Marcel Beyer in Leipzig

Beim Gespräch mit Miriam Böttger auf der Leipziger Buchmesse 2006 liest Marcel Beyer aus seiner Erzählung „Vergeßt mich“. Die hat was, macht neugierig auf Madrid, den Francokult und vor allem Lust, die ganze Dreiecksgeschichte zu erleben. Schon beim kurzen Reinhören kommt so viel Zartheit bei mir an. Zehn Jahre später bekommt Marcel Beyer den Georg-Büchner-Preis 2016. Ich freue mich für diesen sensiblen Autor. Herzlichen Glückwunsch.

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ExtraSchicht im Bergwerk Ost

2016-06-25-Extraschicht6Im Rahmen der Veranstaltung „ExtraSchicht. Die Nacht der Industriekultur“ war am 25. Juni 2016 zum erstenmal das Bergwerk Ost in Hamm dabei. Inzwischen ist die Zeche stillgelegt. Bis Ende 2009 waren noch 2000 Mitarbeiter beschäftigt und auf deren Spuren konnten sich die Besucher begeben. Eingebettet in ein Programm mit Darbietungen in Musik, Tanz und Kunst konnten die einzelnen Bereiche der Zechenanlage besichtigt werden, so eine Waschkaue mit unzähligen Drahtkörben, in die die Bergleute seinerzeit ihre Alltags- bzw. Arbeitskleidung verstauten und unter die Decke zogen. Und wie geht es weiter? Nach dem Motto „Aus Kohle wird Kultur“ soll das Zechengelände entwickelt werden.

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Kalenderblatt: Ingeborg Bachmann

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Am 25. Juni 2016 würde sie 90 Jahre alt. R.I.P.

Ingeborg Bachmann *25. Juni 1926 +17. Oktober 1973

Kalenderblatt vom „Arche Literatur Kalender 2016. Glückliche Augenblicke“

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König, Meister, Prinz

Es war einmal ein junger Prinz, dessen Vater ihn öfter mitnahm ins Theater. Eines Tages erlebte er die Geschichte eines Tondichters, in der ein Prinz im silbernen Boot von einem weißen Schwan gezogen wurde. Seitdem träumte sich Nacht für Nacht in das Schwanenboot. Er war immer noch sehr jung, als sein Vater starb und er König wurde und er träumte sich noch immer in das silberne Boot hinter dem wunderschönen Schwan. „Hol mir den Tondichter herbei, koste es, was es wolle“, befahl er seinem Diener.
So wurde Meister Richie eines Tages vom jungen König empfangen. „Ich habe Sie herbestellt, weil ich Ihre Werke sehr schätze, Meister der Töne. Mein Volk soll Ihre Musikgeschichten auf der großen Bühne erleben.“ „Nun gut, mein König“, antwortete Meister Richie. „Meine neueste Tondichtung handelt von einem edlen Ritter, der ein wunderschönes Mädchen liebt und es erobern will. Dazu muss er sich in einem schwierigen Wettkampf der Meistersinger bewähren.“ „Bringe er das Stück auf die Theaterbühne, mit den besten Sängern und Musikern des Landes, koste es, was es wolle“, antwortete der König. Und so wurde die Geschichte mit allem Schnickschnack aufgeführt, dass auf der Bühne die Fetzen flogen.
MeistersingerViele Jahre später wurde Bücherprinz Ruprecht Frieling von Meister Richies Werken fasziniert. Über die Musik und die Sprache hat er zu Richard Wagner gefunden, sagt er. Wagner-Opern erinnern ihn an die gigantischen Rockkonzerte aus früheren Jahren, wie die von Cream und Jimi Hendrix. Mit seinen Opernerzählungen möchte er viele Menschen an Wagners musikalische Dichtungen heranführen. „Die Meistersinger von Nürnberg“ ist seine neueste, so lebendig mit Frieling’schem Sprachwitz geschrieben. Beim Lesen werde ich in die frühe mittelalterliche Geschichte entführt, vom Minnegesang, dem Buhlen der Ritter um die Burgfräulein bis zu den Regeln der Meisterlieder, die Ritter Walther von Stolzing beherrschen muss, um die schöne Eva zu erobern. Und wie lustig, wenn der pfiffige Hans Sachs nach dem Prinzip „Liebe ist wichtiger als Tabulaturen“ Erbsenzähler Beckmesser austrickst.

Hier geht’s zu Ruprecht Frielings Opernerzählung:
Die Meistersinger von Nürnberg

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„Fernand Léger. Malerei im Raum“

2016-06-04-LegerWen an einem von heftigen Regenschauern gebeutelten Samstag Kölner Konsumtempel in Dumont Carré, Neumarktgalerie, Schildergasse und Hohe Straße eher langweilen, der hat eine gute Gelegenheit, ein paar Stunden im Museum Ludwig zu verbringen. Ein großes Plakat auf der Domplatte weist auf die derzeitige Ausstellung hin, „Fernand Léger. Malerei im Raum“.
2016-06-04-LegerSchriftBildMit Audioguide bummeln wir durch die Installation und bekommen kurzweilige Eindrücke und Informationen zu den Objekten des französischen Künstlers Fernand Léger (1881-1955), überwiegend farbige Gestaltungen für private und öffentliche Räume, Bühnen, Filme aus den Zwanzigern und einer überdimensionalen Montage für die Pariser Weltausstellung im Jahre 1937.

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„Keine Panik“

Udo01Udo04Der kleine Mann mit der roten Jacke im Lichtkegel unter unzähligen Sternen am tiefblauen Horizont ist der berühmte Udo Lindenberg aus dem westfälischen Gronau. Nachtigal, nennt er sich selbst auch gerne. Er singt zwar nicht so schön wie diese, aber mit genausoviel Hingabe und Freude. Vergangenen Freitag war ich wieder dabei, als das Panikorchester aus dem wellenbrausenden Atlantik auftauchte. Hoch oben über der Menge in der Kölnarena schwebte die coolste Socke ein. „Odysee“. Lebensfreude. Ja, das Leben, „…gib’s nie wieder her…“. Und was brauchtst du zum Leben? Keinen „Plan B“. keine Waffen, rassistische Fratzen, feindliche Parolen und schräge Despoten, sondern Liebe. Die bringt Lebensfreude, hilft gegen die Panik, reißt Mauern ein und begleitet dich „durch die schweren Zeiten“.

Lindenberg in der Essener Grugahalle 2008
Lindenberg in der Kölnarena 2012
Lindenberg im Jovel in Münster 2014

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Radtour durch das liebliche Taubertal

WertheimMainuferUnsere diesjährige Pfingstradtour begann in Wertheim, wo wir am Mainufer parken, Fahrräder und Taschen klarmachen und in den Zug nach Schrozberg einsteigen konnten. Von dort ging es per Bike durch Felder und Wiesen ca. 25 km nach Rothenburg ob der Tauber, ein Ort, von dem ich jetzt weiß, warum der das „ob“ im Namen hat. Das bizarre Städtchen liegt hoch oben über der Tauber und verlangte uns den ersten heftigen Anstieg ab.
RotenburgStadttorAm Tor angekommen, empfingen uns drei junge Hereinlasser, die an einem Tisch saßen und in ihren Listen erst einmal prüften, ob wir eine Berechtigung zum Einlass hatten. Mit 3 Euro pro Person waren wir dabei und durften den Bereich innerhalb der hohen Stadtmauern betreten. Hier fand nämlich an den Pfingsttagen das jährliche Mittelalterspektakel um den Meistertrunk statt. Der soll im 30-jährigen Krieg die Stadt vor Tillys Truppen und dem Katholizismus gerettet haben.
RotenburgMarktplatzFestwieseRothenburgAufsitzen war nicht. Wir mussten unsere „Zossen“ samt Satteltaschen die holprige steile Gasse hinauf auf den Marktplatz schieben und durch ein Gedränge von historisch kostümierten Mädchen und Burschen das Hotel finden, einchecken und „Zossen“ in die Garage stellen. Nach dem Abendessen beim „Reichsküchenmeister“ war noch ein Gängelchen zwischen zahlreichen Buden mit Angeboten von Handwerkern, Händlern und Musikgruppen aus vergangenen Jahrhunderten und ein Blick über die begehbare Stadtmauer auf das Zeltlager auf den Wiesen vor der Stadt angesagt.
Nun, man hätte sich in dem Rothenburger Spektakel auch einige Tage lang nicht langweilen müssen, denn am nächsten Morgen ging es weiter mit allem Drum und Dran, Musik, Pferdegetrappel, Appell auf dem Marktplatz. Doch wir nahmen den Abstieg zum lieblichen Taubertal und fuhren mit wenigen kurzen Pausen (weil es zu kalt war!!!) bis Creglingen, die winzige Hergottskirche oben am Berg war unser Ziel.
HerrgottskircheCreglingenRiemenschneiderIn dieser kleinen Kirche befindet sich nämlich eins der berühmten Meisterwerke von Tilman Riemenscheider, ein Schnitzaltar, der den steilen Anstieg lohnt. Nach einer längeren Regenpause im Gasthaus Kohlesmühle an der Straße direkt unterhalb der Kirche ging es bis Weikersheim, einem weiteren mittelalterlichen Tauberstädtchen mit einem „Schatzkästchen der Renaissance und des Barock“, dem Schloss und dem Schlossgarten, wo wir in einer Führung über die Geschichte dieser 1586 vom Grafen Wolfgang von Hohenlohe erbauten und Anfang des 18. Jahrhunderts vom Grafen Carl Ludwig von Hohenlohe erweiterten großzügigen und facettenreichen Anlage informiert wurden. Ein wirkliches Schatzkästchen. Abends ging es nach Bad Mergentheim, das wir uns wegen Müdigkeit erst am nächsten Morgen ansehen wollten, was jedoch dann buchstäblich ins Wasser fiel.
TaubertalLieblich2LieblTaubertalEBikeBei Regen und Kälte ging es am Pfingstmontag weiter, wobei wir feststellten, dass das Taubertal auch bei schlechtem Wetter nichts an Lieblichkeit einbüßt, einfach schön mit seinen blühenden Obstwiesen und idyllischen kleinen Dörfern, jedes auf seine Art sehenswert. Ein Highlight war zunächst eine längere Kaffeepause auf dem Marktplatz in Tauberbischofsheim, das vom Fechten bekannte Städtchen mit Türmersturm und schönem Rathaus. Auch wenn es im Café so schön warm und draußen kalt war, hieß es: on the road again. Das nächste Ziel auf der Etappe musste wieder mit einem steilen Anstieg erkämpft werden, das Kloster Bronnbach, eine historische Klosteranlage von ehemaligen Zisterziensermönchen, im 12. Jahrhundert gegründet von Bernard von Clairveaux. BronnbachKlosterKreuzgangAußer einem schönen Kreuzgang konnten wir auch hier aufwändig gestaltete Meisterwerke an Wänden und Decken bewundern und erfahren, dass wie Schloss Weikersheim auch in dieser groß angelegten Einrichtung das historische Ambiente zu verschiedenen Anlässen genutzt wird wie Übernachtungen, Tagungen, Musikevents und Trauungen. Ziel der Etappe und Endziel der Radtour war die Stelle, wo die Tauber in den Main fließt und so erreichten wir nach insgesamt ca. 135 Kilometern strampeln am späten Nachmittag das Städtchen Wertheim mit einer imposanten Burg und unserem Auto am Mainufer.

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Das Alsfelder Rathaus

AlsfeldRathausDas Alsfelder Rathaus ist schon ein ganz besonderes historisches Gebäude. Der Fachwerkbau auf der ehemaligen Markthalle mit der Alsfelder Elle, den aus Stein gebauten Spitzbögen und dem Schieferdach mit zwei Türmen ist das unverwechselbare Wahrzeichen der Stadt. Neben dem Weinhaus mit Pranger, der Walpurgiskirche und weiteren schönen alten Fachwerkhäusern auf dem mittelalterlichen Marktplatz zieht es die Blicke unwillkürlich an. In der Zeit von 1512 bis 1516 erbaut steht es heute unter Denkmalschutz. Die Räume werden genutzt für das Amtszimmer des Bürgermeisters sowie Sitzungssaal und Trauzimmer.

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„Haus der Wannseekonferenz“

WannseekonferenzHausEffektWannseekonferenzHaus04WannseekonferenzHaus11Die mittägliche Märzsonne wärmt schon ganz schön, als wir uns an diesem Samstag auf den Weg zum Wannsee machen. Das „Haus der Wannseekonferenz“ ist unser Ziel, eine historische Villa am Wannsee gelegen. Vor Ort wollen wir versuchen, nachzuerleben, was sich dort an einem Januartag des Jahres 1942 zugetragen hat. „Die Wannseekonferenz und der Völkermord an den europäischen Juden“ ist der Titel der ständigen Ausstellung. Vom Hauptbahnhof aus fahren wir mit der S-Bahn Linie 7 über das Westkreuz bis zum Bahnhof Wannsee. Von der gegenüber liegenden Straßenseite aus bringt uns ein Bus der Linie 114 Richtung Heckeshorn bis zur Haltestelle „Haus der Wannseekonferenz“. Von dort sind es ein paar Fußminuten bis zum Eingang in einen weitläufigen Park, dessen Mittelweg direkt zum Säulenportal der Villa führt. In das großzügige Ambiente dieses Hauses am See hatte SS-Obergruppenführer (SS = Schutzstaffel) Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD (Sicherheitsdienst) eingeladen.
WannseekonferenzHaus10WannseekonferenzHaus05Außerdem war jener Reinhard Heydrich auch Reichsprotektor für Böhmen und Mähren in Prag, und dort hatte er wohl auch die Einladung zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Januar 1942 um 12 Uhr Berlin, Am Grossen Wannsee 56-58“ abgeschickt. In einer Vitrine im Besprechungsraum sind entsprechende Dokomente ausgelegt, so auch die 15 Seiten des von SS-Obersturmbannführer Eichmann vom Reichssicherheitshauptamt erstellten Protokolls. In diesem Raum fand also die 90 minütige Besprechung statt, an der 15 Männer teilnahmen, Gauleiter, Staatssekretäre (u.a. des Reichsjustizministeriums), SS-Ober-, Gruppen- und Sturmbannführer und der Ministerialdirektor der Reichskanzlei. Worum es ging? Das lesen wir im Kapitel II des Protokolls. Es ging um einen „Entwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Belange im Hinblick auf die Endlösung der europäischen Judenfrage“.
WannseekonferenzHaus08Wannsee01Und wie der Völkermord aussehen soll, hat der Protokollant auf Seite 7/8 so formuliert: „Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird.
Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als entsprechende Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.“
Die Märzensonne hat an Intensität nicht verloren, als wir noch ein Gängelchen am Wannsee machen, doch irgendwie wärmt sie uns nicht mehr.

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Kathedrale im „Sunnesching“

Kölner Dom vom Wallrafplatz

Kölner Dom vom Wallrafplatz

Wenn man sich vom Neumarkt kommend in der Schildergasse schlängelt, ist man mittendrin im Gewühle. In beiden Richtungen laufen unzählige Menschen zwischen großen und kleinen Hallen des Konsums. Vor allem mit Kleidung einschließlich Sportkleidung und Schuhen kann man sich eindecken. Bei der Bäckerei Merzenich geht es nach links in die Hohe Straße, wo das Schlängeln durch die Enge der Häuserschlucht noch schlängeliger wird. Und dann hat man endlich den Wallrafplatz erreicht, links das WDR Funkhaus, rechts wieder Merzenich und andere Läden und oben die Werbung für 4711 Kölnisch Wasser, das übrigens gar nicht das ursprüngliche Kölnisch Wasser ist, das wurde nämlich von Johann Maria Farina kreiert. Und über allem ragen die Türme des unvergleichlichen Kölner Wahrzeichens in den blauen Himmel.

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