger mit Backofenkartoffeln, Salat und IngwerZitronenCocktail, später dann ein abendliches Gängelchen zum Husumer Schloss und durch die Gassen vorbei am Haus von Theodor Storm, dem großen Sohn der Stadt, zurück zum „Alten Zollamt“ am Hafen.

Fazit unserer Radtour in vier Etappen von Hamburg nach Husum:
Die Radwege waren zum Teil in erbärmlichem Zustand, wir nannten sie irgendwann Hoppelstrecken. Beim Durchfahren von Feldern war der Güllegestank stellenweise unerträglich. Das Frühstück in den Hotels war für uns Veganer in jedem Falle eine Enttäuschung. Dabei wäre es so einfach, anstatt Rühr- und Spiegelei ein paar Scheiben Aubergine, Paprika oder Zucchini anzubraten und vegane Aufstriche des regionalen Herstellers „Zwergenwiese“ anzubieten. Landschaftlich war die Tour durchweg schön mit interessanten Zwischenstopps schönen Städten (Glückstadt, Meldorf, Husum), in Häfen, an Sperrwerken und Fähranlegern, zum Beispiel dem auf Nordstrand, von dem wir einen Tag später eine Schiffstour zur Hallig Hooge machten.

Walters Tracks zur Tour:
10. August 2018 Hamburg – Elmshorn
11. August 2018 Elmshorn – St. Margarethen
12. August 2018 St. Margarethen – Büsum
13. August 2018 Büsum – Husum

Hamburg mit Thunderstorm am 9. August 2018

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