„Der böse Expressionismus“

„Der böse Expressionismus. Trauma und Tabu“. Die derzeitige Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld eröffnet mir eine spezielle Sichtweise auf diese Epoche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Rigide Normen, vor allem tabuisierte Sexualität wurden von vielen Künstlern als Trauma empfunden. Ich stehe vor Bildern mit nackten Menschen in Ateliers und in der Natur, weibliche Brüste und Intimbereiche provokant hervorgehoben. In einem Raum werden Skizzen von Ernst Ludwig Kirchner gezeigt, in denen er detailliert sexuelle Handlungen und Praktiken darstellte. „Oft stand ich mitten im Coitus auf, um eine Bewegung, einen Ausdruck zu notieren“, lese ich im Banner an der Wand. Rebellieren, provozieren, und das möglichst drastisch. Dieser „bösen“ Lust an der Zerstörung der steifprüden Bürgerlichkeit schien der Ausbruch des ersten Weltkrieges zunächst entgegen zu kommen. Das änderte sich mit zunehmenden Kriegsschrecken. Kirchners „Selbstbildnis im Morphiumrausch“ (1917) zeigt ihn mit völlig zerstörten Gesichtszügen, George Grosz malte sich selbst als Dandy im Bordell mit weißem Gesicht und Skelett, „Der Liebeskranke“ (1916), Hans Richter schuf sein „Visionäres Portrait. Ekstase durch Verzweiflung gefährdet“ (1917).

Besuch der Kunsthalle Bielefeld am 26. November 2017

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Ein Kommentar zu „Der böse Expressionismus“

  1. Das fiel den Nazis leicht, diese Künstler und ihre teils enorm ausdrucksstarken Werke als »entartet« zu vernichten und zu verbieten.

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