„Escher im Palast“

„Escher im Palast“ beginnt auf dem Parkplatz in den Dünen von Scheveningen. Nach Gängelchen über Seebrücke und Strandpromenade zuckeln wir mit der Straßenbahn direkt ins Zentrum von Den Haag. Dort gibt’s Lunch im Bistro und kleine Bummelei am Gewässer mit Möwen. Am Ende einer breiten Allee steht der ehemalige Palast der holländischen Königin Emma, Ururgroßmutter des heutigen Königs. „Escher in het Paleis“ heißt seit einigen Jahren das Motto. Präsentiert werden Werke von Maurits Cornelis Escher (1898-1972), gut bekannt aus Douglas R. Hofstadters Bestseller „Gödel, Escher, Bach“. Tickets kaufen, Jacken einschließen und in Raum 1 stehen vor dem wandgroßen Konterfei des Meisters, symmetrisch verdoppelt links und rechts des Türrahmens.

Wasserfall (1961)

Belvedere (1958)

Relativität (1953)

Nach Biografie und Informationen zu Inspirationquellen, Arbeitsweisen und -techniken geht der Weg zu den Werken des holländischen Künstlers, zu dessen grafischen Darstellungen Hofstadters Untertitel „ein Endloses Geflochtenes Band“ wirklich gut passt. Von „seltsamen Schleifen“ spricht der Autor und es ist schon faszinierend, vor der Konstruktion im Bild „Wasserfall“ zu stehen und den Fluss des Wassers zu verfolgen, auf das Wasserrad, dadurch angetrieben hinauf, hinauf, hinauf, hinauf, runter auf das Wasserrad, hinauf, hinauf und immer so weiter. Endlosschleife als Perpetuum Mobile? Geht das wirklich? Und was ist mit der seltsamen Würfelkonstruktion in den Händen des sitzenden Mannes am Fuße des Aussichtsturmes „Belvedere“? Er scheint die Figur in den Händen hin und her zu drehen, zu betrachten, von allen Seiten, immer wieder, vor sich auf dem Boden eine Skizze. Ratlos. Das Ding sieht doch exakt aus wie ein Würfel, doch irgendwas stimmt mit einer Kante nicht, die ist seltsam verkehrt, müsste im Vordergrund sein, ist jedoch im Hintergrund. Eine weitere Verwirrspezialität von Escher sind wechselnde Perspektiven. Im Bild „Relativität“ wandert mein Blick mit den Figuren durch ein Treppengebäude, treppauf, treppab, in allen Richtungen, nach oben, nach unten, immer wieder, ohne Ziel, bis er endlich an einer Stelle zur Ruhe kommt. Oben links im Bild verlasse ich als Teil des umschlungenen Pärchens durch ein Bogentor das Gebäude und gelange hinaus in einen blühenden Garten.

Vorbei an Eschers „Metamorphose“, dem langen Band der ständigen Wandlungen dargestellt mit Ornamenten aus Geometrie, Fantasie und Tierwelt, die ineinander übergehen und schließlich als endloses Band zum Anfang finden, geht’s ins Treppenhaus. Das wird beleuchtet von einem dieser schön gestalteten Kristallleuchter, die der Rotterdamer Künstler Hans von Bentem extra für diesen Palast geschaffen hat. In den oberen Stockwerken werde ich mit dem Meister der Illusion Teil seiner verspielten Welt der Wunder, Rätsel, Magie, Phänomene, Zauberspiegel und optischen Täuschungen. Da spiegle ich mich in einer Silberkugel, befinde mich im Inneren eines Würfels und weiß nicht, wie ich hineingekommen bin und betrete einen Raum, dessen Fußboden sich im selben Moment in eine Treppe verwandelt. Gehe ich hinunter oder hinauf? Doch an diese Verwirrspiele hab ich mich inzwischen gewöhnt und gehe beherzt weiter. Wenn ich allerdings denke, beim ruhigen Sitzen vor der Videoanimation „The Escher Experience“ könnte ich mal fein die Seele baumeln lassen, hab ich mich doch getäuscht. In Endlosschleifen, Verdrehungen, Verzerrungen, Verschachtelungen, ineinander verschlungenen Figuren erlebe ich die ganze eschersche Zauberwelt noch einmal geballt in Kurzform.

Mein Fazit: „Escher im Palast“ ist ein Gesamtkunstwerk. Volle Empfehlung!!!!!

Eschermuseum am 10. November 2017

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