Mit „Lupia“ über die Lippe

Wir wollten eine kleine Radtour machen und hatten mal wieder Lust, beim Schloss Oberwerries mit der „Lupia“ den Lippefluss zu überqueren. Entlang der Kornmersch bis zum Bockumer Weg, den überqueren und flugs an die Geinegge radeln. Dieses Bächlein führte uns bis zur Warendorfer Straße, in der es einen vorbildlichen Fahrradweg gibt, auf dem wir die Bahnlinie nach Hamm-Münster unterqueren und bis zur Münsterstraße (B63) fahren. Nach dem Kreisel und einem Stück Sachsenring, links abbiegen und ein Stück schön gemütlich Pättkes durch Wiesen bis Vogelsang fahren. Dann geht’s im Ostermontagstrott durch das alte Dorf Heessen, wieder Pättkes durch Wiesen und Felder, ein winziges Stückchen Dolberger Straße in östliche Richtung und da sehen wir schon das Wasserschloss Oberwerries.

Durch das Tor geht’s in den Innenhof, wo vor einem der schönen Gebäude gerade Restaurierungsarbeiten laufen. Dann aber nix wie runter zur Lippe. Da warten schon etliche Radfahrer auf die kleine Überfahrt mit der Lippefähre „Lupia“, die „Mann“ mittels einer langen Kette selbst in Bewegung bringen muss. Diskussion, Sprüche, Gelächter, Geschiebe und dann hinauf mit den Rädern, über den Fluss ans andere Ufer, immer wieder ein Spaß. Die Rückfahrt folgt weitgehend entlang der Kanaltrasse, nach Überquerung der Fährstraße über den Damm in den Lippeauen, Münsterstraße elegant unterqueren und ruck zuck über die Kornmersch zur Bankerheide.

Walters Track zur Lupia Radtour am Ostermontag

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Schloss Nordkirchen

„Schloss Nordkirchen liegt inmitten eines großzügigen Landschaftsparks und ist das größte und bedeutendste unter den westfälischen Wasserschlössern. Das barocke Ensemble aus weitläufigen Gebäuden, Gräften, Gärten und Parks mit Skulpturen und einer kostbaren Innenausstattung gilt als das „westfälische Versailles“ und als Gesamtkunstwerk von internationalem Rang“, heißt es auf der Homepage dieses historischen Bauwerks mit bemerkenswertem Barockgarten. Durch eine schattige Baumallee umwandern wir die Gräfte und gelangen in den großen Innenhof. Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg hat im Jahre 1694 die Wasserburg gekauft und einige Jahre später den Grundstein für das heutige Wasserschloss gelegt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde viel Geld investiert, um es zu dem zu machen, was heute dank intensiver Nutzung als Fachhochschule für Finanzen sowie für Ausstellungen, Musikevents und Trauungen erhalten ist.

Durch ein Tor, das eigentlich wohl der Eingang ist, gehen wir hinaus, wieder entlang der Gräfte, schauen einer Entenmutter mit ihrer putzigen Kinderschar zwischen den Wasserpflanzen zu und gehen in den imposanten Barockgarten, symmetrisch angeordnet mit Skulpturen, der mich an den Herrenhäuser Garten erinnert, genauso schön, zumal zum Spaziergang an diesem strahlenden Ostertag.

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Lake Street Dive in Köln

Kann eine Band mir unbekannter sein als „Lake Street Dive“? Entdeckt haben wir sie zufällig in einem Elektronikladen bei ihrer Werbeperformance für ein Soundgerät. Dieser Sound gefiel uns so gut, dass wir die nächste Gelegenheit wahrnahmen, die Musiker live zu erleben. So pilgerten wir durch die Kölner Südstadt zum Bürgerhaus Stollwerck am Trude-Herr-Park. Schnell war der Saal gut gefüllt, doch es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis nach Vorband und unendlich langem Check der Instrumente und Mikrophone fünf Leute auf die Bühne kamen, Schlagzeuger, Gitarre spielender Trompeter, Keyboarder, die kleine Bridget Kearney am riesengroßen Contrabass und Sängerin Rachael Price. Die Performance in Köln hielt allen Erwartungen stand. Eine gute Stunde lang gab’s Musik vom Allerfeinsten. Genre? Alles, was sich gut anhört, an dem ich mich gar nicht satt hören kann, zum Beispiel Bridgets Basssolos und vor allem der außergewöhnliche Gesang von Rachael Price.

Auf Renates Kanal könnt ihr reinhören: Lake Street Dive am 17. April 2019 in Köln

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Folkwang, Bauhaus, Feininger

„Bauhaus am Folkwang“ ist das Motto von drei Kabinettausstellungen im Jubiläumsjahr 2019. Ausgangspunkt ist „die historische Verbindung“ zwischen Bauhaus und Museum Folkwang. Sie lässt sich durch den engen Kontakt zwischen Museumsgründer Karl Ernst Osthaus und dem späteren Direktor des Bauhauses Walter Gropius bis ins Jahr 1908 zurückverfolgen, heißt es in der Presseerklärung. Die erste Kabinettausstellung widmet sich dem im Bauhaus Gründungsjahr 1919 von Gropius an das „Staatliche Bauhaus“ in Weimar berufenen Lyonel Feininger, Urheber der ersten Veröffentlichung dieser neuen Schule der Kunst. Vier der „Zwölf Holzschnitte von Lyonel Feininger“ mitsamt der Mappe sind in einer Vitrine vor einem wandgroßen Foto der Druckpresse zu sehen. Das Werk befindet sich im Besitz des Museums.

Fasziniert stehe ich vor einem weiteren Blatt aus diesem Portfolio, „Die Spaziergänger“ ist der Titel. Hoch oben über den Menschen fährt eine schnuckelige Eisenbahn über eine viaduktähnliche Brücke. Außer der ersten Bauhaus Mappe befinden sich alle weiteren Exponate dieser feinen Ausstellung im Fundus des Museums Folkwang. Gleich neben den Spaziergängern wird in einer Vitrine ein verspieltes kleines Werk präsentiert: eine Stadt aus lustig bemalten Holzhäuschen. Herausragend sind natürlich vier Gemälde in Öl auf Leinwand, mit dabei das Highlight dieser Ausstellung, ein Motiv, das Lyonel Feininger Jahrezehnte seines Künstlerlebens beschäftigt hat: Die Dorfkirche eines thüringischen Örtchens in der Nähe von Weimar, das auch dem Werk seinen Titel gegeben hat: „Gelmeroda IX“.

Selfiespielerei vor dem Zerrspiegel im Foyer: Spiegelwand im Folkwang II

Bauhaus in Münster

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Erlebniseinkauf bei Rampspeck

Wenn ihr mal in Alsfeld seid und sogar auf dem Alsfelder Marktplatz mit dem berühmten Rathaus, steht ihr direkt vor einem Laden, den Carl Rampspeck im Jahr 1823 eröffnet hat. Da kann ich euch nur wünschen, dass er auch gerade geöffnet hat, denn der Eintritt in diesen Laden am Markt 10 ist ein einzigartiges Erlebnis. Das ist mehr als ein Laden. Ramspeck ist Kult.
Gestern war ich dort: Beim ersten Schritt bekam ich unwillkürlich ein Schmunzeln ins Gesicht. Schon im Eingang wusste ihr gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Rechts, links, oben, unten, überall stehen und hängen schöne Sachen, seien es unglaublich schön gestaltete Tassen, Porzellan- und Glasfiguren, Metallskulpturen, besonders schöne Postkarten d.h. Geschenkartikel aller Art. Doch auch Alltagsgegenstände für Küche, Keller und Garten finde ich in allen möglichen Variationen von skurril bis schön und wunderschön. Auch nützlich wie die zwei Kochtöpfe, für die ich hineingekommen war.

Als ich die an der Kasse abgelegt hatte, wollte ich doch noch mal weiter schauen, ging durch und da ging’s auch noch in den Hof, fein gepflastert und in Vorostertagen natürlich österlich geschmückt und sortiert mit Hasen und Eiern vom Feinsten. Selbst nach dem Bezahlen entdeckte ich beim Hinausgehen noch eine Treppe. Die führte in den Gewölbekeller. Und auch hier: Staunen über Schönes, Nützliches, Kurioses, Skurriles. Und wie ein Highlight zum Abschluss ein Schild, das für dieses einzigartige Einkaufserlebnis super passte:
„Das Schönste, was wir entdecken können, ist das Geheimnisvolle“.
Was für ein Laden!
Unvergleichlich!!!!!

Alsfelder Marktplatz

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Über die Brücke in den Kölner Hauptbahnhof

Der Moment, wenn man sich im ICE dem Kölner Hauptbahnhof nähert, sich ans Fenster stellt, den Deutzer Bahnhof verlässt, den Triangelturm links liegen lässt, das Reiterdenkmal erreicht und über die Geländer der Hohenzollernbrücke hinweg den Rhein und das ganze Kölner Panorama mit Schiffen, Stapelhäusern, Groß St. Martin, endlich die zwei Türme des Doms entdeckt und man sachte in das Gleis einschwebt.

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Fahrradtour zum Haldenzeichen Radbod

Unsere Radtour beginnt im Hammer Norden vom Bänklerweg, Sudetenweg, Heidewinkel zum Kleingarten am Killwinkel. Dort biegen wir links ab auf die Kohlenbahntrasse und fahren ein Stück entlang der Marathonstrecke zum ehemaligen Zechengelände Radbod. „An den Fördertürmen“ heißt die Straße. Die fahren wir weiter, rechts das Kulturrevier Radbod und drei alte Fördertürme, links das Maschinenhaus und auf die Halde zu.

Auf der gibt es inzwischen das dritte Haldenzeichen in Hamm. Über lange sanft ansteigende Wege geht’s hoch und über die Serpentinen der begehbaren Skulptur auf die Aussichtsplattform mit Blicken in alle Richtungen. Südöstlich sehen wir die zwei weißen Brücken über Lippe und Kanal. Über die fahren wir dann weiter zum Lippepark, gehen noch kurz hoch zum dortigen Haldenzeichen Schacht Franz. Nach Überquerung der Dortmunder Straße fahren wir weiter den Zechenweg, finden ein Rastplätzchen beim Barfußpfad, von wo wir schon das neueste Haldenzeichen Humbert beim Bergwerk Ost entdecken, das aber noch nicht freigegeben ist. Die Kissinger Höhe lassen wir dann links liegen, überqueren bei Pelkum die Kamener Straße. Dann geht’s über Wiescherhöfen, Selmigerheide entlang der Bahnlinie, Drahtindustrie und Eisenbahnbrücke zurück zum Hammer Norden.

Walters Track der Tour mit Haldenzeichen Radbod am 30. März 2019

Haldenzeichen Schacht Franz im Lippepark
Haldenzeichen Kissinger Höhe beim Bergwerk Ost
Baudenkmal Zeche Radbod

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Begegnung mit Alexander von Humboldt

gemalt von Julius Schrader im Jahre 1859, im Hintergrund der Chimborazo

„Ich empfange jedes Jahr durchschnittlich dreitausend Briefe und beantworte etwa zweitausend“, erklärte der 86-jährige Alexander von Humboldt dem 60 Jahre jüngeren Studenten Friedrich Althaus im Sommer 1856 beim Besuch in der Oranienburger Straße in Berlin. Aus Deutschland, Italien, Frankreich, England und Amerika kamen die Briefe an den weltberühmten deutschen Naturforscher, bei dessen Erwähnung ich zuerst an die Erforschung des Rio Orinoco und die Tour 5600 m hoch auf den Vulkan Chimborazo denke.

Briefwechsel und Gespräche Alexander von Humboldt’s mit einem jungen Freunde. Aus den Jahren 1848 bis 1854. Berlin. Verlag von Franz Duncker. (W. Besser’s Verlagshandlung.) 1861

Ein herausragender Geist seiner Zeit, auch noch im hohen Alter, als Friedrich Althaus das Glück hatte, ihm in etlichen Besuchen in Potsdam und seiner Wohnung in Berlin zu begegnen und eine schöne Freundschaft zu entwickeln. Ein Jahr nach Humboldts Tod dokumentierte und publizierte der jüngere Bruder von Theodor Althaus seine Gespräche und Briefwechsel mit dem Wissenschaftler, dessen Werk „Kosmos“ ihn und seine Kommilitonen im sogenannten „Kosmischen Kränzchen“ in Bonn beschäftigt hatte.

Die Faszination dieser schillernden Persönlichkeit hält an. Noch heute sind Studierendengruppen mit Humboldts Entdeckungen in den Bereichen Geologie, Botanik, und Astrologie beschäftigt, vor allem an der Berliner Humboldt-Universität, wo in diesem Jahr zum 250. Geburtstag in besonderer Weise des Entdeckers, Naturforschers, Weltvermessers und Kosmopoliten gedacht wird. Nach dem Motto #WirSindHumboldt wird das Humboldtjahr mit Vorlesungen, Festwoche, Sommerfest und anderen Aktionen ausgiebig gefeiert. 25 Studierende der Geographie unternahmen im März 2019 eine Exkursion nach Teneriffa und begaben sich auf die Spuren des derzeit 30-jährigen Alexander von Humboldt, der auf dem Weg zur Expedition nach Südamerika zwei Wochen auf der Kanareninsel verbrachte. Wie einst Humboldt beschäftigten sie sich mit Fauna, Flora, Kultur und Landschaft, wanderten auf Vulkanwegen, schauten in Kraterabgründe, vom Gipfel des Teide hinunter auf Städte, den atlantischen Ozean und sahen in der Ferne La Palma, La Gomera, El Hierro und Gran Canaria.

Blog der Studierendengruppe zur Exkursion nach Teneriffa im März 2019

Humboldt, Althaus, Kosmos

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Humboldt, Althaus, Kosmos

Episode aus: Theodor Althaus. Revolutionär in Deutschland

Während seiner Haft im Staatsgefängnis St. Godehard in Hildesheim hatte Theodor Althaus im Winter 1850 Zugang zur Hildesheimer Dombibliothek. Er las Hölderlins „Empedokles“, Richard Wagners „Kunstwerk der Zukunft“ und machte in den Werken von Flavius Josephus, einem Schriftsteller und Historiker aus dem ersten Jahrhundert nach Christus eine interessante Entdeckung. Er fand eine Textstelle, die Alexander von Humboldt in seinem geographisch historischen Werk „Kosmos“ nicht erwähnt, also wohl übersehen hatte. Es handelte sich um die Überlieferung einer Reise des griechischen Handelsmanns Koläus von Samos, der im 7. Jahrhundert v. Ch. als erster Seefahrer die „Säulen des Herkules“, so nannte man die Meerenge von Gibraltar, durchquert hatte, was bewies, dass der Erdkreis über das Mittelmeer hinaus reichte. Das ließ den Geschichtsschreiber Strabo vermuten, dass im Westen noch ein ferner Inselkontinent existierte. Am 22. Februar 1850 informierte Theodor Althaus den achtzigjährigen Humboldt in einem zweiseitigen Brief über diesen interessanten Zusammenhang, was der mit einem ehrlichen Dank und guten Wünschen für seine Zukunft beantwortete.

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Vorparlament in der Paulskirche am 31. März 1848

aus: Theodor Althaus. Revolutionär in Deutschland

Auf der Rückfahrt nach Leipzig war von anarchischer Schwüle [in Berlin nach der Blutnacht vom 18. zum 19. März 1848] nichts mehr zu spüren. Deutsche Fahnen wehten auf den Bahnhöfen und viele Menschen trugen Bänder in Schwarz-Rot-Gold. Nach den Aufständen in Palermo, Paris, Wien, Baden und Berlin gingen die Menschen auf die Straße, wo sich die Empörung über die Knechtschaft der vergangenen Jahrzehnte entlud. Der Anbruch einer neuen Zeit wurde gefeiert, ein deutscher Frühling. Aus Furcht vor weiteren Unruhen erteilten die Könige und Fürsten in den Ländern eiligst Lockerungsregelungen von den Karlsbader Beschlüssen, wie Friedrich Wilhelm IV. in Preußen, Friedrich August in Sachsen und Ernst August in Hannover mit beschwichtigenden Proklamationen, Aufhebung von Pressezensur und Versammlungsverbot, Ministerien wurden eiligst ausgewechselt und Versprechungen gemacht hinsichtlich Bürgerwehren anstelle von gehorsamem Militär.

Althaus‘ Freunde in Leipzig hatten unterdessen nicht geschlafen. Robert Blum hatte auf dem Marktplatz vor Hunderten Zuhörern vom Balkon des Rathauses eine bejubelte Rede gehalten, in der er den Rücktritt der sächsischen Regierung forderte und dafür plädierte, das derzeitige Soldatentum abzuschaffen und alle Bürger zu bewaffnen, damit man mit den jungen Brüdern Hand in Hand gehen könne. Arnold Ruge hatte Die Reform gegründet, ein Organ für eine breite Leserschaft mit dem Ziel, bei allem Enthusiasmus über die errungenen Erfolge Klarheit in das Chaos der verschiedenen Meinungen, Begriffe und Sprachregelungen zu bringen.

Auf der großen politischen Bühne hieß es jetzt zügig handeln, damit das durch die revolutionären Erhebungen gewonnene Potential nicht verpuffte. Einundfünfzig Männer hatten bereits Vorarbeit geleistet. Auf Einladung von Johann Adam Itzstein aus Hallgarten waren sie zusammen gekommen und hatten am 5. März 1848 die sogenannte Erklärung der Heidelberger Versammlung formuliert, in der sie auf Vorschlag von Theodor Welcker sieben Mitglieder benannten, die für alle Länder des Deutschen Bundes eine Nationalvertretung vorbereiten sollten. Dieser Siebenerausschuss tagte am 12. März 1848 und brachte eine Einladung an die Ständemitglieder und eine Auswahl von Vertrauensmännern aus allen Ländern zu einem Vorparlament auf den Weg. Das berufene Gremium sollte die Grundlagen zur Wahl der Mitglieder einer gesamtdeutschen Nationalversammlung schaffen und am 31. März 1848 in Frankfurt zusammen kommen.

Im Wohnzimmer von Robert Blum tagte wieder ein kleiner Kreis, um vor seiner Abreise nach Frankfurt zur Teilnahme am Vorparlament die dort zu vertretende politische Richtung zu besprechen. Man diskutierte wild durcheinander und kam stundenlang nicht auf den Punkt, bis schließlich der Hausherr das Wort ergriff und kurz erklärte, wo es lang gehen sollte. Wer konnte das besser einschätzen als Blum? Er hatte als jahrelanges Mitglied des Hallgartenkreises sowie des Leipziger Stadtparlaments den Überblick, genoss das Vertrauen der Bevölkerung und war ein Meister der Rede, der Organisation und der Beschaffung von Mehrheiten nach demokratischen Prinzipien. Seine Überzeugungskraft suchte ihresgleichen. Wenn er sprach, hörte jeder zu. Das stellte auch Althaus an jenem Abend in Blums Wohnung bewundernd fest.

Das Vorparlament mit 574 Teilnehmern tagte vom 31. März bis zum 3. April 1848 in der Frankfurter Paulskirche. Es sah seine Aufgabe darin, die Art und Weise der Bildung einer parlamentarischen Nationalversammlung mit dem Ziel der Erarbeitung einer Verfassung für ganz Deutschland festzulegen und wählte aus seinen Reihen einen Fünfzigerausschuss, der in Absprache mit der Bundesversammlung den Wahlmodus für die Mitglieder der Nationalversammlung festlegen sollte. Robert Blum gehörte diesem Fünfzigerausschuss an. Die Leipziger Angelegenheiten regelte er während seiner Abwesenheit zusammen mit Vertrauten aus der Entfernung. Auch Theodor gehörte dazu. Blum wusste, dass er sich auf ihn verlassen konnte. Seinem Schwager und engem Mitarbeiter Georg Günther schrieb er am 13. April 1848: Wenn Althaus etwas schreibt, dann ist das gewiss gut, und ich bin im voraus damit einverstanden.

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